Zusammengewachsen oder nur zusammengeflickt? Darum geht es in „Sind wir uns einig?“. Illustration: Felix Möller
© Illustration: Felix Möller

Podcast „Sind wir uns einig?" Wie der Osten Deutschlands dem Ruhrgebiet Konkurrenz machte

Nach der Einheit schaute das ganze Land auf die neuen Bundesländer. Im Westen fühlten sich viele vernachlässigt. Zeitzeugen suchen nach verschütteten Emotionen.

Die Wiedervereinigung war nicht allein ein Versprechen an den Osten des Landes, sondern auch an den Westen. Wo man in den damals neuen Bundesländern auf die oft beschworenen blühenden Landschaften hoffte, lautete das Versprechen an die Bonner Republik: Für euch bleibt alles beim Alten. Durch das erhoffte Wirtschaftswunder in der ehemaligen DDR würden die Kosten minimal sein. Sowohl in Ost als auch West folgte bald die Desillusionierung.

In der zweiten Folge unseres Podcasts „Sind wir uns einig?“ wenden wir uns nach Berlin nun dem Ruhrgebiet zu. Zeitzeugen blicken darauf, wie und wo sich die einstige Trennung Deutschlands noch heute in der Region spüren lässt.

Wie wirkte sich die Einheit auf den Arbeitsmarkt im Westen aus? Wie gingen die Menschen mit der neuen Konkurrenz aus dem Osten Deutschlands um? Was machten die Umbrüche mit dem Selbstbild des Ruhrgebiets, wo heute viele Einwohner selbst unter Armut und Perspektivlosigkeit leiden? Und warum stehen so wenige Unternehmen im Westen Deutschlands unter der Leitung von Menschen, die im Osten sozialisiert wurden?

Die Journalistin Hatice Akyün erzählt, wie in ihrer Heimat Duisburg die Integration von migrantischen Familien mit der Wiedervereinigung schlagartig vernachlässigt wurde, weil sich nun das ganze Land auf den Osten fokussierte. Der ehemalige Sprecher der Treuhand Wolf Schöde beschreibt, wie Erwartungen aufgebaut und häufig auch enttäuscht wurden.

Kabarettist und Regisseur Steffen Lutz Matkowitz spricht über die Auswirkungen der Einheit auf den Naturschutz. Und der Historiker Marcus Böick von der Ruhr-Universität Bochum erläutert die geschichtlichen Rahmenbedingungen während dieser Umbruchphase.

Insgesamt drei Folgen zur Einheit

„Sind wir uns einig?“ ist eine Koproduktion des Tagesspiegels, der Deutschen Gesellschaft und der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ der Bundesregierung. Wir präsentieren den Podcast hier in leicht gekürzter Form.

Die finale dritte Episode erscheint am kommenden Montag und wird sich mit Sachsen beschäftigen. Die bereits veröffentlichte Folge zu Berlin können Sie entweder direkt hier oder auf allen größeren Podcastplattformen wie Spotify und Apple Podcasts nochmal nachhören.

Alle Teile der Podcast-Reihe werden von Korbinian Frenzel, Sprecher bei Deutschlandfunk Kultur, moderiert. Mit ihren lebhaften Debatten zeigen sie auf vielfältige Art, wie einig sich Deutschland inzwischen ist oder eben noch nicht. Und dass es sich immer lohnt, sich gegenseitig zuzuhören, wenn man sich verstehen will. (Tsp)

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