Schwergewicht. Der Beolab 90 wiegt 140 Kilo und ist das Vorzeigeobjekt bei Bang & Olufsen. Foto: Promo
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Ein Sounddesigner im Gespräch „Der Lautsprecher ist meine Band“

Das dänische Unternehmen Bang & Olufsen ist bekannt für seine Unterhaltungselektronik. Sein Tonmeister Geoff Martin weiß alles über den Sound, der uns umgibt.

Herr Martin, was machen Sie hier?
Ich setze die Leute vor die Lautsprecher, sodass sie selbst hören können. Unsere Kunden sollen in ihrem Wohnzimmer das hören, was der Ingenieur in seinem Studio hört – egal, ob wir den größten oder den kleinsten Lautsprecher bauen. Wir versuchen nicht, so zu tun, als ob die Berliner Philharmoniker in ihrem Wohnzimmer spielen.

Wäre das nicht wünschenswert?
Wenn du einen Kinofilm schaust, denkst du ja auch nicht, du bist im Vulkan in „Herr der Ringe“. Du sitzt da und schaust den Film, und was du siehst, ist besser als das wahre Leben. Genauso ist es mit aufgenommener Musik. Das Problem ist, dass ein Wohnzimmer nicht genauso aussieht wie ein Studio. Unser Feind ist die Akustik in deinem Wohnzimmer.

Ist es wichtiger, die Bedingungen für die Umgebung zu verbessern als den Lautsprecher?

Ja, der Sound ist eigentlich schon seit den sechziger Jahren gut genug. Wenn du einen akustisch perfekten Raum schaffst, kannst du einen Lautsprecher von 1967 nehmen, der fantastisch klingt. Aber wenn man diesen Lautsprecher in mein Haus stellt, klingt er schrecklich, weil er nicht umgehen kann mit den Problemen, die von diesem Raum verursacht werden. Es ist kein Problem, einen guten Lautsprecher für einen perfekten Raum zu machen. Die Herausforderung ist, einen guten Lautsprecher für jeden Raum zu machen.

Wollen viele Leute nicht eher kleine Lautsprecher?
Diese Lautsprecher sind unsere Paradestücke. Die wiegen 140 Kilo, das ist schon diebstahlsicher. Die Technologie, die wir dafür entwickelt haben, hat wie bei einer großen Kamera eine Menge Funktionen. In ein paar Jahren bekommt man das auch in einen kleinen Apparat. Denn es stimmt schon – die meisten Leute wollen kleinere Lautsprecher. Aber je kleiner sie sind, desto weniger Sound gibt es. Sie können schlicht nicht so viel Luft im Raum bewegen.

Sind die Ansprüche an den Sound heute höher und macht es einen Unterschied, ob die Musik digital ist oder vom Plattenspieler kommt?
Es gibt eine richtige Religion um Audio und diese Highend-Sachen, aber ich bin nicht wirklich religiös. Ich mache mir mehr Sorgen um die schwächste Verbindung in der Kette. Es ist egal, ob du einen Plattenspieler oder einen CD-Player hast. Verbessere das, was die mieseste Qualität hat. Es könnte deine W-Lan-Verbindung sein. Wenn du Musik streamst und hast einen alten Router auf deinem Dachboden, liegt da der Fehler. Dann musst du nicht vor deinen Freunden mit neuen Lautsprechern angeben.

Was genau macht ein Tonmeister?
Ich habe meinen Master als Tonmeister gemacht, dieser Studiengang wurde in Detmold gegründet. Ich bin also Kanadier mit einer deutschen Berufsbezeichnung, der in Dänemark arbeitet. Aber begonnen habe ich als Musiker, ich habe Orgel studiert. Ein Tonmeister weiß so viel über Musik wie über Elektronik, Akustik und Studioarbeit.

Der Tonmeister. Wenn es bei Bang & Olufsen etwas zu erzählen gibt, tut das Geoff Martin. Foto: Promo Vergrößern
Der Tonmeister. Wenn es bei Bang & Olufsen etwas zu erzählen gibt, tut das Geoff Martin. © Promo

Wie sieht Ihre Arbeit bei Bang & Olufsen aus?
Ein Tonmeister sitzt hinter seinem Pult und arbeitet mit einer Band, mixt die Drums, den Gesang und die Gitarre. Ich mache das auch, aber eben für die verschiedenen Elemente in einem Lautsprecher. Das ist meine Band, ich mixe und verändere den Sound des Lautsprechers. Der Unterschied ist: Wenn ein Tonmeister für eine Band mixt, macht er das nach deren Geschmack. Ziel ist nicht, dass ich den Lautsprecher mag, sondern dass er überall da gut klingt, wo ich ihn hinstelle.

Kümmern Sie sich um das Design der Lautsprecher?
Nein, mit der Gestaltung der Oberfläche habe ich nichts zu tun, aber ich arbeitete eng mit den Designern zusammen. Form und Funktion eines Lautsprechers sind eng miteinander verbunden. Aber Größe, Form und Aussehen sind das Wichtigste. Wir liefern den Klang dazu. Die Akustik-Abteilung sagt: Wir brauchen hier noch fünf Millimeter mehr, der Designer sagt: Das ruiniert den Entwurf! Es gibt Produkte, da geht es wirklich mehr ums Design als um den Klang.

Für Bang & Olufsen ist das Design doch ein sehr wichtiges Verkaufsargument, oder?
Ja, es macht keinen Sinn, ein Produkt zu kaufen, das nur eine Sache kann. Einen Lautsprecher, der zwar gut klingt, aber riesig, hässlich und teuer ist, würde niemand kaufen. Auch Fernseher sind heute so entworfen, dass sie gut aussehen, wenn sie abgeschaltet sind. Dann wird er zur Skulptur.

Kopfhörer sind ein mobiles Statussymbol geworden.
Ja, sie sind ein Statement und sollen gut aussehen. Aber sie müssen auch gut klingen, du selbst siehst sie ja nicht. Und wenn du vier Stunden in einem Flugzeug sitzt, sollten sie auch noch bequem sein. Eigentlich ist es ähnlich wie bei Lautsprechern fürs Wohnzimmer: Kopfhörer müssen überall funktionieren. Es ist mein Job, die Kopfhörer zu tunen, aber es ist schwierig alle Orte abzudecken, an denen sie benutzt werden könnten. Deshalb haben wir in Struer einen Raum, der absolut abgeschlossen von der Außenwelt ist. Wir nehmen allen möglichen Lärm auf, es ist wie eine virtuelle Realität der Geräusche.

Was auf die Ohren. Kopfhörer mit Lärmunterdrückung sind ein wichtiges Thema bei Bang & Olufsen. Foto: Promo Vergrößern
Was auf die Ohren. Kopfhörer mit Lärmunterdrückung sind ein wichtiges Thema bei Bang & Olufsen. © Promo

Kopfhörer mit Lärmunterdrückung sind im Trend. Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn jeder in seiner Welt unterwegs ist?
Es gibt dazu ein sehr gutes Buch von Barry Blesser: „Spaces Speak, Are You Listening?“. Er beschreibt die Umgebung, in der wir leben. Bevor es Lautsprecher und Kopfhörer gab, haben wir in der Umgebung gelebt. Wir konnten sie nicht kontrollieren. Wenn du heutzutage Kopfhörer aufsetzt, hörst du nichts, siehst du nichts und wirst von einem Auto überfahren.

Wahrscheinlich von einem elektrischen.
Genau! Aber das Gute an Kopfhörern ist, dass der Sound genau da ist, wo er hin soll. Und sie kosten viel weniger als Lautsprecher. Außerdem verbrauchen Kopfhörer viel weniger Energie.

Aber Kopfhörer sind ja nicht gerade gut für die Ohren, vor allem für Kinder.
Kopfhörer an sich sind nicht das Problem – die Lautstärke zu hochzudrehen, das ist schlimm für die Ohren. Also passen Sie auf Ihre Kinder auf.

Geoff Martin wurde in Neufundland in Kanada geboren, er ist studierter Organist und machte seinen Master in Tonmeister-Wissenschaften. Seit 16 Jahren arbeitet er bei Bang & Olufsen lebt mit seiner Familie in der kleinen Stadt Struer im dänischen Jütland.

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