Als Durstlöscher ist Klassik-Mineralwasser bestens geeignet. Foto: Wolfgang Kumm dpa/lbn
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Mineralwasser-Test 2022 Nicht alle „klimaneutralen“ und Bio-Wässer halten ihre Versprechen

32 Klassik-Mineralwässer hat Stiftung Warentest unter die Lupe genommen. Vor allem preiswerte Sprudelgetränke können bei Geschmack und Reinheit überzeugen.

Jetzt wird’s spritzig: Im Juni 2022 hat Stiftung Warentest 32 Klassik-Mineralwässer getestet. Einen Mindestgehalt an Kohlensäure gibt es für die Kategorien Medium- und Klassik-Wasser nicht. Allgemein gelten die Klassik-Produkte aber als die Wässer mit dem meisten Sprudel.

Beim Geschmack schneiden fast alle „gut“ oder „befriedigend“, acht sogar „sehr gut“ ab. Nur das Rheinfels Quelle Klassik erhält eine schlechte Bewertung. Es schmecke deutlich nach Plastik, sagt die Jury. Nicht so prickelnd sind dafür die Preise. Nach fast 20 Jahren hat der Discounter Aldi den geltenden Preis für Mineralwasser von 13 auf 17 Cent pro Liter erhöht. Andere Anbieter folgten diesem Schritt. Markenwässer sind mit knapp einem Euro bis 1,60 Euro deutlich teurer.

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Spurenstoffe im Wasser: Mehr Verunreinigungen als früher

Laut der Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) soll Mineralwasser vor Verunreinigung geschützt und „von ursprünglicher Reinheit“ sein. Grenzwerte für Spurenstoffe – also unerwünschte, mikroskopisch kleine, gelöste Stoffe aus Haushalt, Landwirtschaft oder Industrie – gibt die Verordnung jedoch nicht vor. Anders ist es bei den Bio-Siegeln. So nennt die Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser etwa strickte Grenzwerte für Pestizidmetabolit (Abbauprodukte von Pestiziden).

Von den 32 Produkten im Test enthielten neun Spurenstoffe. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal vier aus 32 Wässer. In den Wässern von Teinacher, Markgrafen, Rudolf-Quelle, Justus Brunnen, Alasia und Netto wurden Abbauprodukte von Pestiziden nachgewiesen, in Justus Brunnen und Alasia waren zudem Süßstoffe nachweisbar.

Das Carolinen-Wasser trägt ein Bio-Siegel der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser, enthielt aber als einziges Wasser im Test Nitrit – „ein Indiz für verunreinigtes Wasser“, schreibt Stiftung Warentest. Auch Ampa, ein Abbauprodukt von Phosphonaten aus Waschmitteln oder von Pestiziden, wurde im Carolinen-Wasser festgestellt. Die Handelsmarken seien dagegen meist ursprünglich rein.

Nach Angaben der Verbraucherorganisation seien die Spurenstoffe zwar „gesundheitlich unbedenklich“, da ihre Mengen sich im Nanogrammbereich bewegen. Solche Verunreinigungen würden die von vielen Firmen deklarierte Bezeichnung „natürliches Mineralwasser“ jedoch in Frage stellen.

Klimaneutrales Wasser: Was Unternehmen versprechen

.Beim Herstellen und Entsorgen von Wasserflaschen fallen Emissionen an. Foto: IMAGO/fStop Images Vergrößern
.Beim Herstellen und Entsorgen von Wasserflaschen fallen Emissionen an. © IMAGO/fStop Images

Vielleicht ist es Ihnen auch bereits aufgefallen: Die Angabe „klimaneutral“ ziert immer mehr Wasserflaschen. Aber was bedeutet das genau?

Nach Angaben des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg kommen auf einen Liter Mineralwasser circa 0,2 Kilogramm CO2-Äquivalent. Mit dieser Einheit wird der Kohlendioxid-Fußabdruck gemessen. Im Fall von Wasser fallen diese Emissionen beim Abfüllen, Herstellen und Entsorgen der Flaschen, sowie beim Transport in den Handel an.

Im Vergleich zu anderen Lebensmitteln ist dieser Abdruck relativ geringfügig. Bei Kaffeepulver liegt der Wert beispielsweise bei 13,6. Leitungswasser hingegen hat ein C02-Äquivalent von quasi Null.

Um ihre Emissionen zu reduzieren, steigen Anbieter von „klimaneutralen“ Wässern wie Bad Liebenwerda, Emsland Quelle, Labertaler, Margon und Vilsa nach eigenen Angaben auf Ökostrom um. Das tun auch Alasia, Ensinger und Gerolsteiner. Zudem arbeiten die Firmen mit Kompensationsanbietern zusammen und unterstützen zertifizierte Klimaschutzprojekte.

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Hersteller, die ihre Produkte als „klimaneutral“ bezeichnen, müssen erklären, wie sie dies erreichen. Unklarheit besteht jedoch bei Untouched. Dessen Wasser soll laut Flaschenbeschriftung „klimaneutral“ sein – doch wie der Firma das gelingt, teilte sie auf Anfrage von Stiftung Warentest nicht mit.

Zudem wirft die Verbraucherorganisation dem Wasser-Produzenten vor, nicht nachhaltig zu sein. Entnommen werde das Wasser aus einer Quelle im Nationalpark Hunsrück-Hochwald in Rheinland-Pfalz. Dafür habe Untouched zwar eine offizielle Genehmigung. Nach Auffassung von Stiftung Warentest könne es aber „in Zeiten von Niederschlagsmangel und Klimawandel“ nicht nachhaltig sein, Tiefenwasser aus einem Nationalpark „zu vermarkten.“

Wer Wasser klimabewusst kaufen und trinken möchte, ist mit dem Wasser von Margon gut bedient. Auf dem Flaschenetikett gibt die Firma an, welche Klima-Maßnahmen sie verfolgt sowie eine Website-URL, die zu Klimaschutzprojekten führt. Sinnvoll sei laut Stiftung Warentest auch, Wasser regional zu kaufen oder Leitungswasser selbst zu sprudeln.

Das sind die besten Mineralwässer 2022

  • Aquintus Classic (0,37 Euro, Note 1,4): leicht sauer und austrocknend im Mund, “sehr gut” bei sensorischem Urteil und mikrobiologischer Qualität, keine oberirdischen Verunreinigungen
  • Lidl Saskia Classic (0,25 Euro, Note 1,4): leicht sauer, “sehr gut” bei sensorischem Urteil, keine oberirdischen Verunreinigungen
  • Penny Classic (0,25 Euro, Note 1,4): leicht sauer, “sehr gut” bei sensorischem Urteil, keine oberirdischen Verunreinigungen
  • Rewe Ja Classic (0,25 Euro, Note 1,4): sehr leicht sauer, “sehr gut” bei sensorischem Urteil, keine oberirdischen Verunreinigungen
  • Aldi Nord Quellbrunn Classic (0,25 Euro, Note 1,5): leicht austrocknend im Mund, “sehr gut” bei sensorischem Urteil, keine oberirdischen Verunreinigungen
  • Aldi Süd Quellbrunn Classic (0,25 Euro, Note 1,5): sehr leicht austrocknend im Mund, “sehr gut” bei sensorischem Urteil, keine oberirdischen Verunreinigungen
  • Norma Surf Classic (0,25 Euro, Note 1,5): leicht sauer, “sehr gut” bei sensorischem Urteil, keine oberirdischen Verunreinigungen
  • Vilsa Naturfrisch Classic (0,54 Euro, Note 1,5): leicht austrocknend im Mund, “sehr gut” bei sensorischem Urteil, keine oberirdischen Verunreinigungen
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