Vor dem Ansturm. Der letzte Berliner Salon fand in der Elisabeth-Kirche in der Invalidenstraße statt. Foto: Annette Riedl/dpa
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Fashion Week Der Berliner Salon wird eingestellt

Mit dem Berliner Salon wird im Sommer auch das Schaufenster der deutschen Mode auf der Fashion Week fehlen.

Mit dem Berliner Salon wird eine der wichtigsten Veranstaltungen der Berliner Fashion Week eingestellt. Diese Nachricht löst in der Modewelt eine gewisse Ungläubigkeit aus. Was soll jetzt aus der Fashion Week werden? Wenn die Veranstaltung jeweils auch nur ein paar Stunden in Anspruch nahm, hatte sie sich nach neun Saisons doch als interessanteste Präsentation der ganzen Fashion Week etabliert. Hier bekam man einen Überblick über die deutsche Designerszene.

Bis zum Januar 2019 hatten sich Designer wie Marina Hoermanseder und Odeeh sowie etablierte Marken wie Escada und Strenesse mit jeweils fünf Outfits im Kronprinzenpalais Unter den Linden präsentiert. Im Januar waren es nur noch zwei Outfits pro Designer in der Elisabethkirche in der Invalidenstraße. Da ahnte man schon, dass es nicht besser würde.

Die Überschneidungen mit internationalen Terminen war einfach zu gravierend

Der Salon war 2015 von Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp und Marcus Kurz, Inhaber der Agentur Nowadays, mit dem Ziel gegründet worden, gutes Modedesign aus Deutschland sichtbar zu machen. Der Berliner Salon sollte internationales Publikum nach Berlin locken. Die Modemessen und auch die Mercedes-Benz-Fashion-Week mit ihren Modenschauen dagegen hatten sich in den vergangenen Jahren immer mehr auf ein deutsches Publikum ausgerichtet.

Das lag auch am frühen Termin im Januar und Juli, der sich mit internationalen Veranstaltungen wie den Männermoden- und den Haute-Couture-Schauen in Paris überschnitt. So begründete Marcus Kurz auch die Einstellung: „Unter professionellen Gesichtspunkten kann unserer Meinung nach das Format auf Grundlage der bestehenden Berliner Messedaten international nicht wettbewerbsfähig weiterentwickelt werden.“

Im Juli 2017 konnte man noch in lauter frohe Gesichter schauen. Designerinnen und Designer aus Berlin und dem Rest von Deutschland, flankiert von Marcus Kurz (ganz links) und Christiane Arp (zweite von rechts). Foto: promo Vergrößern
Im Juli 2017 konnte man noch in lauter frohe Gesichter schauen. Designerinnen und Designer aus Berlin und dem Rest von Deutschland, flankiert von Marcus Kurz (ganz links) und Christiane Arp (zweite von rechts). © promo

Das Aus kommt nicht völlig überraschend. Waren am Anfang alle Protagonisten noch voller Hoffnung, dass diese Initiative dem Modestandort Berlin endlich Relevanz verleihen würde, änderte sich die Atmosphäre in den vergangenen Saisons. Immer mehr glich der Salon einem Klassentreffen, auf dem man sich über die wichtigsten Neuigkeiten austauschte; die ausgestellte Mode trat in den Hintergrund. Im Januar in der Elisabethkirche war es kaum noch möglich, sich die Outfits in Ruhe anzusehen – zu viele Menschen mit Champagnergläsern standen im Weg.

Für Berlin ist die Einstellung ein großer Verlust

Dabei hatten unter dem Dach des Berliner Salons auch die spannendsten Modenschauen der Fashion Week stattgefunden wie die des Labels Odeeh auf der Baustelle des Humboldtforums. Es war eine Initiative, die vielleicht zu gut funktioniert hat. Viele Designer verließen sich auf die Kraft des Ortes, verzichteten auf eigene Schauen und sparten sich den Rest für Paris auf. Für Berlin ist die Einstellung auf jeden Fall ein großer Verlust, der nicht so einfach durch die vorhandenen Veranstaltungen aufgefangen werden kann.

Den Vogue Salon, der von Anfang an parallel zum Berliner Salon stattfand und junge Designer präsentiert, soll es weiterhin geben.

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