Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Sheraldo Becker (li.) vergab früh eine Großchance, traf dann herrlich zum 1:1. Und stand damit sinnbildlich für das turbulente Spiel, das 2:2 endete. Foto: Pool via REUTERS
© Pool via REUTERS

Viel Arbeit für das Schiedsrichtergespann Union muss sich mit einem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg begnügen

Videobeweis, Platzverweis und ein umstrittener Handelfmeter: Die Berliner und der VfL sorgen im Stadion An der Alten Försterei für eine rasante Partie.

Viel war in den vergangenen Wochen gesprochen worden über die Offensivspieler des 1. FC Union. Über den verletzten Max Kruse, über den schnellen Sheraldo Becker und über den wuchtigen Taiwo Awoniyi.

Etwas unter dem Radar lief dabei stets Marcus Ingvartsen. Um die Klasse des Dänen zu erkennen, muss man meist genauer hinschauen. Wie bei seiner Vorarbeit zum 1:0 im Derby bei Hertha BSC vor einigen Wochen – oder am Samstagnachmittag beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg im leeren Stadion An der Alten Försterei.

Wie Ingvartsen beide Tore von Becker und Robert Andrich mit präzisen Pässen einleitete, war schon sehr sehenswert. Da er mit einem unglücklichen Handspiel jedoch auch einen Elfmeter verschuldete, musste sich Union gegen den punktgleichen Tabellennachbarn mit einem 2:2 (1:1) begnügen. „Er dreht sich weg und guckt nicht mal zum Ball, aber die Regelauslegung ist leider so“, sagte Unions Innenverteidiger Robin Knoche zum Strafstoßpfiff. „Brutal ärgerlich“, befand Torschütze Andrich.

Trainer Urs Fischer nahm nach dem souveränen 2:0 bei Werder Bremen vor einer Woche nur eine Änderung vor. Für den gelbgesperrten Grischa Prömel begann Sebastian Griesbeck im zentralen Mittelfeld. So blieb es taktisch bei einem 3-5-2, wobei Becker immer wieder auf seine eigentlich angestammte rechte Seite zog.

[Wenn Sie alle aktuellen Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können]

Dort bot sich ihm nach nicht einmal zwei Minuten die Chance auf den nächsten frühen Berliner Treffer. Bei einem langen Ball war der Niederländer schneller als die Wolfsburger Verteidiger und der aus seinem Tor geeilte Koen Casteels – sein Schuss ging jedoch um einen halben Meter rechts am leeren Kasten vorbei.

„Hey, aufwachen!“

Kurz darauf schaltete Union mit einem weiten Pass in die Spitze erneut schnell um und Wolfsburgs Marin Pongracic hatte eine eindeutige Aufforderung an seine Kollegen. „Hey, aufwachen!“, brüllte der Innenverteidiger – und der Gefühlsausbruch schien Wirkung zu zeigen.

Nach einer tückisch zum Tor gezogenen Flanke köpfte Yannick Gerhardt, Unions Torwart Andreas Luthe klärte aber mit einem starken Reflex zur Ecke. Diese brachte Maximilian Arnold Richtung Elfmeterpunkt, wo Renato Steffen, mit 1,70 Meter der kleinste Mann auf dem Platz, ziemlich unbedrängt einköpfen konnte.

Das Tor gab dem VfL noch mehr Sicherheit und die Wolfsburger kombinierten vor allem über die linke Seite mit Paulo Otavio und Steffen immer wieder gefällig. Union fiel in dieser Phase nicht viel ein und das Team brauchte Zeit, um den Rückstand zu verarbeiten. Erst ab der 20. Minute fanden die Berliner wieder mehr Zugriff auf das Spiel. Becker schloss bei einem Konter von der linken Seite zu zentral ab und auch einem Kopfball von Florian Hübner nach einer Ecke von Christopher Trimmel fehlte die Präzision.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Doch Union war zurück im Spiel und nach einer halben Stunde ließ sich das auch auf der Anzeigetafel ablesen. Pongracic unterlief im Aufbauspiel ein fataler Fehlpass, Ingvartsen ging ein paar Meter und schlug einen perfekten Flachpass auf Becker. Der Niederländer zögerte nicht lange und schoss den Ball wuchtig unter die Latte.

Von Wolfsburg war in dieser Phase offensiv nicht viel zu sehen, doch wie gefährlich die Niedersachsen sein können, zeigten sie kurz vor der Halbzeit. Der bis dahin unauffällige Wout Weghorst steckte den Ball auf Gerhardt durch, aber Luthe reagierte erneut stark. Keine Minute später köpfte Awoniyi am Fünfmeterraum knapp am Pfosten vorbei. So blieb es bei einem leistungsgerechten 1:1 zur Pause.

Überragender Pass von Unions Ingvartsen

Die zweite Hälfte lief erst vier Minuten, als Ingvartsen erneut einen überragenden Pass auf Awoniyi spielte. Arnold zog Unions Stürmer leicht an der Schulter und Schiedsrichter Patrick Ittrich zeigte nach kurzem Zögern auf den Elfmeterpunkt und Arnold die Rote Karte.

Der Videoassistent in Köln korrigierte den Schiedsrichter jedoch und verlegte den Tatort an die Strafraumgrenze. Der Berliner Ärger hielt allerdings nicht lange an, denn Andrich schlenzte den Ball per Freistoß zur Berliner Führung in den Winkel.

Wenig später musste Casteels erneut hinter sich greifen – und das nach einer direkt verwandelten Ecke von Trimmel. Da Awoniyi den Torhüter leicht behindert haben soll, entschied Ittrich aber auf Stürmerfoul. Eine umstrittene Entscheidung. Und der Schiedsrichter blieb im Fokus.

Wolfsburg drückte trotz der Unterzahl auf den Ausgleich und bekam nach einem abgefälschten Schuss von Josip Brekalo die überraschende Chance dazu. Denn der Videoassistent hatte ein Handspiel von Ingvartsen entdeckt. Weghorst verwandelte und so musste sich Union mit einem Punkt begnügen. „Wir haben mit einem Mann mehr den gewissen Schritt zu wenig gemacht und ein bisschen um das 2:2 gebettelt“, sagte Andrich.

Zur Startseite