Die Salumeria Rosa punktet mit gut gemachten Kleinigkeiten, den "Chicchetti", angenehmem Service und feinen Desserts Foto: Bernd Matthies
© Bernd Matthies

Von TISCH zu TISCH - die Restaurantkritik Salumeria Rosa

Zwei Dutzend Vorspeisen, „Cicchetti“, dazu ein paar Hauptgänge – ein gutes Konzept, und bestechend umgesetzt.

Wohl noch nie war es so wichtig wie heute, vorher genau nachzuschauen, nach welchem Konzept ein Restaurant arbeitet, jedenfalls bei gewissen Ansprüchen. Natürlich, eine Pizzeria bleibt eine Pizzeria und ein Luxusrestaurant ein Luxusrestaurant, aber schon da kann es ein bitteres Erwachen geben, wenn auf der Karte nur ein 180-Euro-Menü steht und sonst gar nichts. Und es hat natürlich auch keinen Sinn, in einer Andachtsstube der Nova-Regio-Küche nach Schnitzel mit Pommes für die Kinder zu fragen.

Der Gast darf entscheiden, was er essen möchte

Wenn Sie mich fragen: Ich bin für die größtmögliche Freiheit im Rahmen des jeweiligen Konzepts. Hinsetzen, ein Glas Wein und ein paar Häppchen bestellen, dann, wenn es gut ist, noch was bestellen und noch was. Und noch ein Glas Wein bestellen. Dieses vor allem bei asiatischen Restaurants übliche System ist längst in den deutschen Gourmetbereich vorgestoßen, wo es mit dem strikten Nur-ein-Menü-Rigorismus konkurriert.

Auch beim Italiener gibt es so etwas: „Cicchetti“. Das sind an sich venezianische Häppchen ähnlich den spanischen Tapas, aber meist auf Brot. Allgemein betrachtet handelt es sich um vielfältige Gerichte vom Umfang einer kleinen Vorspeise, die nach Lust und Laune bestellt werden können. Die hübsche „Salumeria Rosa“ bietet rund zwei Dutzend solcher Portionen an, ergänzt um drei richtige Haupt- und drei Nudelgerichte.

Angenehmer Service, gute Küche

Inhaber Duc Anh Tran, einst Mitbegründer des Deutsche-Tapas-Konzepts im „Acht & Dreißig“, macht das zusammen mit seiner sizilianischen Frau Rosa Panzera und dem Koch Andy Land – möglicherweise liegt es an dieser Konstellation, dass sich hier Gastgeberherz und kochtechnische Präzision so schön die Waage halten. Klassisch italienisch ist allerdings fast gar nichts, das erschließt sich schon beim Blick auf das Kalbsbries mit Blumenkohl und eingeweckten Kirschen – reinrassige Gourmetküche für 9 Euro, sehr fein ausgearbeitet mit Blumenkohlpüree und ganzen Röschen, akkurat gewürzt, attraktiv angerichtet. Ebenso überraschend fand ich die Idee, Gambas auf Erbspüree mit Basilikum und eingeweckten Mirabellen zu kombinieren, das ergibt hübsche geschmackliche Kontraste (8). Schön saftig war die gefüllte Hähnchenrolle mit Spinat und Cashews auf sanftem Selleriepüree (6), ein richtiger Magenwärmer die Burrata mit leicht süßlich kandierter Aubergine mit Pilzstücken und einer gut nach schwarzen Trüffeln duftenden Pilzcreme (9). Selbst ein klarer Klassiker wie der Pulpo-Salat mit Sellerie, Fenchel, Kapern, Oliven und Cherrytomaten bekommt durch etwas Koriander einen winzigen Klaps in Richtung weiter Welt (6). Die Größe des Angebots ist bei dieser Qualität ein logistisches Kunststück, und all das ist im Grunde zu groß dimensioniert, ich hätte sonst glatt noch mehr bestellt.

Große Kleinigkeiten und sehr gute Desserts

Aber es musste noch Platz für einen Check der Hauptgänge bleiben. Die Casarecce-Nudeln alla Carbonara (9) mit echtem Guanciale-Speck brachten das Thema auf den Punkt, und nur beim Bouillabaisse-Risotto (22) fand ich die Idee nicht richtig umgesetzt, denn es schmeckte zwar gut, aber der à la Tataki kurz angebratene Thunfisch ergibt in dieser Kombination keinen Sinn, und die kleinen Jakobsmuscheln waren eher B-Qualität; dazu guter Pulpo, gute Gambas.

Sehr gute Desserts: Limoncello-Eisparfait mit Zitrusfrüchten, Zitronenthymian und malzigen Brotbröseln (7) sowie Panna cotta in Form kleiner, mit Beerenpüree gefüllter Kugeln nebst Mandelcrumble und Karamellcreme (8). Geradezu mildtätig ist auch die Preisgestaltung der kleinen Weinkarte: Der feine Chardonnay von Moccagatta/Langhe kostet 38 Euro. Und ausgezeichneter Espresso! Sehr günstigen Lunch gibt es auch. Ich habe ihn nicht probiert, aber was kann daran in diesem wunderbaren Restaurant falsch sein?

Salumeria Rosa, Neue Kantstr. 25, Charlottenburg,

Tel. 83 21 78 41, Mo–Fr von 11.30 bis 22 Uhr.

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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