Hier ist deine Medaille. Nach dem Supercup-Triumph mussten sich die Spieler der Volleys gegenseitig ehren. Sergey Grankin (links) beglückwünschte Mitspieler Samuel Tuia. Foto: Marcel Lorenz/Imago
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Volleys-Manager Kaweh Niroomand im Interview „Ich hoffe, der Sport geht nicht kaputt“

Volleys-Manager Kaweh Niroomand spricht vor dem ersten Bundesliga-Heimspiel über Zukunftsängste und die Situation seines Klubs.

Kaweh Niroomand, 67, ist Manager und Macher der BR Volleys. Der Klub dominiert seit Jahren die Volleyball-Bundesliga und war zuletzt vier Mal in Folge Deutscher Meister. Am Sonnabend empfangen die Berliner zum ersten Heimspiel Düren in der Max-Schmeling-Halle (17.30 Uhr).

Herr Niroomand, beim Supercup-Spiel am vergangenen Sonntag konnten sich die BR Volleys gegen die United Volleys Frankfurt durchsetzen und damit den ersten Titel der Saison holen. Ist das der Start in die Saison, den Sie sich erhofft haben?

Ja, absolut. Das war ein toller Erfolg für uns und nicht unbedingt zu erwarten nach dieser schwierigen Vorbereitungsphase. Wir hatten Ausfälle und mussten auf zwei wichtige Spieler verzichten. Aber wir haben gesehen, dass wir Elemente wie Schlagkraft und Aufschlag verbessert haben. Trotzdem gibt es reichlich Luft nach oben.

Erst kürzlich wurde einer Ihrer Spieler positiv auf Corona getestet und die ganze Mannschaft musste in Quarantäne. Wie hat sich das auf die Vorbereitungen ausgewirkt?

Für den Spieler selbst war das natürlich schlecht, weil er erhebliche Trainingsrückstände hatte. Aber auch für die Mannschaft war es schwierig, weil alle in Quarantäne mussten. Das hat uns um einiges zurückgeworfen und ich war froh zu sehen, dass wir trotzdem in Frankfurt diese Leistung erbringen konnten.

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Auf Instagram teilten die Volleys Bilder, auf denen Spieler und Trainer sich aufgrund der Hygieneverordnungen erstmals gegenseitig ehren mussten. Was lief sonst noch anders beim Spiel am Sonntag?

Der gesamte Rahmen ist nicht das, was wir bei Sportveranstaltungen gewohnt sind. Es ist einfach nicht die gleiche Atmosphäre, die wir sonst haben. Normalerweise sind bei so einem Spiel eine große Zahl an Menschen aus dem Fanclub dabei, aber wegen der aktuellen Situation haben sich gerade einmal eine Handvoll getraut, nach Frankfurt zu kommen. Es fehlte der orange Block in der Halle. Ich mache mir große Sorgen, dass die emotionale Bindung zu der Anhängerschaft verloren geht und wir viele Kontakte verlieren.

Auch für das Heimauftakt-Spiel in der Max-Schmeling-Halle am Samstag gegen Düren wurden gerade einmal 550 Karten frei verkauft. Normalerweise werden rund fünf bis sechstausend Zuschauende erwartet. Kann da trotzdem gute Stimmung aufkommen?

Von einer klassischen Fanstimmung kann man sicherlich nicht reden. Das wird eher eine Beobachtung und Begleitung des Spiels sein. Von dem Gefühl, im Volleyball-Tempel zu sitzen, werden wir weit entfernt sein.

"Geistig sind wir auf ein Umdenken in den Spielplänen eingestellt"

Auf welche Maßnahmen müssen sich die Spieler und die Zuschauenden außerdem einstellen?

Das fängt bei Masken, Abstandregelungen und Sitzordnung an. Mir persönlich tut es sehr weh, dass wir nach dem Spiel nicht wie sonst mit den Sponsoren gemeinsam den Abend verbringen und feiern können. Das war immer ein Highlight für die Spieler, nach den Spielen zu den Fans zu gehen und mit den Sponsoren in einer familiären Atmosphäre zu feiern. Solche emotionalen Bindungen dürfen nicht verloren gehen. Über viele Jahre haben wir das aufgebaut.

Wie lange können die Berliner Profivereine diese Maßnahmen wirtschaftlich durchhalten?

Wir machen pro Spiel eine gute fünfstellige Summe an Verlust. Das heißt, dass die Kosten jenseits der Einnahmen liegen. Das führt dazu, dass am Ende ein großes Loch in unseren Etats vorhanden ist. Wir sind auf der einen Seite darauf angewiesen, dass unsere Sponsoren uns weiterhin so unterstützen wie in der Vergangenheit, obwohl wir nicht dieselbe Gegenleistung erbringen können. Auf der anderen Seite ist es enorm wichtig, dass die Unterstützung seitens der Politik aufrechterhalten wird. Ohne diese Maßnahmen wird es nicht gehen.

Theoretisch könnte sich während der Bundesliga jederzeit ein Mitglied eines anderen Teams mit Corona infizieren und die Mannschaft müsste in Quarantäne. Kann der Spielbetrieb unter diesen Umständen überhaupt aufrechterhalten werden?

Das ist eine sehr gute Frage. Geistig sind wir auf ein Umdenken in den Spielplänen eingestellt. Deshalb ist mein Appell an meine Mannschaft: Wir müssen alle Verantwortung tragen und die Hygienemaßnahmen einhalten, damit wir uns nicht anstecken. Mehr können wir aber nicht tun.

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Foto: Nordphoto/Imago © imago images/Nordphoto

Die letzte Champions-League-Saison wurde aufgrund der Pandemie abgebrochen. Denken Sie, dass es nun möglich sein wird, die Champions-League- Spiele stattfinden zu lassen?

Wenn ich sehe, was gerade passiert, habe ich daran große Zweifel. Das wird von den Pandemiezahlen und den Reisebestimmungen der einzelnen Länder abhängen. Wenn man tatsächlich nach Rückkehr aus einem Risikoland eine Woche oder länger in Quarantäne muss, ist eine halbwegs geordnete Durchführung des Spielbetriebes nicht mehr möglich. Es muss Sonderregelungen geben, sonst können Europapokalspiele nicht aufrechterhalten werden.

Gehen Sie davon aus, dass es in dieser Saison Geisterspiele geben wird?

Das könnte sein, aber es würde mir sehr leidtun. Ich denke, und da klopfe ich dreimal auf Holz, dass gerade die Sportler bewiesen haben, dass sie alle sehr gute Hygienekonzepte erarbeitet haben. Bislang ist nicht bekannt, dass nach dem Start der Sommerpause irgendeine Sportveranstaltung ein Hotspot war. Der Sport hat es verdient, dass man sich mit seinen Konzepten richtig auseinandersetzt und nicht pauschal Geisterspiele verordnet.

Was sind denn Ihre Ziele für diese Saison?

Angesichts der Umstände ist meine Hoffnung, dass der Sport allgemein in Deutschland nicht kaputt geht. Das allerwichtigste Ziel ist, dass Ligen ihren Spielbetrieb aufrechterhalten können, dass Vereine ihre Arbeit weiter machen können und die Mitglieder trotz verminderter Leistung zu ihren Vereinen stehen. Der Sport und die Vereinsstruktur sind eine Basis für den sozialen Zusammenhalt in Deutschland und dieses Gerüst dürfen wir nicht wacklig werden lassen. Das steht für mich weiter über den sportlichen Zielen.

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