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Vorstartballett: Emirates Team New Zealand fährt als erstes in die Zone, von der aus gestartet wird, gejagt von Luna Rossa Prada Pirelli, die den Titel holen wollen. Foto: dpa
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Zum Auftakt des America's Cup Von wegen Heimvorteil für Neuseeland

Beim Supergipfel des Segelns können Titelverteidiger Neuseeland und Herausforderer Italien je einen Sieg erringen. Das Duell ist enger als erwartet.

Der America's Cup ist zehn Sekunden alt, da zeigt zeigt der für seine Aggressivität berüchtigte Jimmy Spithill gleich mal seine Klauen. Er, der den Cup schon dreimal gewonnen hat - immer mit unterschiedlichen Bootstypen -, verlässt die Ideallinie, die dem AC75-Racer mit den markanten „Krakenfoils“ am meisten Speed beschwert, um die neben ihm segelnden Neuseeländer zu attackieren. Den Spitznamen „Pitbull“ trägt der Australier mit Stolz.

Vor dem ersten Rennen des America's Cup am Mittwoch ist viel darüber spekuliert worden, ob das Luna Rossa-Team aus Italien den übermächtigen Kiwis würde Paroli bieten können. Würde das Boot schnell genug sein? Wenn nicht, und da könnten sich die italienischen Segler um die beiden Steuerleute Francesco Bruni und Spithill noch so viel Mühe geben, würde sich der Wettkampf um die älteste Sporttrophäe der Welt schnell entscheiden.

Die Verteidiger des Cups um Steuermann Peter Burling wurden vorab, wenn nicht für unschlagbar, so doch wegen ihres angeblich hohen Tempos für die Favoriten gehalten. Sie hätten mehr Geld und mehr Zeit gehabt, ein schlüssiges Design zu entwickeln. Als sie vor Weihnachten auf ihre drei Kontrahenten aus Italien, den USA und Großbritannien trafen, verloren sie nur eines von sechs Rennen. Als Heimmannschaft kennen sie zudem das Revier des Hauraki-Golf vor den Toren Aucklands besser als jeder andere.

Das Einzige, was gegen den Nimbus der Überlegenheit spricht, ist der Mangel an Zweikampferfahrung. Deshalb will Spithill es wissen. Schon in der Vorstartphase hat er den Rivalen weit in den Wind gepresst und an jene gefährliche Grenze geführt, an der das auf seinen Kufen fliegende Kiwi-Boot „abstürzen“ und zu einer Wasserlandung gezwungen wäre.

Steuermann Peter Burling nach dem ersten Rennen, das er souverän gewonnen hat mit einem Vorsprung von 30 Sekunden. Trotzdem sei er ein "bisschen eingerostet", sagt er später. Foto: REUTERS Vergrößern
Steuermann Peter Burling nach dem ersten Rennen, das er souverän gewonnen hat mit einem Vorsprung von 30 Sekunden. Trotzdem sei er ein "bisschen eingerostet", sagt er später. © REUTERS

Der Speedverlust wäre so groß, dass der Andere einteilen könnte. Weshalb die Kiwis, die um Spithills Ruf wissen und ihn ein bisschen "berechenbar" finden, wie Taktiktrainer Ray Davies sagt, eine effiziente Methode entwickelt haben, dem "Splashdown" zu entkommen. Sie lassen auch die zweite Kufe ins Wasser gleiten, erlangen dadurch größere Stabilität und gehen danach sogar selbst in die Offensive, indem sie die Italiener zu früh an die Startlinie treiben.

Beinahe gleichzeitig gehen beide Teams auf die Strecke, doch ist Burling in diesem Moment vier Knoten schneller. Spithill braucht ein paar Sekunden, bevor er angreift. Er steuert Luna Rossa in die Flanke der Neuseeländer, die weichen aus, der Versuch, einen Protest einzuklagen, verpufft - und die Italiener, die sich selbst aus dem Tritt gebracht haben, fallen zurück.

Den Neuseeländern fehlt die Zweikampferfahrung

Von da an ist es die Art Rennen, das bei konstanten Bedingungen den Führenden bevorteilt. Neuseeland gewinnt deutlich.

Wer den Start für sich entscheidet, der holt den Sieg, ist eine oft gehörte Losung dieses 36. America’s Cup. Denn trotz der Rekordgeschwindigkeiten von über 90 Stundenkilometern bieten sich nur wenige Gelegenheiten, an einem Gegner vorbeizuziehen. Und grobe Fehler erlaubt sich keines der beiden eingespielten Teams mehr. Auch für technologische Überraschungen dürfte die Zeit zu knapp werden bis zum 15. März, dem Stichtag, an dem der Cup-Gewinner entweder durch sieben Siege ermittelt ist oder dadurch feststeht, dass er mit der Anzahl gewonnener Rennen vorne liegt.

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Mehr denn je kommt es auf Details an. So lässt sich Burling beim Vorstartballett von Routinier Spithill erneut in die Defensive drängen, geht mit einer knappen Bootslänge Rückstand auf die Bahn und schafft es in keiner der sechs Runden, näher als 70 Meter heranzukommen. Was er anschließend selbst ein bisschen „rostig“ findet. Am Ende verliert Neuseeland mit sieben Sekunden.

Das ist wenig bis nichts, aber ein Unterschied. Und es zeigt, dass die Sache diesmal weniger eindeutig ausfallen könnte als meistens in den 170 Jahren davor. Das wurde auch in den Rennen 3 und 4 noch einmal deutlich, in denen es erneut einen Sieg für Italien und Neuseeland gab. Damit steht es nun 2:2.

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