Willkommen. Uwe Rösler war in England und Schweden ein Publikumsliebling. Auch in Düsseldorf wurde er nun freundlich empfangen. Foto: Roland Weihrauch/dpa
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Uwe Rösler hat Pech beim Debüt Ein Europäer für Fortuna Düsseldorf

Uwe Rösler hat viel Erfahrung als Fußballtrainer in England und Skandinavien gesammelt. Doch die Fortuna ist sein erster Bundesligist.

Völliges Neuland war es nicht, das Uwe Rösler am Samstag betreten hat. Im Abstiegskampf kennt sich der neue Trainer von Fortuna Düsseldorf gut aus. Bei stolzen, in Notstand geratenen Traditionsvereinen hat er auch schon seine Erfahrungen gemacht.

Und doch war das unglückliche, weil durch ein spätes Gegentor zustande gekommene 1:1 seiner Düsseldorfer gegen Eintracht Frankfurt irgendwie auch eine völlig neue Erfahrung für den 51-Jährigen. Denn in einer Trainerkarriere, in der er bisher innerhalb von 16 Jahren acht Vereine in drei verschiedenen Ländern betreut hat, stand der Deutsche Rösler am Samstag zum allerersten Mal in einem Bundesligaspiel an der Seitenlinie.

In Deutschland muss sich Uwe Rösler noch beweisen

„Ein Vorteil, den die Verpflichtung hat, ist, dass mich keiner kennt“, sagte Rösler bei seiner Vorstellung vor ein paar Tagen. Der gebürtige Thüringer ist hierzulande tatsächlich weit weniger bekannt als in England und Skandinavien.

In Schweden hat er den großen FF Malmö wiederbelebt, und auf der Insel hat er sich als überall beliebter Routinier der unteren Ligen etabliert. Nur in Deutschland muss er sich noch beweisen. Schon seit 1994, als er Nürnberg in Richtung Manchester City verließ, spielt der deutsche Fußball höchstens eine Nebenrolle in Röslers Leben.

In Manchester fand er seine spirituelle Heimat und wurde mit 50 Toren in vier Jahren zur Vereinslegende. Rösler war einer von vielen neuen ausländischen Stars im englischen Fußball, er passte gut zum damals noch bodenständigen Klub aus dem Osten Manchesters.

Der größere Bruder United hatte Eric Cantona, einen Franzosen mit hochgestelltem Kragen. City hatte Rösler, einen Ossi mit Vokuhila. Dafür liebten sie ihn an der Maine Road, und sangen Röslers Namen zur Melodie des Pet-Shop-Boys-Hit „Go West“. Sie sangen auch darüber, wie Uwes Papa ihren Fish-and-Chips-Laden zerbombte. Für viele Engländer ist ein Deutscher halt immer ein Deutscher.

Hallo Bundesliga. Der neue Düsseldorfer Trainer Uwe Rösler (l.) wird vor dem Anpfiff von Fotografen belagert. Foto: Roland Weihrauch/dpa Vergrößern
Hallo Bundesliga. Der neue Düsseldorfer Trainer Uwe Rösler (l.) wird vor dem Anpfiff von Fotografen belagert. © Roland Weihrauch/dpa

In England beschrieb sich Rösler später aber sehr selten als Deutscher. Als Trainer sagte er mehrmals in Interviews, er sehe sich als Europäer. Solch eine Aussage mag jetzt politisch wirken, aber sie stimmt einfach. Röslers Frau kommt aus Norwegen, wo er auch die ersten sechs Jahre seiner Trainerlaufbahn verbrachte. Seine zwei Söhne heißen Colin and Tony, genannt nach den City-Legenden Colin Bell und Tony Brook.

Wie alle deutschen Trainer in England wurde Rösler oft mit Jürgen Klopp verglichen, auch wenn er schon vier Jahre vor Klopp einen englischen Klub trainierte. In der Tat lässt auch Rösler positiven Angriffsfußball spielen – mit hohem Pressing und schnellem Umschalten.

In einem Interview in Schweden sagte er einmal, er möge zwar Klopps Fußball, dafür aber auch die „Schönheit“ von Pep Guardiola und den „Zynismus“ eines Jose Mourinho. Und Otto Rehhagel dürfe man natürlich auch nicht vergessen.

Zu dieser Liste könnte man vielleicht noch Felix Magath hinzufügen. Bei Malmö sowie in England verdiente Rösler sich den Ruf als Tyrann auf dem Trainingsplatz. „Wir versuchen, in jeder Einheit ans Limit zu gehen“, gab er in einem Beitrag für „The Coach's Voice“ zu.

Engagiert. Rosler (r.), hier in einem Spiel mit Brentford 2013 gegen Chelsea und Coach Rafael Benitez. Foto: Adrian Dennis/AFP Vergrößern
Engagiert. Rosler (r.), hier in einem Spiel mit Brentford 2013 gegen Chelsea und Coach Rafael Benitez. © Adrian Dennis/AFP

Mit dieser Intensität legte Rösler bei vielen seiner Klubs einen furiosen Start auf der Trainerbank hin. Brentford führte er in seiner zweiten Saison beinahe in die Premier League, Wigan steuerte er aus der unteren Tabellenhälfte der zweiten Liga bis ins Halbfinale des FA Cup. Fleetwood erreichte unter Rösler die höchste Ligaplatzierung der Vereinsgeschichte.

In seiner zweiten oder dritten Saison kam er jedoch oft in Schwierigkeiten, und wurde entlassen. Bei Leeds United – einem neurotischen Verein, der damals in einer besonders neurotischen Phase steckte – musste er schon nach zwölf Spielen gehen.

Aber auch an den Standorten, an denen er am Ende scheiterte, fällt nie ein böses Wort über Rösler. Besonders in Manchester haben die Fans ihn – wie ihren deutschen Torwart Bert Trautmann vor knapp 50 Jahren – als „one of their own“ adoptiert, als einen von ihnen. Als Rösler 2003 gegen Lungenkrebs kämpfte, schallte die Pet-Shop-Boys-Melodie wieder von den Rängen in Ost-Manchester.

In England ist man sich sicher, dass sich die Fortuna-Fans – bei allem Wehmut über den Abgang von Friedhelm Funkel – in ihren neuen Trainer schnell verlieben werden. Schon am Samstag empfingen ihn sie ihn freundlich. Ein guter Start für diesen Deutschen, für den die Bundesliga so etwas wie Neuland ist.

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