Die Menschenrechte gelten für alle Menschen. Foto: dpa
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Stimmen des Exils - zum Tag der Menschenrechte Was mir die Menschenrechte bedeuten

Hend Taher

Welche Rechte sind mir persönlich wichtig? Eine Umfrage

Hend Taher, 26, hat Berliner*innen unterschiedlicher Herkunft befragt, was die Menschenrechte für sie bedeuten und welche Rechte ihnen persönlich am wichtigsten sind. Sie selbst stammt aus Ägypten, ist vor sechs Jahren nach Deutschland gekommen und studiert Islamwissenschaften an der Freien Universität Berlin.

Mudar Ramadan, 34, Theaterschaffender und Student der Theaterwissenschaft

Für mich ist das allerwichtigste Grundrecht, überhaupt meine gesetzlichen Rechte kennen zu dürfen. Die Mehrheit der arabischen Bevölkerung weiß nicht, was ihnen rechtlich zusteht. Der Staat lässt es nicht zu, dass die Menschen die gesetzlichen Vorschriften und Ordnungen kennen, damit die Menschen nie ihre Rechte einfordern. Ich habe hier alles, was ich in meinem Leben brauche: Ich kann meine Meinung frei äußern,
arbeiten, studieren, eine Wohnung mieten, ein Arbeitgeber sein, ein Stipendium bekommen und meine freie Zeit genießen.

Carlos, 36, Erzieher und Sex-positiv-Aktivist

Selbstbestimmung ist das Wichtigste für mich. Dass ich selber bestimme, was ich arbeiten möchte, wo und mit wem ich wohnen möchte,ob ich Kinder haben möchte oder nicht und mit wem. Ich möchte über meinen Körper bestimmen, welche medizinische Behandlung ich mir aussuche, und über das Recht auf Sterben. Besonders wichtig ist für mich das Recht auf meinen Namen. Als ich im Kindergarten gesagt habe, dass ich gerne Carlos statt Carla genannt werden möchte, wurde ich nicht ernst genommen. Die Gesellschaft hier in Deutschland hat feste Vorstellungen von Männern und Frauen und ist nicht immer bereit, manche geltenden Rechte auch im Alltag anzuerkennen.

Johannes Reuter, 32, Lehrer an einer freien Schule

Hier haben wir zwar gesetzlich alle nötigen Menschenrechte, aber manche werden in der Gesellschaft nicht wirklich realisiert. Es gibt noch Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder Herkunft, und auch ungleiche Bildungschancen sind Beispiele dafür. Ich finde es aber vor allem wichtig, dass wir über Deutschland hinaus gucken. Wenn wir wirklich die gleichen Menschenrechte für alle haben wollen, dann müssen wir unsere ausbeutende Lebensweise und unser wachstumsbasiertes Wirtschaftssystem weiterentwickeln. Denn sie funktionieren bisher leider auf Kosten anderer Regionen der Erde und zukünftiger Generationen.

Yasemin Bagci, 39, Projektleiterin deutsche Islam Akademie
Meinungs- und Religionsfreiheit und Gleichberechtigung sind für mich sehr wichtig. Mir ist auch wichtig zu wissen, dass der Sozialstaat mich im Notfall gut versorgt und dass das Rechtssystem meine grundlegenden Rechte schützt. In Deutschland ist das der Fall, aber mir fehlt die Gleichberechtigung. Frauen, die ein Kopftuch tragen, haben es leider immer noch schwer in ihrem Wunschberuf zu arbeiten. Das muss sich ändern. Ich finde als Muslima weniger Gehör in der Gesellschaft und in der Politik. Das bedrückt mich.

Sandra, 41, und Isa, 28, Mitarbeiterinnen einer Mosaik-Werkstatt

Mir ist es wichtig, eine Wohnung und Arbeit zu haben und gut zu verdienen. Ich wünsche mir, dass alle Menschen in der Welt ihr Recht auf saubere Umwelt, sauberes Wasser und gute Lebensmittel bekommen. (Sandra)

Ich wünsche mir, dass ich mir meine Schule selbst aussuchen kann und nicht einer langweiligen Förderschule zugewiesen werde. Und dass ich trotz Behinderung einen Führerschein machen darf. (Isa)


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