Zu weich? Loris Karius nach dem Champions-League-Finale. Foto: dpa
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WM in Russland Wird der Fußball zu weich?

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Von Lothar Matthäus bis Uli Stein attestieren ehemalige Profis ihren Nachfolgern zu wenig Standvermögen. Die alte Schule war wohl härter, aber war sie auch besser? Ein Kommentar

Die Arme mit Tattoos beflastert, die Schuhe bunt und die Frisur gestylt. Der hoch bezahlte Fußballprofi von heute ist vom Auftreten her kräftig und kernig, von Toni Kroos bis zum schnieken Model Cristiano Ronaldo. Aber wenn es aber ans Eingemachte geht, dann haben die Spieler auch weiche Seiten. Schon die Andeutung einer Ohrfeige eines aufgebrachten Gegners kann einen Spieler zum Fallen bringen, und Schwalben sind trotz immer besser werdenden und entlarvenden Zeitlupen im Zuge medialen Fortschritts immer noch en Vogue. Und dann gab es kürzlich den Loris Karius, der sich im Nachhinein attestieren ließ, dass er im Champions-League-Finale wegen einer Gehirnerschütterung das Spiel verlor. Da war dann für Ex-Nationaltorwart Uli Stein das Maß voll, er attestierte dem Torwart „peinliches Verhalten“.

Verkommt der Fußball zum Tummelplatz der Empfindsamkeiten? Sind die Fußballer des Jahres 2018 Weicheier? Schon Lothar Matthäus und Dieter Hamann haben Karius kritisiert, unvergessen auch die Äußerungen von Matthäus im Fall Per Mertesacker, nachdem der über mentale Belastungen im Profifußball gesprochen hatte. Das sind keine richtigen Kerle mehr, die Arena der Männlichkeit verkommt zur Arena der Sensibelchen – und die Männer an der Spitze spielen mit.

Die alte Schule ist wohl - schon aus Erfahrung - härter

Nun hat Stefan Effenberg gegen den DFB die verbale Keule herausgeholt und dem Verband ob seines Schlingerkurs im Fall Mesut Özil und Ilkay Gündogan nach dem Posen mit Recip Erdogan kritisiert. Wenn man auf gewisse Werte setze, dann müsse man die beiden Spieler rauswerfen, hat Effenberg geschimpft. Die alte Schule ist wohl - schon aus Erfahrung - härter (da war ja mal was bei Effenberg). Und verlangt mehr Härte, auf allen Ebenen.

Offensichtlich ist der Graben zwischen den Kickern alter Prägung (und Verantwortlichen) und aktuellen Spielern (und aktuellen Verantwortlichen) groß. Heute reden Fußballprofis ja auch nicht mehr so gern unkontrolliert und ohne Briefing los wie früher. Aber sicher sind die Ex-Profis, die sich gerne mal zu Wort melden (weil sie natürlich auch gefragt werden), nicht gerade die, die gefühlt das Beste aus der Karriere nach der Karriere auf dem Platz machen konnten. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass alle Unsinn erzählen.

Genauso wenig erscheint es allerdings ratsam, mit einer Gehirnerschütterung Fußball zu spielen. Uli Stein wird womöglich sagen, dass es ihm nicht geschadet hat.  

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