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Der Fußballer Zinedine Zidane war Leichtigkeit, Kreativität, Magie. Foto: imago/MIS
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Zinedine Zidane wird 50 Zizou erhob jede Ballannahme zur Kunstform

Zinedine Zidane hat als Fußballer alles gewonnen. Doch in Erinnerungen bleiben vor allem die kleinen Dinge, die er so schwerelos aussehen ließ. Eine Würdigung.

Natürlich könnte man einen Artikel zum 50. Geburtstag von Zinedine Zidane mit den großen Momenten seiner Karriere beginnen: Die zwei Kopfballtore im WM-Finale 1998, der famose Volley im Champions-League-Endspiel 2002 gegen Leverkusen, der denkwürdige Abgang 2006 im Berliner Olympiastadion mit eiskaltem Elfmeter und hitzköpfiger Tätlichkeit gegen Marco Materazzi. Doch um die Einzigartigkeit von Zizou zu erkennen, reicht schon eine Ballannahme im Mittelfeld, eine Körpertäuschung oder seine patentierte Roulette. Der Fußballer Zinedine Zidane war Leichtigkeit, Kreativität, Magie.

Lionel Messi und Cristiano Ronaldo haben den Weltfußball länger und deutlicher dominiert, sie haben mehr Tore geschossen und mit ihren Vereinen mehr Titel gewonnen. Doch an die Eleganz des Franzosen kommen sie nicht heran. Zidane tanzte mit dem Ball, er ließ Schweres unfassbar einfach aussehen und führte seine Teams allein mit seiner Präsenz und seiner Körpersprache an. Große Worte und das Rampenlicht waren nie seins, doch als er die französische Nationalmannschaft 1998 zum Weltmeistertitel köpfte, war er im Alter von 26 Jahren endgültig einer der größten Stars des internationalen Fußballs.

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Zidane war kein Wunderkind, dem schon im Teenageralter eine Weltkarriere prophezeit wurde. Als Kind algerischer Einwanderer wuchs er in einem Banlieue von Marseille auf und verbrachte seine Tage auf den Bolzplätzen des Viertels. Dort wurde er mit 14 Jahren entdeckt und wechselte in die Jugendakademie der AS Cannes. Nach zwei Spielzeiten als Profi zog er 1992 weiter zu Girondins Bordeaux und schaffte dort den Durchbruch auf nationaler Ebene. In seiner vierten Saison erreichte er mit der Mannschaft das Uefa-Cup-Finale gegen den FC Bayern und wurde zu Frankreichs Spieler der Saison gewählt.

Aktuell ist Zinedine Zidane ohne Job. Sein Traum ist die Nationalmannschaft. Foto: AFP/CLEMENT MAHOUDEAU Vergrößern
Aktuell ist Zinedine Zidane ohne Job. Sein Traum ist die Nationalmannschaft. © AFP/CLEMENT MAHOUDEAU

Der Sprung in die Weltspitze gelang ihm dann bei Juventus Turin. Zwei Mal schaffte er es mit den Italienern ins Endspiel der Champions League, beide Male verlor er. Dennoch wurde er 1998 nach dem Gewinn der WM als Weltfußballer ausgezeichnet. 2001 wechselte er für die damalige Rekordsumme von 150 Milliarden Lire (etwa 75 Millionen Euro) zu Real Madrid, wo er sich den Traum vom Europapokalsieg endlich erfüllte. 2002 schoss er die Spanier zum Titel in der Champions League. Der lange Blick auf den Ball im Glasgower Himmel, die Koordination, die Schusstechnik, der Volley mit dem linken Fuß in die linke obere Ecke vorbei an Hans-Jörg Butt. Sein Siegtreffer war ein Kunstwerk.

Es war der Höhepunkt seiner Zeit in Madrid, seinen bis 2007 laufenden Vertrag beendete er vorzeitig. Bei der WM 2006 zeigte er aber noch ein letztes Mal seine Extraklasse. Eine französische Mannschaft, die eigentlich weit über ihrem Zenit war, führte er ins Finale, bei dem er natürlich eine entscheidende Rolle einnahm. Früh ließ er Gianluigi Buffon im Tor der Italiener mit einem Elfmeter im Panenka-Stil, der von der Unterkante der Latte hinter die Linie prallte, keine Chance.

Der letzte Vorhang. Zinedine Zidane verlässt die Fußballbühne nach seiner Roten Karte im WM-Finale 2006. Foto: IMAGO / Ulmer Vergrößern
Der letzte Vorhang. Zinedine Zidane verlässt die Fußballbühne nach seiner Roten Karte im WM-Finale 2006. © IMAGO / Ulmer

Doch in der Verlängerung krümmte sich Zidanes Gegenspieler Materazzi plötzlich am Boden. Abseits des Spielgeschehens hatte ihn der Franzose mit einem Kopfstoß gegen die Brust niedergestreckt. Der Italiener hatte ihn zuvor heftig beleidigt. Das Bild von Zidane, der am Pokal vorbei in den Katakomben des Berliner Olympiastadions verschwindet, ist eines der ikonischen Fotos der WM-Geschichte. Doch so war Zinedine Zidane: magisch und unbeherrscht, Genie und Wahnsinn.

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Jahre später wurde Zidane Trainer und gewann mit Real von 2016 bis 2018 drei Mal in Folge die Champions League. Auch das war mal wieder eine einzigartige Errungenschaft dieses einzigartigen Fußballers. Sein 50. Geburtstag wird in Frankreich gefeiert wie ein nationales Ereignis. Die Zeitungen sind voller Erinnerungen, Fotos und Interviews.

„Ich tue, was ich fühle, wenn ich es fühle. Ich mache alles mit meinem Herzen“, sagte Zidane der Sporttageszeitung „L'Equipe“ über seine weitere Karriereplanung. Aktuell hat er keinen Job, einen Traum aber allemal: Die Nationalmannschaft. „Meine tiefe Sehnsucht ist da. Das französische Team ist das Schönste, was es gibt.“

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