Gutgemachte klassisch-osmanische Küche auch am neuen Standort: Das Istanbul Foto: Mike Wolff
© Mike Wolff

Von TISCH zu TISCH - die Restaurantkritik Istanbul

Nicht mehr so fein wie das alte, aber dennoch ein Restaurant mit sehr ordentlicher osmanischer Küche.

Zwar gilt Berlin nach wie vor als die größte türkische Stadt außerhalb der Türkei. Das Angebot an gehobenen Restaurants mit osmanischer Küche ist aber leider immer noch extrem überschaubar. Manche werden sich erinnern an das Restaurant „Istanbul“: Nahe dem Savignyplatz galt es jahrzehntelang als die beste Berliner Adresse für gute türkische Küche – bis es irgendwann verschwand. Kürzlich stieß ich dann auf die Homepage im Internet. „Seit 1960 im Familienbesitz“, heißt es da. Neuer Standort: Pestalozzistraße, wirklich keine schlechte Gegend. Also nichts wie hin.

Ambiente Fehlanzeige, aber der Service ist aufmerksam und die Preise sind niedrig

Offensichtlich hat den Betrieb jener Teil der Familie übernommen, dem Effizienz über Eleganz geht. Die offene Küche im Eingangsbereich stammt wohl aus einer Zeit, in der das Wort Showküche noch nicht gängig war. Das relativ eng stehende Mobiliar im Gastraum erzählt eher von zünftigen Wirtshäusern als von Tausendundeiner Nacht. Die Karte stammt ebenfalls aus einer untergegangenen Zeit, außen braunes Plastik, innen transparente Umschläge, damit das Papier keine Flecken bekommt – und ein bisschen klebrig. Aber das Lokal war gut gefüllt. Das Geheimnis der Popularität dieses Ortes offenbart sich ziemlich schnell. Die Preise sind nämlich auch noch ein bisschen von früher.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Kellnerin mit den Riesenkreolen war wirklich richtig gut. Das Plus eines Familienbetriebs ist, dass man nicht auf schnöselige junge Leute angewiesen ist, die nur Englisch beherrschen und sonst nichts Erkennbares. Der Service hier war effizient, aber nicht aufdringlich, man bekam kurze Ratschläge und das Geschirr wurde zum genau richtigen Zeitpunkt abgeräumt. Noch bevor wir das erste Getränk bestellt hatten, stand ein Korb mit frischem Pitabrot auf dem Tisch.

Die Küche ist weit über dem Durchschnitt

Die kalt-warme Vorspeisenplatte, die es erst ab zwei Personen gibt, unterschied sich deutlich von dem, was man bei der Konkurrenz vorgesetzt bekommt. Zwar gab es Auberginenpüree, aber das war nur einer von zwei weitgehend knoblauchfreien Dips. Der andere war eine ordentliche Hummus-Variante. In der Mitte dominierte eine Schüssel mit Leberwürfeln und Hackfleischbällchen, ringsum Gemüse, gefüllte Paprika, schlanke grüne Bohnen mit Zwiebeln, weiße Bohnen mit Möhren, Lauch, mächtige Selleriestücke, die in Olivenöl so zubereitet waren, dass sie irgendwie fruchtig schmeckten, außerdem Artischocken und gefüllte Blätterteigröllchen. Manches war in überraschend großen Brocken angerichtet, eher ungewöhnlich für die türkische Küche (19,90 Euro). Das Omelette mit Schafskäse war platt, schmeckte aber in dieser pikanten Kombination recht gut (5 Euro).

Wein- und Dessertangebot sind überschaubar

Auch Sis Bursa Kebap war einwandfrei gelungen: Fladenbrot, Fleischstücke und gegrillte Brocken vom Kalbshackfleisch in dieser typischen Kombination aus Joghurt und Tomatensauce, die nicht so mächtig schmeckt. Dazu gab es eine extrascharfe Peperoni, die dankenswerterweise nicht ohne Warnung serviert wurde. Wenn man traditionelle Küche schätzt und nicht zu lange darüber nachdenkt, wo das Fleisch zu solchen Preisen wohl herkommt, gab es nichts zu mäkeln (13,50 Euro).

Beim Dessert schwächelte die Küche leider etwas. „Noahs Vergnügen“ mit angeblich 80 Zutaten hätte mich gereizt, das gab es aber nicht mehr, wie andere Desserts ebenfalls. Stattdessen also ein Bakhlava-Teilchen mit Pistazienfüllung (1 Euro) und den typischen türkischen Mokka (2,50 Euro).

Bei den offenen Weinen, und es gibt nur offene, würde ich unbedingt zum Doluca raten, leicht, frisch und bekömmlich (0,5=6,50 Euro). Alternativ könnte man sich an den spanischen Tempranillo oder den französischen Sauvignon Blanc halten.

Istanbul, Pestalozzistr. 84, Charlottenburg, Tel. 88 32 777, täglich 12 bis 23 Uhr

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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