Sein Moment: Jan Philipp Rabente erzielte bei den Olympischen Spielen 2012 im Finale beide Treffer zum Gewinn der Goldmedaille. Foto: Imago
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Vor Beginn der Hallenhockey-EM in Berlin Jan Philipp Rabente ist als Elder Statesman gefragt

Jan Philipp Rabente bescherte dem deutschen Hockey-Team 2012 Olympia-Gold. Als Routinier soll er nun bei der Hallen-EM in Berlin ein junges Team anführen.

Jan Philipp Rabente hat seinen Nachbarn immer freundlich gegrüßt, wenn er ihn zufällig auf der Straße getroffen hat. „Das ist ja selbstverständlich“, sagt Valentin Altenburg, Rabentes Nachbar, der in Hamburg in derselben Straße wohnt. Man kennt sich, man grüßt sich.

Wobei ihr Verhältnis nicht immer unbelastet war. Noch vor ein paar Jahren hat Rabente über Altenburg gesagt, dass er wütend auf ihn sei, enttäuscht und traurig. Da hatte er gerade von ihm erfahren, dass er nicht im Kader der deutschen Hockey-Männer für die Olympischen Spiele in Rio stehen werde.

Die Hallen-EM dürfte Rabentes letztes großes Turnier sein

Altenburgs Entscheidung hat Rabente damals hart getroffen. So hart, dass er eine Fortsetzung seiner Karriere in der Nationalmannschaft davon abhängig gemacht hat, ob Altenburg Bundestrainer bleibe oder nicht. Bei dieser Vorgeschichte ist es schon eine nette Pointe, dass ausgerechnet Altenburg dem mittlerweile 32 Jahre alten Rabente mit der Nominierung für die Hallen-Europameisterschaft nun den mutmaßlich letzten Höhepunkt seiner glanzvollen internationalen Karriere bescheren könnte.

„Ich gehe es so an, als wenn es mein letztes Turnier wäre“, sagt Rabente. Altenburg, eigentlich U-21-Nationaltrainer, betreut an diesem Wochenende die Nationalmannschaft bei der EM in Berlin. Er tritt mit einem punktuell verstärkten Nachwuchsteam an, weil sich der A-Kader bereits auf Olympia im Sommer vorbereitet.

Jan Philipp Rabente sticht aus diesem Team heraus: sowohl von seinem Alter her als auch mit seiner Erfahrung. Als er 2005 sein erstes von inzwischen 163 Länderspielen bestritt, gingen einige seiner Kollegen, mit denen er jetzt bei der Hallen-EM antritt, noch in den Kindergarten. Er war 2013 Europameister auf dem Feld und hat 2012 in London olympisches Gold gewonnen – nicht zuletzt weil er im Finale gegen Holland beide Tore zum 2:1-Sieg erzielte.

Diesmal ist Rabente der Neue im Team

Mit einer solchen Vita nimmt der Verteidiger des UHC Hamburg fast zwangsläufig die Rolle des Elder Statesman in der jungen deutschen Mannschaft ein. Der nächstälteste Spieler ist 25, sieben Mitglieder des Zwölfer-Kaders sind mindestens zehn Jahre jünger als er.

Normalerweise ist es so, dass ein junger Spieler neu in eine bestehende Mannschaft kommt. Nun ist es umgekehrt. Das Team kennt sich aus der U 21, und diesmal ist es der Routinier Rabente, der von außen dazu kommt. „Bei dieser Truppe ist das gar kein Problem“, sagt Altenburg. Zumal Rabente die Konstellation aus seinem Verein kennt. Beim UHC hat er es ebenfalls mit vielen jungen Spielern zu tun. „Ich habe da derbe Bock drauf“, sagt er.

An der Seite: Valentin Altenburg trainiert das junge deutsche Team bei der Hallen-EM in Berlin. Foto: Friso Gentsch/dpa Vergrößern
An der Seite: Valentin Altenburg trainiert das junge deutsche Team bei der Hallen-EM in Berlin. © Friso Gentsch/dpa

In Berlin soll Rabente als Verteidiger den Aufbauspieler geben und von hinten den Takt des Teams bestimmen. „Sein Passspiel, dieses Auge gegen tiefe Raumdeckung findet man nicht so oft“, sagt Altenburg. Kurioserweise wird Rabente bei der Hallen-EM in genau jener Rolle benötigt, die ihn 2016 womöglich die Teilnahme an Olympia gekostet hat. Rabente ist eigentlich Mittelfeldspieler, war aber im Verein zum Verteidiger umfunktioniert worden. In diesem Ressort hatte Altenburg damals keinen Bedarf.

Heute sagt Rabente über die Entscheidung des Bundestrainers, dass es dessen gutes Recht sei, seinen Kader so zusammenzustellen, wie er es für richtig halte; damals habe er das natürlich ein bisschen anders gesehen. „Es hat mich schon eine Weile beschäftigt, aber es hat nicht ewig an mir genagt“, sagt Rabente. Zwischen ihm und Altenburg stehe nichts mehr.

Der Bundestrainer hat ihn immerhin vorab angerufen, um zu erfahren, ob er für das Turnier in Berlin bereitstehe – auch wegen ihrer gemeinsamen Vorgeschichte. Sonst aber habe es für ihn keine Rolle gespielt, erzählt Altenburg. Sie sind sich auch nach 2016 noch bei der Nationalmannschaft über den Weg gelaufen, wenn Altenburg aushilfsweise dem Trainerstab angehörte. „Ich habe nie gemerkt, dass er einen Hals auf mich hatte“, sagt er über Rabente. „Das muss man ihm hoch anrechnen.“

Insofern kann von einer möglichen Wiedergutmachung auch keine Rede sein. „Rabbi ist ein absoluter Hallenexperte, und das schon seit Jahren“, sagt Valentin Altenburg. „Wenn ich ihn nicht nominiert hätte, wäre es ein Skandal gewesen.“

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