Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Lucy Reuß spielt schon im achten Jahr bei Alba und hat mit ihrem Team erstmals die Chance auf den Aufstieg in die Bundesliga. Foto: Philipp Sommer
© Philipp Sommer

„Wir haben die ganze Saison dafür gekämpft“ Albas Basketballerinnen spielen um den Aufstieg

Die Basketballerinnen von Alba Berlin wollen den Aufstieg in die erste Bundesliga schaffen. Langfristig will der Klub auch mit dem Frauenteam an die Spitze.

Lucy Reuß nimmt es mit Humor. Die 24 Jahre alte Basketballerin startet an diesem Samstag mit Alba Berlin in die Play-offs um den Aufstieg in die erste Bundesliga. Doch bis vor wenigen Tagen war weder klar, ob es tatsächlich an diesem Wochenende losgeht oder noch ausgefallene Hauptrundenspiele nachgeholt werden, auf wen Alba im Viertelfinale trifft und in welchem Modus überhaupt. „Das war ein ganz schönes Durcheinander in der Liga“, sagt Reuß. „Aber wir schauen vor allem auf uns, deshalb ist es fast egal, gegen wen wir spielen.“

Mittlerweile wissen die Berlinerinnen aber Bescheid. Am Samstag (14.30 Uhr, Livestream auf sporttotal.tv) treten sie auswärts beim Vierten der 2. DBBL Süd, DJK Don Bosco Bamberg, an. Eine Woche später hat Alba im Rückspiel als Erster der Nordstaffel Heimrecht. Setzen sich Reuß und ihre Mitspielerinnen gegen die Fränkinnen durch, geht es danach erneut in Hin- und Rückspiel um den Aufstieg. „Wenn wir es schaffen würden, wäre das toll. Aber wir schauen erst mal nur aufs erste Spiel“, sagt Reuß.

Die gebürtige Stuttgarterin ist Albas dienstälteste Spielerin und schon im achten Jahr dabei. Erst 2018 gelang den Berlinerinnen der Sprung in die Zweite Liga, den wirklichen Wendepunkt sieht Reuß aber ein Jahr später. „Als die Vereinsspitze gesagt hat, wir wollen, dass ihr die Möglichkeit habt, ganz nach oben zu kommen, hat uns das viel Rückenwind gegeben.“ Schon vorher hätten die Mitarbeiter des Vereins das Team sehr unterstützt, doch mittlerweile merkt man, dass sie dies mit ganz anderen finanziellen und personellen Mitteln tun.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Natürlich hat Alba als größter Basketballverein Deutschlands und mit seinem erfolgreichen Männer-Team andere Möglichkeiten als die Konkurrenz, die fast ausschließlich aus kleineren Städten kommt. Einfach nur Geld in die Frauenabteilung zu pumpen, um diese schnellstmöglich in die Erste Liga und an die Spitze zu führen, das ist allerdings nicht Albas Weg. „Langfristig wollen wir mit den Frauen dorthin, wo wir mit den Männern schon sind“, sagt Sportdirektor Himar Ojeda. „Wir wollen aber organisch und nachhaltig wachsen. Der Frauenbereich soll sich selbst tragen.“

Gute Mischung aus Erfahrung und Talenten

Bei Alba spielen etwa 400 Frauen und Mädchen, mehr als in jedem anderen deutschen Klub, und diese Arbeit im Nachwuchs trägt langsam Früchte. Von den 16 Spielerinnen im Kader der Zweitligamannschaft stammen acht aus Berlin und neun sind unter 20 Jahre alt. „Wir haben eine gute Mischung aus Erfahrung und Talenten“, sagt Reuß.

Die größten Herausforderungen liegen eher im organisatorischen Bereich. Eine adäquate Spielstätte haben die Berlinerinnen nicht. Sie spielen in einer Nebenhalle der Max-Schmeling-Halle, wo selbst ohne pandemiebedingte Einschränkungen nicht mehr als ein paar Hundert Fans zuschauen können. „Wir arbeiten daran und haben alles Mögliche versucht, aber die Hallensituation in Berlin ist frustrierend“, sagt Ojeda. Reuß freut sich dennoch, dass in den letzten zwei Spielen überhaupt mal wieder Zuschauer zugelassen waren, wenn auch nur 80. „Nach fast zwei Jahren ohne Fans war das superschön.“

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Auch der Trainingsbetrieb gestaltet sich aufgrund der sehr unterschiedlichen Lebensumstände schwieriger als bei den männlichen Profis. Einige Spielerinnen gehen noch auf die Sportschule und trainieren dort auch morgens, andere befinden sich bereits im Berufsleben wie Kapitänin Lena Gohlisch, die als Ärztin im Krankenhaus arbeitet, oder Reuß, die neben ihrem Jurastudium in einer Kanzlei tätig ist.

„Organisatorisch ist das tough, aber es ist auch ein Ausgleich, wenn ich abends zwei Stunden in der Halle stehe und den Kopf ausschalten kann“, sagt Reuß. Zudem spüre sie im Verein eine große Wertschätzung und könne sich mit ihrem Hobby die Miete finanzieren. „Klar ist in Sachen Gleichstellung noch viel zu tun, aber das ist auch schon ein Privileg.“ Mit Hannah Brown, Valeria Aleksieva und Luciana Chagas hat Alba auch drei junge Profibasketballerinnen unter Vertrag.

Perspektivisch sollen irgendwann mehr Spielerinnen die Möglichkeit bekommen, sich durch eine angemessene Bezahlung voll auf Basketball zu fokussieren, doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Der Aufstieg würde sicherlich helfen, mehr Aufmerksamkeit zu generieren und damit vielleicht auch neue Sponsoren zu gewinnen. Für Reuß und ihre Kolleginnen spielt das alles erst mal keine Rolle, sie wollen die Play-offs vor allem genießen. „Wir haben die ganze Saison dafür gekämpft, jetzt wollen wir uns der Herausforderung stellen.“

Zur Startseite