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Zu Besuch bei Freunden. Fifa-Präsident Gianni Infantino (Mitte) im Stadion von Doha. Foto: AFP
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Wer für Menschenrechte ist, muss auch gegen die WM in Katar sein Der Protest hört zuverlässig da auf, wo der Fußball sein Geld verdient

Es wird in der WM-Qualifikation weitergespielt, als ob nichts wäre. Dabei steuert der Fußball auf ein großes Problem zu. Ein Kommentar.

Kaum rollt der Ball wieder, da ist die regenbogenfarbene Kapitänsbinde auch schon in der Schublade verschwunden. Klar, kann keiner erwarten von Manuel Neuer und seinen deutschen Nationalmannschaftskollegen, dass sie nun bei jedem Spiel für Vielfalt und Menschenrechte werben. Ist ja nicht ihr Hauptjob und dann hat der DFB - wegen der fehlenden Binde in Regenbogenfarben - auch schon auf die kulturellen Werte verwiesen, für die die Nationalmannschaft steht.

An der guten Gesinnung der Nationalspieler ist nicht zu zweifeln. Also kann es jetzt munter Richtung Weltmeisterschaft gehen? Denn für die werden sich die Deutschen als Schwergewicht in ihrer Gruppe der Leichtgewichte problemlos qualifizieren. Aber dann geht es – Richtung Katar, in eine absolute Monarchie mit der Scharia als Hauptquelle der Gesetzgebung. In einen Staat also, der es mit Vielfalt und Menschenrechten nicht so hat wie das DFB-Team, das mit einem Widerspruch spielt. Es ist in etwa so, als wenn ich sage: Ich bin für Umweltschutz, aber meine fünf Sportwagen fahre ich täglich bis ans Limit.

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Die Vorwürfe sind bekannt. Katar hat die WM-Stadien unter für die Arbeiter unmöglichen Umständen errichten lassen, laut „Amnesty“ gab es tausende Tote, Katar unterstützt seit Jahren die Taliban, und Frauen sind im Staat nicht Menschen mit vollen Rechten.  Die Liste ist so lang, wie die Liste derer, die im Fußball Geld aus diesem Staat als Sponsoring bekommen, der FC Bayern München gehört dazu.

Nun gibt es Stimmen, die sagen, ein Katar-Boykott sei nicht die Lösung. Reden sei besser. Keine schlechte Idee, dann allerdings sollte sich niemand verstecken und die Diskussion am Laufen halten. Momentan schunkeln viele im Stadion und vor den Bildschirmen unbeschwert Richtung WM. Die TV-Quoten des übertragenden Privatsenders sollen hierzulande wohl nicht gefährdet werden.

Sicher wird es Menschen geben, die dann abschalten, wenn diese WM dann im kommenden Jahr läuft. Aber die Mehrheit dürfte kritiklos zuschauen. Traurige Prognose: Der Weltverband Fifa wird auch diese menschenverachtende Katastrophe irgendwie hinbiegen. An den Protagonisten auf dem und am Platz wird es wohl kaum scheitern. Der Protest hört da auf, wo der Fußball sein Geld verdient.

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