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Herthas Myziane Maolida trainiert wieder mit der Mannschaft. Foto: Imago
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Vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt Hertha BSC hofft auf den Bayernbesieger-Fluch

Hertha BSC fühlt sich nach der Länderspielpause gut gerüstet für die Partie in Frankfurt. Zumal die Eintracht mit einer besonderen Hypothek belastet ist.

Siege gegen den FC Bayern München waren immer schon ein rares Gut. In den vergangenen Jahren sind sie sogar noch ein bisschen rarer geworden. Manche Vereine kommen nie in ihren Genuss, andere zumindest ab und zu einmal. Dafür müssen sie dann auch die Konsequenzen tragen.

Eintracht Frankfurt hat zuletzt definitiv zu den anderen gehört. In jeder der vergangenen drei Spielzeiten (die aktuelle eingeschlossen) haben sie einmal gegen die Bayern gewonnen. Das ist schön für die Eintracht, aber eben auch mit Nachwirkungen verbunden, die längst als Bayernbesieger-Fluch bekannt geworden sind. Wer die Bayern schlägt, wird anschließend erst einmal mit Misserfolg bestraft. In der Vorsaison zum Beispiel folgten dem 2:1 der Frankfurter gegen den Rekordmeister drei Spiele ohne Sieg.

Auf die Frage, ob er an den Bayernbesieger-Fluch glaube, hat Fredi Bobic, der frühere Sportchef der Frankfurter, am Donnerstag erst gelacht und dann geantwortet: „Ich wusste das gar nicht, dass die Eintracht danach erst mal ein bisschen Probleme hat.“ Dabei wäre das für seine noch recht frische Tätigkeit als Sportgeschäftsführer bei Hertha BSC durchaus von Belang. Am vergangenen Spieltag der Fußball-Bundesliga haben die Frankfurter 2:1 in München gewonnen – und an diesem Samstag empfangen sie im eigenen Stadion: Hertha BSC.

Nun wäre es ein schönes Sujet für eine wissenschaftliche Untersuchung, ob der Bayernbesieger-Fluch auch dann noch wirkt, wenn unmittelbar auf den Sieg gegen die Münchner eine Länderspielpause folgt und die Erinnerung an den überraschenden Triumph schon langsam verblasst. Der Übermut, der offenbar aus einem Erfolg gegen die Überbayern erwächst, ist bei der Eintracht womöglich schon verflogen. Zum Nachteil von Hertha BSC.

Bei Hertha konnte zuletzt viel trainiert werden, weil der Klub nicht mehr viele Nationalspieler hat

Andererseits hat Hertha selbst von der Unterbrechung profitiert. Da die Zahl an Nationalspielern anders als in früheren Jahren inzwischen recht überschaubar ist, hat Trainer Pal Dardai in der Länderspielpause eine stattliche Gruppe im Training beisammengehabt.

So konnte er ein paar Themen angehen, die zuletzt zu kurz gekommen sind. Dardai hat sich mit seinem Team sehr intensiv – sowohl auf dem Platz als auch vor dem Bildschirm – der Schwäche bei Standardsituationen gewidmet; er hat an der körperlichen Konstitution gearbeitet und mit fachfremden Übungen (Volleyball, Basketball, Pistolenschießen) den Teamgeist gestärkt. „Die Jungs haben gut gearbeitet“, sagte der Ungar. „Ich bin voll positiv.“

Die Verwerfungen im Verein, ausgelöst durch den Rückzug von Geschäftsführer Carsten Schmidt, sind an der Mannschaft weitgehend vorbeigegangen. „Wir haben in der Kabine nicht sehr viel darüber geredet“, berichtete Dardai. Das Thema betrifft eher Fredi Bobic, der nun einen Teil von Schmidts Zuständigkeitsbereichen übernimmt. „Es war nicht schön, dass es zu so einer Situation kommt. Das hat mich auch angefasst“, sagte Bobic zu Schmidt privaten Gründen für seinen Rücktritt „Aber ich freu mich immer, wenn ich viel Arbeit habe. So bleibe ich jung.“

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Dass sich auch bei Trainer Dardai der Alterungsprozess nicht weiter beschleunigt hat, hängt nicht zuletzt mit den Ereignissen in der Länderspielpause zusammen. Zu Dardais Zufriedenheit sind Herthas Nationalspieler gesund (alle) und mit persönlichen Erfolgserlebnissen (Jurgen Ekkelenkamp als Doppeltorschütze der holländischen U 21, Krzysztof Piatek mit einem Treffer für Polen) nach Berlin zurückgekehrt.

Trotzdem bleibt die Personalsituation angespannt, vor allem in der Abwehr. Fünf Spieler fehlen Dardai für das Auswärtsspiel in Frankfurt, alle fünf – Lukas Klünter, Marton Dardai, Jordan Torunarigha, Linus Gechter und Deyovaisio Zeefuik – sind Verteidiger.

Dafür ist Myziane Maolida, den Hertha am Ende der Transferperiode verpflichtet hat, in dieser Woche ins Training zurückgekehrt. So nichts Unvorhergesehenes mehr passiert, könnte der Franzose am Samstag in Frankfurt sogar schon ein Kandidat für einen Kaderplatz und eine Alternative für die Offensive sein. Dardai sprach Maolida „ein großes Lob“ für seine Arbeit in der Reha aus. „Das war sehr professionell und nicht selbstverständlich“, sagte Herthas Trainer. „Ich bin sehr zufrieden mit ihm.“

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