In Gedanken: Albas Center Landry Nnoko soll am Freitag seiner Mannschaft vor allem unter den Körben helfen. Foto: Francesc Juan/dpa
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Vor dem zweiten Eurocup-Finalspiel gegen Valencia Alba Berlins Glaube ist groß

Alba Berlin will im Heimspiel die Finalserie gegen Valencia ausgleichen. Dafür muss das Team vor allem besser unter dem Korb arbeiten.

Es war eine zwiegespaltene Stimmung bei Alba Berlin vor dem zweiten Spiel der Eurocup-Finalserie. Auf der einen Seite Selbstkritik ob der vielen Fehler bei der Niederlage in Valencia. Auf der anderen Seite großer Optimismus. In einem Punkt waren sich Spieler und Trainer von Alba aber vollkommen einig. Im Heimspiel gegen Valencia BC am Freitag in der bereits fast ausverkauften Arena am Ostbahnhof (20 Uhr, live auf Magentasport) haben die Berliner nur dann eine Chance, wenn sie an den Brettern deutlich besser arbeiten.

Egal, wen man fragte, die Rebounds waren das Schlüsselthema. Im ersten Finale, das Alba am Dienstag 75:89 verloren hatte, dominierten die Spanier in dieser Disziplin nach Belieben: 42:26 Rebounds wies die Statistik am Ende zugunsten Valencias aus, zwischenzeitlich sah die Bilanz aus Berliner Sicht noch verheerender aus. „Wir haben beim Ausboxen keinen guten Job gemacht“, sagte Johannes Thiemann. „Valencia ist von Anfang an dahin gegangen, wo es weh tut, und war einfach entschlossener als wir.“

Der Center der deutschen Nationalmannschaft war noch einer der besseren Alba-Spieler in Valencia, war zusammen mit Luke Sikma bester Rebounder des Teams und führte die Aufholjagd im Schlussviertel mit viel Energie an. Gegen die erfahrenen Spanier mit ihrem breiten Kader reichte es dann zwar doch relativ deutlich nicht zum Sieg, aus der Niederlage haben die Berliner aber viele wichtige Erkenntnisse für den weiteren Verlauf der Serie gewonnen. „Wir haben das Spiel analysiert und wissen, was wir falsch gemacht haben“, sagt Thiemann.

Bei der Spielnachbereitung nahmen die Schwächen an den Brettern einen zentralen Punkt ein. Denn die zahlreichen Offensivrebounds der Spanier ermöglichten diesen nicht nur viele zweite und teilweise auch dritte Chancen auf einen Korberfolg, sondern bremsten auch Albas Offensive aus. Das Berliner Angriffsspiel lebt eigentlich von seiner Geschwindigkeit. Nach dem Defensivrebound nimmt Alba sofort Tempo auf, kommt mit einem Dribbling oder scharfen Pässen schnell in die gegnerische Hälfte und schließt ab, bevor die gegnerische Verteidigung sich wieder formiert hat.

Doch ohne Defensivrebounds gibt es auch keine schnellen Gegenstöße. Am Dienstag mussten die Berliner deshalb in vielen Phasen hart für den Korberfolg arbeiten – und das kommt ihren Stärken nicht entgegen. Weniger als die 75 Zähler in Valencia erzielte Alba in dieser Saison nur vier Mal und die Bilanz zeigt, dass dem Team solche Spiele nicht liegen. Drei der vier Partien gingen verloren.

Probleme unterm Korb

Luke Sikma, letzte Woche noch ausgezeichnet als wertvollster Spieler (MVP) dieser Eurocup-Saison, war dementsprechend selbstkritisch. Vor allem in der Defensive hatte der Power Forward arge Probleme mit Valencias bestem Werfer Will Thomas. „Ich hatte kein besonders gutes Spiel und übernehme die Verantwortung dafür“, sagte Sikma, der Albas Schwächen beim Rebounden vor allem mit einer etwas zögerlichen Einstellung begründete. „Wir waren nicht immer bereit und in manchen Szenen zu faul.“

Das sieht auch Landry Nnoko, eigentlich der beste Rebounder unter den Berliner Centern, so. Der Kameruner mit den langen Armen und der großen Athletik erwischte in Valencia ebenfalls einen schwachen Tag. „Ich bin schlecht in den Rhythmus gekommen und hatte früh Foulprobleme“, sagte Nnoko selbstkritisch. „Drei Rebounds in 17 Minuten, das ist einfach inakzeptabel.“

Trainer Aito Garcia Reneses hält nichts davon, den Grund für die Niederlage bei einzelnen Spielern zu suchen. „Manchmal haben Spieler einen guten Tag, manchmal einen schlechten“, sagte er. Ganz unabhängig von der Position oder der Körpergröße müsse Alba beim Rebound besser arbeiten. „Ich mache mir keine großen Gedanken darüber, ob wir gewinnen oder nicht“, so Reneses. „Mir ist wichtig, dass wir gut spielen, gut rebounden und uns keinen großen Druck machen.“

Der Glaube ist da

Die Gelassenheit, die der 72-Jährige ausstrahlt, scheint dem Team auch in den wichtigsten Tagen der Saison gut zu tun. Obwohl Alba am Freitag unbedingt gewinnen muss, um ein entscheidendes Spiel in Valencia am kommenden Montag zu erzwingen, war die Stimmung beim Training mehr optimistisch denn angespannt. Die Alba-Profis glauben an ihre Chancen.

„Ich denke nicht, dass Valencia generell deutlich besser ist als wir“, sagte Thiemann. „Wir haben Vertrauen in unser Spiel.“ Zumal sich Alba auch im Viertelfinale gegen Malaga – eine Mannschaft, die über ein ähnliches Potenzial wie Valencia verfügt und in der spanischen Liga die gleiche Bilanz aufweist – trotz einer Auftaktniederlage durchgesetzt hat. „Das gibt uns natürlich zusätzlich Mut und jetzt wollen wir vor unseren Fans beweisen, dass wir das auch gegen Valencia schaffen können“, sagt Thiemann. „Wir stehen ja nicht umsonst im Eurocup-Finale. Wieso sollten wir es nicht auch gewinnen können?“

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