Indische Lebensart in vulgo. In Bunty's Bombay Café legt man Wert auf Freundlichkeit. Foto: promo/Bunty's Bombay Café
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Von Tisch zu Tisch - die Restaurantkritik Indisch auf leichte Art

"Bunty's Bombay Café" ist mehr Kaffeehaus als indisches Restaurant: Dieses Lokal verzichtet auf Folklore – und auf zu viel Schärfe in den Speisen

Von Räucherstäbchen geschwängerte Luft, Hindugötter und allerlei Messingwerk? Gibt es hier nicht. Bunty’s Bombay Café ist tatsächlich mehr ein Kaffeehaus als ein klassisches, von Folklore geprägten indisches Restaurant. Schlichte Marmortische, schönes Besteck, großgemusterte Tapeten, Spiegel, dezente Beleuchtung. Die Getränkekarte bietet soliden Champagner für 120 Euro und als passenden Begleiter zum Essen einen guten Riesling von Spiess aus Rheinhessen mit fruchtig-feinen Noten von Pfirsich und Aprikose, der comme il faut im Kühler auf Eis serviert wird (22 Euro).

Der Kellner aus Südindien ist freundlich, wird nur ein bisschen paternalistisch, wenn man seinen Empfehlungen nicht folgt. Sowas weckt natürlich sofort den Verdacht, dass es sich um Dinge handelt, die dringend wegmüssen. Der allerdings ist hier unbegründet. Das Restaurant macht einen wirklich angenehmen Eindruck, und es ist auch gut gefüllt mit dem für die Nachbarschaft typischen, eher intellektuell wirkenden Publikum.

Die Gerichte kommen leicht zeitversetzt an den Tisch

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass die gute Sitte, Vorspeisen und Hauptgerichte für alle am Tisch Sitzenden zeitgleich zu servieren, auszusterben droht. Hier kamen die Gerichte immerhin nur leicht zeitversetzt. Das sonst oft übliche Dreigestirn an Dip-Schüsselchen fehlte auf dem Tisch, auch Brot muss man extra bestellen, worauf wir aber verzichteten, obwohl eine schöne Auswahl verschiedener indischer Sorten angeboten wird. Die Samosas waren überdurchschnittlich groß, thronten, übergossen mit einer roten, ketchuphaltigen Sauce, auf einem leuchtend grünen Mintspiegel, der aus verspielten Girlanden von Saucenpaste gefertigt war. Das alles passte so gerade auf ein kleines ovales Tellerchen.

Gefüllt waren die offensichtlich handwerklich gefertigten Taschen mit einer Mischung aus feinen Kartoffelwürfeln, Erbsen und Kräutern (4,90 Euro). Von erstaunlicher Konsistenz her war die zweite Vorspeise, als Gemüsespieß mit Nüssen annonciert, fanden wir vier kleine Kroketten mit jeweils hübsch gespritzten Girlanden aus weißer Sauce und grünem Mintdip. Blumenkohl, Kartoffeln und auch die Nüsse waren püriert wieder zusammengesetzt worden. Das schmeckte fein und modern (8,90 Euro). Auf Nachfrage bekamen wir zum Teilen zwei kleine Extrateller dazu. Was dieses Restaurant für Einsteiger der indischen Küche qualifiziert, ist der Verzicht auf zu scharfe Würzung. Immer mal wieder entfalten sich Aromen von Koriander oder Anis oder auch Kardamom im Mund, aber das alles ist überhaupt nicht scharf.

Auf extrem scharfe Würzung wird verzichtet

Dieser Eindruck setzte sich auch bei den Hauptgerichten fort, obwohl auch Curry im Spiel war. „Hoppers“ bekommt man nicht überall, wir wählten die Variante „Lamm Curryblatt“. Der Pfannkuchen aus Reismehl und Kokosmilch war geformt wie eine flache, kleine Schüssel. Das Lamm, langsam und über Nacht gekocht, war etwas kräftiger als die Vorspeisen, aber immer noch vergleichsweise sanft gewürzt (13,90 Euro). Eigentlich alle Gerichte schmeckten etwas anders als erwartet. Das Hähnchen war superzart, feurig orange in einer fruchtigen Sauce, nicht zu scharf, mit einem Küchlein Reis, aber ohne den annoncierten Teigmantel (15,90 Euro).

Die empfohlene Dessert-Kombination von Matcha-Eis mit einer Streetfood-Süßigkeit aus Nordindien war leider aus. Originell war der Malpua Pudding mit Pistazien auf dem Sahnehäubchen und einer (nicht essbaren) rosa Blüte. Der klebrig-süße kleine Pfannkuchen mit einem Karotten-Flaschenkürbis-Pudding unter einer Kugel Vanilleeis ergab einen kleinen, durchaus originellen Dessert-Turm (6,90 Euro).

Fazit: Ein Café mit Tandoori-Lehmofen und vergleichsweise leichten indischen Spezialitäten: Das kann Zukunft haben.

Bunty's Bombay Café, Knesebeckstr. 18, Charlottenburg, Tel. 0151–17 66 39 86, Di–Fr 12-23, Sa/So 17–24 Uhr

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