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Ein bisschen gestorben. Pelé (links) bei seinem Abschiedsspiel 1978. Foto: imago images/Colorsport
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Zum 80. Geburtstag der Fußball-Legende Pelé ist der Inbegriff des Ballzauberers

Hartmut Scherzer

Pelé wurde drei Mal Weltmeister und schoss mehr als 1000 Tore. Am Freitag wird der brasilianische Ausnahmefußballer 80 Jahre alt.

Pelé weinte bitterlich. Der Himmel über New Jersey öffnete am 1. November 1977 seine Tränen-Schleusen. Auch die Fußball-Stars, unter ihnen Franz Beckenbauer, hatten feuchte Augen, als sie den Vergötterten auf die Schultern hievten und vor 75.646 gerührten Zuschauern durchs Giants Stadium trugen. „Ich bin heute ein bisschen gestorben“, schluchzte Pelé mit seiner tiefen Stimme.

Pelé spielte je eine Halbzeit für die beiden Vereine seiner einzigartigen Karriere, für seinen Heimatklub FC Santos (1956-1974) und seinen Krösusklub Cosmos (1975-1977): Er schoss zum Abschied sein 1281. Tor und vermachte sein legendäres Trikot mit der „10“ jenem Mann, Waldemar de Brito mit Namen, der ihn als Elfjährigen in Tres Coracoes in Brasilien entdeckt hatte.

Doch es sollte noch nicht das letzte Hurra gewesen sein. Als Beckenbauer seinerseits drei Jahre später, am 24. September 1980, Cosmos, New York und Amerika „bye, bye“ sagte, zog Pelé ihm zu Ehren noch einmal das Trikot über. Pelé schoss vor 71.413 Besuchern sein 1282. Tor und gab endgültig sein letztes Hemd her. Unter dröhnendem Applaus des Publikums hängte Pelé bei seinem Abgang nach 42 Minuten sein Trikot Franz Beckenbauer um den Hals.

„Es ist viel einfacher, eine Karriere zu starten, als sie zu beenden“, sagte Pelé bei seinem New Yorker „Farewell“. Im Jahr 1958, bei der Weltmeisterschaft in Schweden, ging sein Stern auf. Der 17-Jährige verzückte die Welt. Pelé schoss das 1:0 für Brasilien im Viertelfinale gegen Wales, vollbrachte beim 5:2 gegen Frankreich im Halbfinale einen Hattrick und erzielte im Endspiel in Stockholm zwei Tore zum 5:2-Sieg gegen Schweden. Sechs Tore, eines schöner, kunstvoller, akrobatischer, trickreicher, wuchtiger als das andere.



Nach dem erstmaligen Titelgewinn der Brasilianer weinte der Teenager hemmungslos vor Glück. Bei der Titelverteidigung 1962 in Chile wurde Pelé in der Vorrunde durch einen Muskelriss gestoppt. Beim Finale 1970 in Mexiko schoss er ein Tor zum 4:1-Sieg gegen Italien und wurde zum dritten Mal Weltmeister.

Zwischen seinem Profidebüt mit 15 Jahren beim FC Santos und dem Karriere-Ende mit 36 in New York liegt ein historisches Datum: Der 19. November 1969. An jenem Tag schoss Pelé sein 1000. Tor. Als er sich der magischen Marke bis auf einen Treffer genähert hatte, wurde alles arrangiert, dass dieses Ereignis nicht irgendwo in der Provinz stattfand, sondern als gigantische Show im Maracana von Rio de Janeiro. 100.000 Zuschauer wollten Zeuge des historischen Tores beim Spiel Vasco da Gama gegen den FC Santos sein.

Und sie sollten nicht umsonst gekommen sein. In der 78. Minute wurde Pelé im Strafraum gefoult – Elfmeter. „Pelé, Pelé, Pelé“, brüllten Hunderttausend. Pelé trabte heran. Es wurde mucksmäuschenstill im Stadion. Die lauten Rundfunkreporter flüsterten nur noch. Pelé lief an, schoss, und der Ball flog ins Netz. In dieser Sekunde läuteten Tausende Glocken in Brasilien und aus 70 Millionen Kehlen ertönte ein Schrei: „Goooooooal!“

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Auf den stets freundlichen Pelé, zu dessen Bilanz auch zwei gescheiterte Ehen und sieben Kinder (zwei uneheliche) gehören, wartete 2016 der vielleicht größte und ergreifendste Auftritt ohne Ball: Die Entzündung des Olympischen Feuers in Rio de Janeiro. Der 75-Jährige sagte aber nach zwei Operationen an Hüfte und Wirbelsäule seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier ab. Pelé, Inbegriff des Ballzauberers, wollte sich nicht auf Krücken der Welt präsentieren.

An diesem Freitag feiert Edson Arantes do Nascimento, wie Pelé mit bürgerlichem Namen heißt, seinen 80. Geburtstag. Wegen der Corona-Pandemie, die in Brasilien besonders wütet, gibt es nur kleines Fest in seiner Villa in Guaruja.

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