Harter Kampf. Spandaus Ivan Zovic (l.) gegen Darko Brguljan. Foto: Camera 4/Imago
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Waspo Hannover entthront die Wasserfreunde Spandau 04 hat endlich wieder einen richtigen Gegner

Die Niederlage von Spandau 04 im Wasserball-Finale gegen Hannover ist nur auf den ersten Blick überraschend. Und sie hat auch etwas Gutes. Ein Kommentar.

Wer wird Deutscher Meister im Wasserball? Spandau? Oder vielleicht Spandau? Oder doch Spandau? Nichts war über Jahrzehnte im deutschen Sport so sicher wie der Titel für die Wasserfreunde. Sie holten ihn einst 14 Mal am Stück, danach zwölf Mal, zuletzt immerhin erst sechs und dann vier Mal in Serie. Immer mit nur mit einem Jahr Unterbrechung, in dem sich ein Konkurrent die Trophäe kurz leihen durfte.

Und nun? Ist Waspo Hannover Meister, zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren. Die neue Titel-Serie der Wasserfreunde endet, bevor sie begonnen hat. Schlecht für Spandau, gut für Hannover und eine Tatsache, die die Sportart interessant macht: Ach, schau her, da können auch andere Meister werden. Und das sogar mehrmals in kurzer Zeit.

Kein Zufallsmeister

Ein Zufallsmeister ist da  am Mittwochabend sicher nicht aus dem Becken des verregneten Volksbades Limmer in Hannover gesprungen. Waspo hat das Team seit dem Titel vor zwei Jahren noch einmal mit internationalen Klassespielern wie Olympiasieger Petar Muslim aus Kroatien verstärkt – und hat drei von vier Finalspielen deutlich dominiert.

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Spandau musste aus verschiedenen Gründen ohne drei Leistungsträger auskommen, die vor der Coronavirus-Pause noch zur Verfügung gestanden hatten. Und aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen in den Bundesländern hatte der Trainingsbetrieb erst deutlich später als in Hannover wieder richtig begonnen. Dass dem Titelverteidiger in den entscheidenden Momenten der Biss fehlte, hat damit allerdings nicht viel zu tun.

Chance für den Dauersieger

Im Pokal und im Supercup hat Waspo die Wasserfreunde in den vergangenen Jahren regelmäßig geärgert, nun auch erneut im wichtigsten nationalen Wettbewerb. Es ist davon auszugehen, dass sie in Hannover jetzt erst so richtig auf den Geschmack kommen. Allen voran Präsident Bernd Seidensticker, für den jeder Sieg gegen Spandau ein ganz besonderes Fest ist.

Aber gerade darin liegt auch eine Chance für die derzeit etwas erfolgsentwöhnten Dauersieger. Sie haben mittlerweile einen Gegner, der mehr ist als nur ewiger Herausforderer. Titel sind für den 37-fachen deutschen Meister keine Selbstverständlichkeit mehr. Sie müssen hart erarbeitet werden. Die nächste Gelegenheit bietet sich schon in zwei Wochen bei der Pokalendrunde – mit Spandau als Herausforderer des Meisters Waspo.

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