Blaue Stunde. Maxime Cartens findet, das ist der perfekte Pullover für jede Gelegenheit. Foto: promo
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Mode aus den Niederlanden Die grundständige Garderobe

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Maxime Cartens entwirft für ihr Label Teym jedes Jahr nur ein Produkt und ist damit erfolgreich.

Langsam zu sein, kann für einen Modedesigner eine echte Herausforderung werden. Wer nur ein Produkt im Jahr entwirft, muss sich gefallen lassen, dass eben dieses eine ganz genau angeschaut wird. Im temporären Laden von Maxime Cartens in der Auguststraße gibt es an drei übersichtlichen Kleiderstangen nur vier verschiedene Produkte . Da muss sich keiner durch Kleiderberge wühlen, -zig Kleiderbügel zur Seite schieben, er muss sich einfach in die Mitte des Raums stellen und einmal um die eigene Achse drehen und sieht: den Wollpullover, die Ledertasche, den Jogginganzug mit Sweatshirt oder Jacke und rechter Hand den Parka. Er war vor vier Jahren Maxime Cartens’ erstes Produkt. Sie entwarf ihn, weil sie keinen gefunden hatte, der ihr gefiel. Die Geschichte vom Produkt, das partout nicht zu finden ist, obwohl es doch eigentlich genug Kleidung auf dieser Welt gibt, wird oft erzählt. Denn die Designerin, die an Hollands bester Modeschule „Artez“ in Arnheim studiert hat, erfindet ja nicht neue multifunktionale und intelligente Bekleidung, sondern hat nur grundanständige Stücke im Angebot.

Der Parka ging weg wie warme Semmeln

Sie wollte keinen Parka mit Pelzbesatz, keinen für 1000 Euro, er sollte nicht zu sehr nach Militärausrüstung aussehen und mit sinnvollen Taschen ausgestattet sein, deshalb hat ihr Modell für Frauen auch Innentaschen. Auf den Schwalbenschwanz, also das in der Mitte geteilte Rückenteil mit spitz zu laufenden Enden, hat sie ebenfalls verzichtet. Das ist ein Überbleibsel aus der militärischen Nutzung, die Soldaten können die hinteren Enden der Jacke über die Oberschenkel legen, wenn sie über den Boden robben. „Aber das braucht heute ja keiner mehr“, sagt Maxime Cartens. Also ist ihr Parka hinten geschlossen. Es gibt ihn in einem glänzenden und matten Material in vier Farben, er kostet 379 Euro. Der Parka ging weg wie warme Semmeln, also beschloss sie, jedes Jahr ein neues Produkt zu entwickeln. Um die Kosten moderat zu halten, verzichtet sie auf Werbung und verkauft nur in ihrem eigenen Geschäft in Amsterdam sowie online.

Alle wollen das gleiche

Maxime Cartens vertritt ihr Konzept mit einem gesunden Selbstbewusstsein. Wer von sich sagt, dass er von jedem Produkt nur das eine perfekte entwerfen will, muss wissen, was er tut. Deshalb entwirft sie erst einmal einen Prototyp und lässt ihn testen. Wie beim Pullover für 119 Euro: Ist der Kragen genau richtig? Sind die Ärmel lang genug? Kratzt die Wolle, ist das Bündchen eng genug? Und ganz wichtig: Brauchen Frauen und Männer unterschiedliche Modelle? Erstaunlich für sie war: Alle wollten das gleiche. Deshalb bekommen jetzt auch alle das gleiche Modell. Den Pullover gibt es in neun verschiedenen Farben, mit V-Ausschnitt, Rundhals und Rollkragen. Als Material kam für sie nur Merinowolle in Frage.

Spieglein, Spieglein an der Wand, das ist die Designern aus Niederland. Foto: promo
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Sie will eine Garderobe aufbauen, von der aus sie mit dem experimentieren kann, was andere Designer entwerfen. Dann kann sie das Flüchtige mit dem Bleibenden verbinden.

Teym kann man in Amsterdam im eigenen Shop kaufen oder online.

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