Schnelltest ist nicht gleich Schnelltest: Etwa jeder fünfte Selbsttest weist nicht die erforderliche Sensitivität auf. Foto: imago images
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Antigentests für zu Hause im Check Wie genau ist mein Corona-Schnelltest?

In Deutschland gibt es rund 600 Schnelltest-Hersteller. Nicht alle überzeugen mit hoher Genauigkeit. Wie gut schneidet Ihr Schnelltest für zu Hause ab?

Experten raten dazu, sich regelmäßig selbst mit sogenannten Schnelltests für zu Hause zu testen, um die Infektionsketten so früh wie möglich zu unterbrechen. Selbsttests zur Eigenkontrolle sind gefragt wie nie - erst recht, seit die Bundesregierung eine Priorisierung der PCR-Tests angekündigt hat und Berlin die PCR-Testung für symptomlose Personen möglicherweise ganz abschaffen will.

Die Liste der Schnelltest-Hersteller ist lang und wächst täglich. In einer umfassenden Zusammenstellung aller in Deutschland zugelassenen Antigen-Selbsttests des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) werden derzeit knapp 600 Antigen-Tests aufgelistet.

Wie zuverlässig sind Schnelltests für zu Hause?

Die Fehlerrate bei solchen Selbsttests variiert stark. Einige Anbieter geben zwar an, dass ihre Schnelltests 100 Prozent aller Corona-Infektionen erkennen; Studien und Tests verschiedener Institute haben allerdings ergeben, dass die tatsächliche Sensitivität solcher Selbsttests nicht immer den Versprechungen der Hersteller entspricht.

Das Problem: Laut der aktuell geltenden EU-Richtlinie können Schnelltest-Hersteller ihre Produkte selbst zertifizieren. Eine unabhängige Prüfung soll erst ab Mai 2022 erfolgen. Zwischenzeitlich strömen aber weiterhin unzählige weitere Schnelltest-Anbieter auf den Markt, um ihre Selbsttests in den Handel zu bringen. Die Qualität lässt dabei allerdings oft zu wünschen übrig.

In Drogeriemärkten, Supermärkten und im Onlineversandhandel werden derzeit Selbsttests angeboten, die teils gerade einmal 6 Prozent aller positiven Proben erkennen. Wissenschaftlich durchgeführte Stichproben lassen zudem darauf schließen, dass etwa jeder fünfte Selbsttest nicht die erforderliche Mindestsensitivität von 75 Prozent erreicht.

Neue Web-App "schnelltest test" zeigt Fehlerquote

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nahm die teils hohe Fehlerquote solcher Tests zum Anlass und überprüfte Ende Januar die gängigsten Antigenschnelltests verschiedenster Hersteller auf ihre Treffsicherheit hin. Die Ergebnisse finden sich in einer fünfzehnseitigen Publikation wieder, die zwar wertvolle Informationen enthält, für den Endverbraucher aber nur schwerlich herauszufiltern sind. Aber wie können solche wichtigen Forschungsergebnisse dem Konsumenten transparenter und vor allem alltagstauglich zugänglich gemacht werden?

Genau diese Frage stellte sich auch das Berliner Kollektiv Zerforschung. Und so entwickelten sie die Web-App "schnelltest test", anhand derer sich die Barcodes auf den Schnelltest-Verpackungen mit dem Smartphone in Sekundenschnelle scannen lassen. Das Online-Tool gleicht die Produktinformationen anschließend mit den Ergebnissen der PEI-Datenbank ab und zeigt dem Verbraucher innerhalb kürzester Zeit, wie zuverlässig der Schnelltest ist.

Zum "schnelltest test"

Der Vorteil: Web-App-Nutzer können so bereits vor dem Kauf im Supermarkt überprüfen, wie hoch die Fehlerquote des Produktes ist, das er gerade in seinen Händen hält. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass die Daten zur Sensitivität erhoben wurden, bevor die Omikron-Welle Deutschland erreichte.

[Lesen Sie hierzu auch: Welche Schnelltests Omikron erkennen: Die meisten Antigentests springen auch auf die neue Virusvariante an (T+)]

Wie teste ich die Genauigkeit meines Schnelltests?

Das Online-Tool "schnelltest test" kann sowohl am stationären PC als auch mobil via Smartphone aufgerufen und genutzt werden. Für die Überprüfung wird lediglich die Verpackung des Schnelltests benötigt, auf der sich ein Barcode (und darunter ein Zahlencode) befindet. Für die Abfrage können (je nach Endgerät) also entweder der Barcode gescannt oder der Zahlencode manuell eingetippt werden.

Wer sich für den zeitsparenden Scan entscheidet, muss allerdings vorher seine Smartphone-Kamera aktivieren. Eine Anleitung zur Nutzung haben wir Ihnen hier bereitgestellt:

"schnelltest test": Mithelfer dringend gesucht!

Viele Hersteller sind bereits mit den notwendigen Informationen abgedeckt - allerdings längst nicht alle. Das Zerforschung-Kollektiv ruft daher zur Mitarbeit auf: "Damit unsere Web-App besser wird, könnt ihr uns helfen: Schreibt uns, wenn ihr einen Test in der Hand habt, der von der App noch nicht erkannt wird. Wir brauchen den Namen, ein Foto vom Barcode und ein Foto vom Test, damit unsere App den Barcode dann erkennen kann."

Darüber hinaus soll die Software laufend verbessert werden. Wer sich als Hobbyprogrammierer oder IT-Experte an der Optimierung der Web-App beteiligen möchte, findet den originalen Quellcode der Anwendung auf GitHub.

Wie entsorge ich einen Selbsttest richtig?

Übrigens: Nach Gebrauch eines Schnelltests werden die Bestandteile nicht wie hinlänglich angenommen komplett im Restmüll entsorgt. Auch bei der sachgemäßen Entsorgung von Selbsttests gilt Mülltrennung.

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