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Weggefährten. Bruno Labbadia trainierte Dennis Diekmeier in Hamburg. Foto: Imago
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Von Dennis Diekmeier bis Olaf Thon Fünf Wegbegleiter erzählen, wer Bruno Labbadia für sie ist

Louis Richter Leonard Brandbeck

Was kann Hertha BSC von Bruno Labbadia erwarten? Fünf Menschen, die den neuen Berliner Trainer in seiner Karriere begleitet haben, erklären es uns.

Bruno Labbadia hat die erste Arbeitswoche bei Hertha BSC hinter sich. Ein wenig kennt er seinen neuen Klub also schon. Doch wer ist der neue Trainer? Fünf Wegbegleiter haben es den Autoren Leonard Brandbeck, Christoph Dach, David Joram, Louis Richter und Sebastian Schlichting erzählt – von hässlichen Trainingsanzüge, großem Ehrgeiz und Harmoniestreben.

Bernhard Trares
Ich erinnere mich sehr gut an unsere erste gemeinsame Reise, das muss etwa 1980 gewesen sein. Wir sind mit der Hessenauswahl zu einem Turnier nach Frankreich gefahren. Das war hervorragend besetzt, wie bei einer Europameisterschaft. Die anderen Mannschaften hatten alle schicke Trainingsklamotten. Wir dagegen kamen in total hässlichen Trainingsanzügen. Aber wir haben das Turnier gewonnen, eigentlich unglaublich!

Bernhard Trares, 54, hat in Darmstadt, bei Werder Bremen und dem Karlsruher SC mit Bruno Labbadia zusammengespielt. Von April 2015 bis September 2016 war er dessen Co-Trainer beim Hamburger SV. Trares trainiert aktuell den Drittligisten Waldhof Mannheim. Foto: Imago/Nordphoto Vergrößern
Bernhard Trares, 54, hat in Darmstadt, bei Werder Bremen und dem Karlsruher SC mit Bruno Labbadia zusammengespielt. Von April 2015 bis September 2016 war er dessen Co-Trainer beim Hamburger SV. Trares trainiert aktuell den Drittligisten Waldhof Mannheim. © Imago/Nordphoto

Bruno war vor mir bei Darmstadt 98, ich bin 1985 in die Zweitliga-Mannschaft gekommen. Zunächst war Udo Klug unser Trainer. Ganz alte Schule! Nach der Vorbereitung konnten wir vor Muskelkater kaum noch Treppen steigen. Auf Klug folgte Eckhard Krautzun, das war in Sachen Trainingslehre etwas völlig anderes. Beide waren super Trainer. Bruno und ich hatten in Darmstadt eine fantastische Zeit. Unser Verhältnis war sehr eng, wir haben oft die Mittagspausen zusammen verbracht und uns in der Stadt etwas zu Essen geholt.

Er hatte bereits damals auf dem Platz eine außergewöhnliche Energie. Wenn er ein Tor geschossen hatte, wollte er das zweite. Und das dritte. Er war brutal ehrgeizig. Heute als Trainer hat er dazu aber auch die nötige Lockerheit. Diese Mischung macht ihn aus.

Ich war in Darmstadt im Mittelfeld, Bruno natürlich im Sturm. Wir haben uns immer gesucht. Über eine Geschichte lachen wir noch heute: Einmal war er im Spiel extrem unruhig, hat ständig gemeckert. Ich dachte, was ist denn los? Kurz vor Schluss habe ich ihn angespielt und er hat sein Tor gemacht. Da hat er vielleicht gestrahlt. Nach dem Abpfiff hat er mir erzählt, dass ihn Manager Felix Magath für den Hamburger SV beobachtet hatte. Dorthin ist er dann gewechselt. Bruno war immer der etwas zielstrebigere von uns. In die Bundesliga haben wir es schließlich beide geschafft – und wir sind seit 40 Jahren befreundet.

Lorenz-Günther Köstner
Als ich im Oktober 2002 als Trainer nach Karlsruhe kam, herrschte noch nicht die größte Not, aber der Klub befand sich nach sieben Spielen sieglos im Tabellenkeller der Zweiten Liga. Und Bruno stand auf der Kippe. Das Umfeld war sowieso gereizt, weil Aufstiegstrainer Stefan Kuntz gehen musste und es finanziell nicht gut aussah. In den Gesprächen mit Manager Rolf Dohmen erfuhr ich dann, dass Bruno noch einen Millionenvertrag beim KSC besaß. „Ich glaube, wir müssen Labbadia verkaufen, die Leute werden schon unruhig“, sagte mir Dohmen.

Lorenz-Günther Köstner, 68, war in der Saison 2002/03 beim Karlsruher SC Bruno Labbadias letzter Trainer. Seit zwei Jahren ist er im Ruhestand. Foto: Imago/Hartenfelser Vergrößern
Lorenz-Günther Köstner, 68, war in der Saison 2002/03 beim Karlsruher SC Bruno Labbadias letzter Trainer. Seit zwei Jahren ist er im Ruhestand. © Imago/Hartenfelser

Bruno hatte bis dahin kein Tor erzielt, sich im ersten Saisonspiel gegen Köln aber eine Rote Karte eingehandelt. Aber wer hätte ihn ersetzen sollen? Der junge Ivan Saenko? Ich habe also darauf gedrängt, dass Bruno bleibt – und setzte mich durch. Mir war ja klar, dass er nochmal Erfolg haben will.

Für den Klassenerhalt hat er sich im Training gequält, er war sehr zuverlässig, offen und geradlinig. Ich habe im Lauf der Saison viele Gespräche geführt, mit Bruno, mit Bernhard Trares, die ihre Erfahrung an die jüngeren Spieler weitergegeben haben. Gerade an Bruno ist man gut rangekommen, er war auf dem Feld zwar ein Egoist, ein Vollblutstürmer, manchmal zerfressen.

Aber er hat sich dann hervorragend um den jungen Saenko gekümmert, ihn geführt, gezeigt, welche Wege er gehen muss. Saenko ging die Wege und Bruno konnte in der Box die Bälle verwerten. In den letzten sechs Spielen schoss er sechs Tore, auch am letzten Spieltag gegen Fürth. Wir hielten die Liga, er verabschiedete sich als gefeierter Held.

Stefan Kuntz
Eigentlich haben wir uns ja in einem recht ungünstigen Moment kennengelernt. Als ich 1989 zur Vertragsunterschrift in Kaiserslautern war, hieß es nämlich noch, dass ich als Nachfolger von Bruno geholt werde. Wir hatten dann aber eine halbe Stunde Zeit, uns zu unterhalten, und ich fand ihn gleich sehr sympathisch. Ich war also sehr froh, dass wir dann doch ein gemeinsames Sturmduo geworden sind.

Stefan Kuntz, 57, hat beim 1. FC Kaiserslautern mit Bruno Labbadia zusammengespielt und war in Karlsruhe von 2001 bis 2002 dessen Trainer. Derzeit ist er U-21-Nationaltrainer. Foto: Patrick Seeger/dpa Vergrößern
Stefan Kuntz, 57, hat beim 1. FC Kaiserslautern mit Bruno Labbadia zusammengespielt und war in Karlsruhe von 2001 bis 2002 dessen Trainer. Derzeit ist er U-21-Nationaltrainer. © Patrick Seeger/dpa

Wir waren Zimmerkollegen und hatten natürlich massig Spaß, ich weiß nicht, ob davon alles schon verjährt ist. Und auf dem Platz haben wir klasse harmoniert. Bruno war schon immer sehr an Harmonie interessiert – im Zweifel wird er selbst dafür sorgen, weil ihm das Mannschaftsgefüge sehr wichtig ist.

Zusammen haben wir den Pokal und die Meisterschaft gewonnen, dann ist Bruno zu den Bayern gewechselt. Das war für die Fans natürlich hart. Als Spieler sieht man es etwas lockerer. Später als Trainer habe ich ihn dann nach Karlsruhe geholt, aus sportlichen, aber auch persönlichen Gründen. Wir haben viel über die Spielidee gesprochen, weil Bruno ja damals auch schon daran interessiert war, Trainer zu werden.

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Er hat sich von Station zu Station einfach extremst weiterentwickelt. Er ist sehr wissbegierig, er bringt immer höchsten Einsatz und fordert den auch von allen anderen. Aus Sicht von Hertha finde ich es deshalb nur logisch, dass man jetzt mal auf Bruno gekommen ist. Er wird dafür sorgen, dass da Zug reinkommt.

Der Bruno, das war einfach mein Spezi. Auch heute begegnen wir uns immer wieder – zum Beispiel auf Mallorca, unserem gemeinsamen Urlaubsziel. Und dann treffen wir uns relativ schnörkellos auf ein gutes Abendessen.

Dennis Diekmeier
2015 hat Bruno Labbadia uns beim HSV in einer sehr schwierigen Situation übernommen. Bei uns lief fast gar nichts mehr zusammen, wir waren mental so gut wie am Ende. Er ist aber voller positiver Energie bei uns angetreten. Er hat es hinbekommen, dass wir auf dem Platz wieder eine Einheit wurden. Diese Fähigkeit zeichnet ihn aus.

Dennis Diekmeier, 30, spielte beim HSV unter Trainer Bruno Labbadia. Aktuell steht er beim SV Sandhausen unter Vertrag. Foto: Imago/Sven Simon Vergrößern
Dennis Diekmeier, 30, spielte beim HSV unter Trainer Bruno Labbadia. Aktuell steht er beim SV Sandhausen unter Vertrag. © Imago/Sven Simon

Obwohl es dann in der Relegation gegen den Karlsruher SC so eng wurde, hatten wir speziell im Rückspiel nie das Gefühl, dass wir verlieren würden. Das Tor zur Verlängerung fiel erst kurz vor Schluss, dennoch wussten wir immer, dass wir es noch schießen werden. Das hatte natürlich auch mit Bruno Labbadia zu tun. Er hat eine sehr gute Ausstrahlung an der Seitenlinie. Die tagtägliche Arbeit unter ihm ist, so wie er es auch in Berlin angekündigt hat, wirklich intensiv. Er fordert und verlangt viel von den Spielern.

Ihn zeichnet dabei aus, dass er selbst ein guter Fußballer war. Das ist für einen Trainer von Vorteil. Ich war zu Beginn seiner Amtszeit verletzt und musste mich wieder ins Team kämpfen. Trotzdem hatte ich auch noch als vierzehnter Mann das Gefühl, gebraucht zu werden. Diese Kommunikation ist sehr wichtig. In Wolfsburg hat ihn das Team nach dem Erreichen der Europa League gefeiert. Das zeigt etwas. Wenn eine Mannschaft seine Arbeitsweise annimmt und mitzieht, kann das sehr gut werden.

Olaf Thon
Bruno und ich sind uns zum ersten Mal 1991 begegnet, er kam damals vom 1. FC Kaiserslautern zu den Bayern. Was mir direkt aufgefallen ist: Er war ein Killer vor dem Tor, ein echter Mittelstürmer mit einem sehr guten Näschen. Von den Voraussetzungen vielleicht nicht der Schnellste, aber dafür mit ganz besonderen Fähigkeiten im Ausdauerbereich – nicht nur körperlich, sondern vor allem mental. Bei Läufen und richtig langen Touren war er immer vorn dabei und gehörte zu den Allerbesten. Das ist eigentlich untypisch für Mittelstürmer, aber dieser Ehrgeiz zeichnet Bruno aus, den hat er sich bis heute bewahrt.

Olaf Thon, 53, spielte von 1991 bis 1994 zusammen mit Bruno Labbadia bei Bayern München. Derzeit ist er Repräsentant des FC Schalke 04 und leitet die Traditionself des Vereins. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa Vergrößern
Olaf Thon, 53, spielte von 1991 bis 1994 zusammen mit Bruno Labbadia bei Bayern München. Derzeit ist er Repräsentant des FC Schalke 04 und leitet die Traditionself des Vereins. © Rolf Vennenbernd/dpa

Ich habe Bruno allerdings nicht nur als tollen Stürmer in Erinnerung, sondern auch als sehr angenehmen Mitspieler und Menschen. Wir hatten schnell einen guten Draht zueinander und sind in unserer Münchner Zeit auch mal abends ausgegangen, ein Bier trinken oder eine Pizza essen. Später ist der Kontakt nie abgerissen. Wir haben uns zum Beispiel regelmäßig in der Arena auf Schalke getroffen, wenn er dort zu Besuch war, oder auf anderen Veranstaltungen.

Ich habe seine Trainerkarriere also aufmerksam verfolgt und muss sagen: Er ist an seinen Aufgaben und den Vereinen gewachsen, für die er gearbeitet hat. Das ist ein ganz normaler Prozess: Jupp Heynckes, zum Beispiel, hat sich in 40 Jahren als Trainer ja auch verändert. Nach dem ganzen Theater um Jürgen Klinsmann, den Investor und Michael Preetz drücke ich der Hauptstadt und Bruno jetzt die Daumen, dass sie es dorthin schaffen, wo sie hingehören: ins Spitzenfeld der Fußball-Bundesliga. Aber das wird ein langer Weg.

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