Damals noch besser als das heutige Vorbild. Christian Karembeu (rechts) im Duell mit Stefan Effenberg (im Trikot des FC Bayern). Von 1998 bis 2000 spielte der Franzose bei Real Madrid. Mit den Spaniern gewann Karembeu unter Trainer Jupp Heynckes im Jahr 1998 die Champions League. Foto: Imago
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Vor dem Spiel bei Olympiakos Piräus Christian Karembeu: „Bayern ist unser großes Vorbild“

Dimitrios Dimoulas

Christian Karembeu, 1998 Fußball-Weltmeister mit Frankreich und heute Berater in Piräus, über Vergleiche mit dem Deutschen Meister und Jupp Heynckes.

Herr Karembeu, wann haben Sie das letzte Mal Teqball gespielt?

(schmunzelt) Erst gestern! Wir haben im Trainingscampus eine Teqball-Platte, die die Spieler zum Aufwärmen benutzen. Da schleiche ich mich oft mit ein und spiele mit!

Was reizt Sie an dieser Mischung aus Fußball und Tischtennis auf einer speziellen Platte?

Das erste Mal, als ich eingeladen wurde Teqball zu spielen, habe ich aus Spaß und Neugierde mitgemacht. Allmählich habe ich jedoch großen Gefallen daran gefunden, zumal es auch die Technik und die Konzentration verbessert. Im Grunde ist es eine ausgezeichnete Aufwärmübung für alle Athleten.

Hilft Teqball Ihrem Team Olympiakos Piräus nun auch nach dem schlechten Start in diese Champions-League-Saison?

Die Niederlage zuletzt in Belgrad soll uns eine Lehre sein, das Spiel nicht so leichtfertig aus der Hand zu geben, auch wenn wir aufgrund einer Roten Karte dezimiert kämpfen mussten. Insofern sind wir jetzt froh, am Dienstag die Bayern empfangen zu können. Sie müssen ihre Favoritenrolle unter Beweis stellen, und wir werden versuchen sie daran zu hindern.

War das 7:2 der Bayern in London gegen Tottenham nicht ein bisschen besorgniserregend für Sie?

Diese Mannschaft ist schon sensationell. Die Generationen der Spieler kommen und gehen, aber die Dominanz der Bayern bleibt erhalten. Das ist schon beachtlich. Zudem ist der Klub in puncto Management, Scouting und Jugendarbeit führend in Europa und ein großes Vorbild für uns. Trotzdem sind wir gewillt, vor unseren Anhängern weit mehr als ein Sparringspartner zu sein!

Welche Hoffnungen haben Sie denn noch in Ihrer Gruppe?

Ich habe immer wieder betont, dass wir, im Vergleich zu unseren Gruppengegnern, etwas hinterherhinken. Bayern hat die Champions-League gewonnen, ebenfalls Roter Stern, auch wenn es paar Jahre zurückliegt, und Tottenham war zweimal Uefa-Cup-Sieger. Wir sind aber trotzdem gewillt zu kämpfen, Punkte zu sammeln und, warum nicht, uns für die K.-o.-Phase zu qualifizieren.

Olympiakos-Trainer Pedro Martins und Klub-Eigner Vangelis Marinakis betonen, dass das vorrangige Saisonziel die Meisterschaft ist. Teilen Sie diese Prioritäten?

Unser Ziel bleibt in erster Linie der nationale Meistertitel, gewiss. Zumal wir ihn zweimal hintereinander verpasst haben, nach einer Serie von sieben Titeln in Folge. Unser Projekt beinhaltet aber auch das Punktesammeln in der Champions League, was förderlich für das Uefa-Ranking ist. Im Fußball aber gibt es viele unvorhersehbare Faktoren, wie Verletzungen oder Rote Karten, die das ganze Projekt ins Wanken bringen können

Sie haben jüngst beteuert, dass Olympiakos eines Tages durchaus in der Lage wäre, die Champions League zu gewinnen. War es eher Ausdruck eines Wunschdenkens, oder diente es als Ansporn für das Team?

Ich bin von Natur aus ein optimistischer Mensch und diesen Optimismus möchte ich auch an die Olympiakos-Spieler weitergeben. Als Sportler brauchst du immer wieder Motivation und neue Ziele. Aber der FC Bayern ist vom Namen allein ein Ansporn für jeden Fußballer, sein Bestes zu geben.

Christian Karembeu, 48, wurde mit Frankreich 1998 Weltmeister. Jetzt ist er als strategischer Berater im Verwaltungsrat von Olympiakos Piräus tätig, wo er auch von 2001 bis 2004 spielte. Foto: picture alliance / dpa Vergrößern
Christian Karembeu, 48, wurde mit Frankreich 1998 Weltmeister. Jetzt ist er als strategischer Berater im Verwaltungsrat von Olympiakos Piräus tätig, wo er auch von 2001 bis 2004 spielte. © picture alliance / dpa

Sie haben mit Jupp Heynckes und Real Madrid 1998 die Champions League gewonnen. Wie haben Sie diese Zusammenarbeit in Erinnerung ?

Ich möchte hier noch mal meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen, weil er mir die Möglichkeit gegeben hat, die Champions League zu gewinnen. Für viele große Fußballer blieb dieser Traum unerfüllt. Unser Wirken war von gegenseitigem Respekt und Professionalität gekennzeichnet und ich hatte nach dem Ende meiner Karriere regelmäßigen Kontakt zu ihm. Ich hoffe, er verlässt für eine kurze Zeit seinen Bauernhof und begibt sich zum Rückspiel ins Stadion.

Am Dienstag treffen Sie auch auf Ihre Landsleute Pavard, Tolisso, Coman und Hernandez. Glauben Sie, dass diese Spielergeneration in München eine Ära prägen wird, wie Sagnol, Lizarazu oder Ribery?

Ja, ja die French Connection! (lacht) Es ist schon ein Riesenerfolg für die Bayern, so viele amtierende Weltmeister in ihren Reihen zu haben. Die Spieler finden in München optimale Bedingungen, um sich zu verbessern und um nationale und internationale Titel zu spielen. Insofern glaube ich schon, dass München ein geeignetes Biotop ist, das es diesen Spielern ermöglicht, eine Ära prägen zu können – wie Jean-Pierre Papin, Bixente Lizarazu oder Franck Ribery.

Apropos Ribery. Stimmt es, dass Olympiakos ihm im Sommer ein lukratives Angebot unterbreitet hat?

In der Tat haben wir uns sehr bemüht, Franck nach Piräus zu lotsen. Letztendlich hat er sich aber für Florenz entschieden. Die Toskana hat ja bekanntlich auch ihre Reize. (lacht)

Die Kluft zwischen reichen Klubs und den anderen Mitstreitern in Europa wächst stetig. Welche Mittel hat ein Verein wie Olympiakos um gegenüber diesen potenten Konkurrenten wettbewerbsfähig zu bleiben?

Da ist in erster Linie das Financial Fairplay, welches das monströse und unkontrollierte Geschäftsgebaren im Profifußball eindämmen kann. Jeder Klub in Europa befindet sich auf dem Radar dieses Mechanismus. Abgesehen davon muss man mit den eigenen Mitteln gut wirtschaften, also eine gute Scouting-Abteilung haben, in den Nachwuchs investieren – und Glück haben. Klingt trivial, ist aber wahr.

In letzter Zeit häufen sich in Stadien Vorfälle mit rassistischem Hintergrund – wie zuletzt im Länderspiel zwischen Bulgarien und England. Sie waren in Ihrer aktiven Zeit oft Opfer solcher Beleidigungen. Bedarf es bei dieser Problematik nicht auch der Hilfe der Politik?

Ich sehe den Fußball und den Sport als ein wichtiges Erziehungsinstrument, mit interkulturellem Effekt. Diese Vorfälle basieren in erster Linie auf Ignoranz und Intoleranz. Wir leben im hochmodernen Zeitalter, das die zwischenmenschliche Verständigung beflügeln könnte. Stattdessen wird Hass und Zwiespalt gepredigt. Das hat schon Nelson Mandela unterstrichen, der immer wieder beteuerte, dass der Mensch von Geburt an mit Liebe ausgestattet ist, während er zum Hass sukzessive geleitet wird. Gewiss kann die Politik auch zur Bekämpfung dieser Entgleisungen ihren Beitrag leisten, wie die Intervention des bulgarischen Ministerpräsidenten nach den Vorfällen in Sofia gezeigt hat. Letztendlich können Sanktionen auch einen abschreckenden Effekt haben!

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