Italiener mit persönlicher Note. Die "Trattoria Rossi" in Charlottenburg. Foto: Trattoria Rossi/promo
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Von Tisch zu Tisch - die Restaurantkritik Frühlingsfrische in der Trattoria Rossi

Im Pasta-Bezirk Charlottenburg gibt es einen Italiener, der es schafft, Klassikern eine ganz eigene überraschende Note zu geben.

Den Mangel an Dessertkreativität in italienischen Restaurants habe ich an dieser Stelle immer mal wieder beklagt. Aber es geht eben doch anders. In der Trattoria Rossi, einem ansonsten nicht sonderlich auffälligen Lokal im Pasta-Bezirk Charlottenburg, kam endlich mal ein Dessert auf den Tisch, von dem ich schon länger geträumt habe: Ananas Carpaccio. Hauchdünn geschnittene, gefaltete Scheiben von frischer Ananas, mit Gewürzen mariniert, verziert mit Blau-, Brom- und Himbeere, Kapkirsche und gefächerter Erdbeere. Die halbe Zimtstange deutet schon in die Hauptgeschmacksrichtung, aber es ist mehr dabei, und das schmeckt nicht mal weihnachtlich, sondern ganz frisch nach Frühling.

In diese Richtung dürfen sich auch andere Ristorantes gern orientieren, denn das ist es ja, was man sich am Ende eines Mahles wünscht: Etwas Süßes, etwas Frisches und Geschmackvolles (7,80 Euro).

Markenzeichen ist ein lebensgroßes Pferd auf der Terrasse

Zum Dessert passte der Wein, ein 2018er Prisma Pecorino Terre di Chieti aus den Marken mit subtilen Noten von exotischen Früchten. Dieser Wein aus einer alten Traube wird erst seit den frühen neunziger Jahren wieder produziert (22,50 Euro).
Markenzeichen der Trattoria ist ein lebensgroßes Pferd aus Glasfaser, das vor der Terrasse steht, die das Ecklokal umgibt. Drinnen weiß gedeckte Tische, an den Wänden Bilder, die mit der Geschichte der Betreiber zu tun haben.

Hier herrscht eine ganz persönliche Atmosphäre, wie es sich für einen Nachbarschaftsitaliener gehört. Pizza, Pasta müssen sein, hier sogar in der saisonal begrenzten Variante mit schwarzem Trüffel auf dem Büffelmozzarella der Pizza oder Pulpo Bolognese auf den schwarzen Sepia Tagliolini. Es gibt aber auch eine ganz interessante Saisonkarte. Vorweg zweierlei Kräuteroliven mit duftig frischem dunklem Brot. Gut auch die drei "Crostini Toscani ai Fegatini", knusperndes Brot mit hausgemachter, eher etwas deftiger Hühnerleberpastete bestrichen und mit winzigen Scheiben von roten Zwiebeln und großen Kapern apart geschmückt (6,50 Euro).

Gemüsesuppe mit reichlicher Fischeinlage

Interessant schmeckte auch die Gemüsesuppe mit reichlicher Fischeinlage – Tintenfisch, Dorade und rosiger Garnele – dazu Möhren, Zucchini, Fenchel in einem mild gewürzten Brühe. Auch das ein Gericht, das man nicht überall vorgesetzt bekommt (9,80 Euro). Das Lamm war sehr reichlich und dekorativ aufbereitet auf einer kräftigen Rotweinsauce. Dazu gab es dicke Kartoffelscheiben, die ein bisschen zu tief in den Öltopf geschaut hatten, außerdem einen Spinatflan – kleine eigenen Akzente der Küche, die den Speisen jenen Charme geben, der sich von anderen abhebt (25,50 Euro). Der warme Salat vom frischen Thunfisch in knuspriger Sesamkruste mit weißen Cannellini-Bohnen war zwar unter den Kleinigkeiten und Vorgerichten aufgeführt, kann aber ein veritables Hauptgericht ersetzen. (15,80 Euro).

Traditionelle Desserts mit eigenen Akzenten

Der Vollständigkeit halber sei noch ergänzt, dass es auch hier natürlich Tiramisu gibt, sogar hausgemacht, und dazu Klassiker wie Tartufo-Eis und das auch nicht mehr so ganz brandneue warme Schokoladenküchlein mit flüssigem Kern und Vanilleeis. Aber die Anstrengung, besondere Akzente zu setzen, ist erkennbar und wird von den Gästen offensichtlich goutiert.

Wenn man in der Gegend ist, sollte man durchaus mal vorbeischauen. Nicht umsonst werben die Betreiber des ziemlich geräumigen Lokals mit kleinem Nebenraum für Geburtstage etc. mit dem Spruch: "Bei uns ist frischer Wind eingezogen." Wenn der gelegentlich auch mal die Waschräume durchpusten könnte, wäre noch ein Stück Lebensqualität zusätzlich gewonnen. Aber was auch immer man an kleinen Macken entdecken mag, der Grappa aufs Haus steht für italienische Gastfreundschaft nach alter Art und trägt zum Korpsgeist der Stammgäste sicherlich bei.

Trattoria Rossi, Friedbergstr. 22, Charlottenburg, Tel. 30 00 79 63, Mo-Sa 17-23 Uhr

Dieser Beitrag ist auf den kulinarischen Seiten "Mehr Genuss" im Tagesspiegel erschienen – jeden Sonnabend in der Zeitung. Hier geht es zum E-Paper-Abo. Weitere Genuss-Themen finden Sie online auf unserer Themenseite.

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