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Volles haus, volle Freude. Zum ersten mal seit zwei Jahren wurde am Montag in ausverkaufter Arena gefeiert bei den Eisbären. Foto:Andreas Gora/dpa
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Vor dem entscheidenden Finale der Eisbären in RB München Ein Titel als Chance

Sportlich sehr erfolgreich, bei der Außendarstellung ist noch viel Luft: Da könnte ein weitere Meisterschaft gerade recht kommen.

Zu später Stunde, als die zweite Niederlage von RB München in der Finalserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft feststand, holte Don Jackson zu einem längeren Vortag aus in den Kellerräumen der Arena am Ostbahnhof. Es ging um Druck im Eishockey, speziell in den Play-offs. Denn in so einer Situation steckt das Team des Trainers Jackson nun vor dem vierten Spiel der nach dem Modus „Best of five“ gespielten Finalserie der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Gewinnen die Eisbären auch am Mittwoch (19.30 Uhr, Magentasport) das Spiel, ist das Ding durch für Berlin. „Aber da sehe ich keinen Druck bei uns“, sagte Jackson. „Die Aufgabe ist doch für uns nicht neu: Wir müssen ein Spiel gewinnen, wie immer.“ Und dann schwadronierte der erfahrene US-Amerikaner, dieser Baum von einem Kerl, über seine erfolgreiche Zeit in Berlin. Auch damals habe man trotz fünf gewonnener Titel Krisen besiegen müssen. „Thema Augsburg zum Beispiel“, sagte Jackson.

Augsburg? Ja, da hätten ihn 2010 nach dem Überraschenden Aus in den Play-offs schon einige wegschreiben wollen, aber er habe das überstanden, sagte Jackson. Früher, in der alten Zeit, in der vieles sehr gut war beim damaligen Serienmeister Eisbären – aber auch nicht alles besser als heute. Die neue erfolgreiche Ära der Eisbären hat Serge Aubin als Gesicht, der Trainer lauschte und schmunzelte auch wenig als Jackson seinen Vortag hielt. Anekdoten der Marke Jackson sind von einem Aubin nicht zu erwarten. Der Kanadier macht seinen Job, akribisch und sehr, sehr gut, um die Außendarstellung des Klubs müssen oder müssten sich andere kümmern.

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Und da ist vielleicht eine kleine fehlende Note bei den sportlich so erfolgreichen Eisbären, die in Finalspiel drei beim, 2:1-Erfolg am Montag ihren Gegner sehr gut im Griff hatten: Sportlich sind sie so stark wie lange nicht, alles andere als der zweite Meistertitel unter Aubin wäre eine Überraschung: ob das nun am Mittwoch in München passiert oder in einem möglichen Spiel fünf am Donnerstag in Berlin.

Doch sportlich ist das eine – Wirkung nach außen das andere. Zwar war die Mercedes-Benz-Arena am Montag erstmals seit gut zwei Jahren wieder ausverkauft, aber den ganz großen Glanz müssen sie sich nach außen hin wohl wieder erarbeiten: Wenn die Eisbären Meister werden, wird das in Berlin sicher interessieren, aber wohl nicht mehr in der Dimension wie einst als noch Jackson oder sein Vorgänger Pierre Pagé das Sagen hatten. Damals hatten die Eisbären eben mehr über den Dunstkreis ihrer Sportart hinaus bekannte Gesichter. Heute haben sie ein sehr starkes Team, sehr gute Spieler, aber eben kein Team dahinter, dass öffentlichkeitswirksam auf die Tube drückt. Ein Kaweh Niroomand (BR Volleys) oder Bob Hanning (Füchse) geht den Eisbären ab – eine oder einen, die oder der das Produkt nach außen hin gut an die Kundschaft hinter der Stammkundschaft bringt. Allerdings haben sie trotzdem eine viel größere Stammkundschaft als die Macher aus dem Volleyball oder Handball, da reicht ein Blick auf die Zuschauerzahlen der Berliner Klubs hinter dem Fußball.

Ein Titel wäre nun die große Chance, mal nachzulegen in Sachen Identitätsschaffung und Öffentlichkeitsarbeit. Es wäre die Möglichkeit klarzumachen, wofür die Marke Eisbären steht. Nämlich für starke Aufbauarbeit, für ganz Berlin, ein erfolgreiches Berlin – das ja nicht in allen Bereichen des Lebens und der Unterhaltungsbranche für Erfolg steht.

Die Chancen der Berliner für Mittwoch stehen gut.

Die, die bei Gewinn dieses möglichen Titels helfen werden, sind zum Teil bald wieder weg – wie der überragende Frans Nielsen, der nach der Saison seine Karriere beendet und sich am Montag im Eishockeysprech zu Spiel vier äußerte („der letzte Sieg ist immer der Schwerste“). Womöglich kann aber ein Frank Hördler, schon 37 Jahre alt und seit zwei Jahrzehnten allein für die Eisbären in der Liga aktiv, den Klub in der Berliner Aufmerksamskeitsskala hochtreiben. Wenn er zum Beispiel kommende Saison gemeinsam mit seinem auf dem Sprung ins DEL-Team stehenden Sohn verteidigen wird. Das wäre so eine Geschichte, die die Eisbären gebrauchen können.

Die Chancen der Berliner stehen für Mittwoch, Spiel zwei und Spiel drei der Serie zum Maßstab genommen, gut. Auch wenn sie womöglich auf ihren zuletzt besten Spieler Zach Boychuk (Verletzung nach einem ungeahndeten Foul des Münchners Trevor Parkes in Spiel drei) verzichten müssen. Boychuk hat übrigens auf Twitter 837.000 Follower mehr als die Eisbären (23.000), vielleicht hat der Angreifer ja ein paar Tipps für seinen Arbeitgeber, wie sich mögliche Interessensgruppen erweitern lassen.

Aber erst einmal gilt es jetzt für die Berliner am Mittwoch den letzten Teil der Finalserie gegen München erfolgreich zu gestalten. Das wäre viel Wert.

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