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Bochums Trainer Thomas Reis sieht noch viel Verbesserungsbedarf. Foto: imago images
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Zurück in der Fußball-Bundesliga So will Aufsteiger VfL Bochum den Klassenerhalt schaffen

Nach dem holprigen Pokalspiel in Wuppertal gibt es vor dem Start in die Bundesliga noch viele Baustellen beim VfL Bochum.

Samstag, 15.30 Uhr. Elf lange Jahre musste der VfL Bochum warten, bis er wieder als Bundesligist ein Pflichtspiel um diese für Fußball-Nostalgiker besondere Uhrzeit spielen durfte. Am vergangenen Samstag war es soweit – und das Fazit von Trainer Thomas Reis fiel ernüchternd aus. „Wir haben sehr viel zugelassen“, sagte Reis in Bezug auf die schwache erste Hälfte, der Gegner sei seiner Mannschaft in vielen Belangen überlegen gewesen. „Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“ Es sind Sätze, die aus dem Munde eines Aufsteigertrainers nicht überraschend klingen.

Das Problem: Reis sprach diese Sätze eben nicht nach einem Bundesliga-Spiel, sondern nach der Partie der ersten DFB-Pokalrunde – gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV.
Doch gerade wegen dieses Umstandes sagen diese Sätze so viel aus. Mit einer Leistung wie beim dünnen 2:1 nach Verlängerung in Wuppertal wird der Bundesliga-Auftakt beim Champions-League-Teilnehmer VfL Wolfsburg am kommenden Samstag um 15.30 Uhr noch viel ernüchternder. Vieles funktionierte noch nicht so, wie es sollte – was auch an der holprigen Vorbereitung liegt.
Den ersten Nackenschlag gab es, als Topscorer Robert Zulj dem Klub mitteilte, den Verein zu verlassen. Der Mittelfeldspieler hatte 15 Tore erzielt und ebenso viele vorbereitet. Jetzt kickt er in den Emiraten. Die Ablösesumme für ihn liegt im mittleren sechsstelligen Bereich. Ein Resultat aus einer Ausstiegsklausel, ohne den der VfL ihn vor eineinhalb Jahren nicht bekommen hätte. Manager Sebastian Schindzielorz stand nun also vor der Aufgabe, Ersatz für den besten Spieler zu finden, ohne überhaupt in die Tasche greifen zu können. Der VfL hat sich aufgrund von Verbindlichkeiten auferlegt, keine Ablösesummen zu zahlen.

In Wolfsburg dürfte Löwen zur Startelf gehören

Und so gab es nun keinen Ersatz für Zulj. Stattdessen schaute Schindzielorz, wen er mit einem Leihgeschäft überzeugen konnte – und Trainer Reis baute sein System um. Eine typische Nummer zehn zu finden, wie Zulj eine ist, war auf ähnlichem Niveau nur schwer möglich. Seinen Thronfolger im zentralen Mittelfeld, nur eben etwas defensiver auf der Acht, fand der VfL in Berlin: Eduard Löwen. Er überzeugte in der Vorbereitung, spielte aber dann mit der deutschen Auswahl bei den Olympischen Spielen in Japan.

Zum Glück, aus Bochumer Sicht, schied das deutsche Team schon nach der Gruppenphase aus. Zwar fehlte Löwen im Pokalspiel in Wuppertal, aber in Wolfsburg dürfte er zur Startelf gehören.

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Neben Löwen ist auf der Doppel-Acht derzeit noch Kapitän Anthony Losilla gesetzt. Interessant wird sein, inwiefern er mit dem Tempo in der Bundesliga zurechtkommt. Der 35-Jährige hat noch nie im Oberhaus gespielt. Auch deshalb hat der VfL auf dieser Position einen jungen Spieler mit reichlich Bundesliga-Erfahrung auf Leihbasis geholt: Elvis Rexhbecaj vom kommenden Gegner aus Wolfsburg.
Neben Löwen und Rexhbecaj dürfte auch ein dritter Neuzugang in der Startelf stehen. Einer, der ebenfalls reichlich Bundesliga-Erfahrung mitbringt und für Torgefahr sorgen soll. Es ist der ablösefreie Takuma Asano. Die Erfahrung der drei wird auch nötig sein. Von den vier Abwehrspielern plus Torwart hat lediglich Linksverteidiger Danilo Soares überhaupt mal ein Bundesligaspiel bestritten. Der erfahrenste im Team ist Robert Tesche. Er hat das Siegtor in Wuppertal erzielt und seinen Stammplatz im defensiven Mittelfeld sicher.

Schindzielorz sucht weiter nach Verstärkungen

Was von den Bochumern zu erwarten sein wird, ist aufgrund der wenigen Erfahrung schwer einzuschätzen. Der VfL lebte in der Zweiten Liga von der Stärke nach den Standards, dem Tempo auf den Außen, vom mitspielenden Torwart Manuel Riemann sowie der Durchschlagskraft des Mittelstürmers Simon Zoller, der meist von Spielmacher Zulj in Szene gesetzt wurde. Die Schärfe der Frei- und Eckstöße hat sich durch den Wechsel von Zulj auf Löwen nicht groß geändert.

Auf den Außenbahnen hat der VfL durch den ehemaligen Paderborner Christopher Antwi-Adjei sogar an Tempo dazugewonnen. Nicht zu vergessen, dass der VfL in Gerrit Holtmann den schnellsten Spieler der vergangenen Saison im deutschen Profifußball in seinen Reihen hat. Auch Torwart Riemann ist geblieben.
Fragt sich, wie es um Zollers Durchschlagskraft bestellt ist. Die Verteidiger in der Bundesliga haben eine weit höhere Qualität als in der Zweiten Liga. Damit hatte Zoller schon seine Probleme, als er noch für den 1. FC Köln stürmte. Nur mit tiefen Läufen und Pässen hinter die letzte Verteidigerkette wird es beim VfL in der Bundesliga eher nicht laufen. Aber genau so erzielte der Bochumer Mittelstürmer in der vergangenen Saison die meisten seiner 15 Saisontore.
Dass er die Augen auf dem Transfermarkt weiter offenhält, hat Schindzielorz bereits angekündigt. Dabei wird er sich in ersten Linie nach Verstärkung für die vorderste Offensivreihe umschauen. Denn eine Wundertüte für die Gegner zu sein, das ist sicher nicht schlecht als Aufsteiger in der Bundesliga. Ganz gleich, wie der Gegner heißt. Allerdings sollte die Mannschaft nicht allzu lange auch eine Wundertüte für die eigenen Fans sein.

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