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Endlich erfolgreich. Sheraldo Becker bejubelt sein 2:0 gegen Wolfsburg. Es war sein erstes Pflichtspieltor in dieser Saison für den 1. FC Union. Foto: Imago
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Unions Stürmer darf endlich wieder jubeln Ein Tor gegen den Frust für Sheraldo Becker

Sheraldo Becker kam beim 1. FC Union zuletzt kaum zum Zug, umso wichtiger war sein Treffer zum 2:0-Endstand gegen den VfL Wolfsburg.

Sheraldo Becker musste sich noch einmal kurz umschauen, bevor er seinem Jubel freien Lauf ließ. Doch als er sah, dass der Schiedsrichter seinen rechten Arm hob und auf die Uhr zeigte, rannte er wie wild los. Der Ball war hinter der Linie, das Spiel mit dem 2:0 für den 1. FC Union entschieden, und Becker hatte sein Tor. Der Nationalspieler aus Surinam lief zur Eckfahne und setzte sich nach einer eleganten Pirouette auf die Werbebande.

Ob er mit dem Jubel eine Botschaft senden wollte, war nicht klar. Jedenfalls musste Becker in den vergangenen Wochen oft sitzen bleiben, wenn er lieber auf dem Platz gestanden hätte. Als er gegen Wolfsburg in der 72. Minute eingewechselt wurde, nutzte er beherzt seine Chance. „Das ist genau die Antwort, die du als Trainer sehen willst. Er ist nicht richtig zufrieden mit seiner Situation, aber wenn er gefragt ist, wenn er auf den Platz kommt, ist er da. So wünscht sich das ein Trainer, dass das so läuft“, lobte ihn Urs Fischer nach dem Spiel.

Vor etwa einem Jahr durfte Becker mit seiner Situation sehr wohl zufrieden sein. In der Hinrunde der vergangenen Saison spielte er oft von Beginn an, vor allem rund um den Jahreswechsel leistete er neben Taiwo Awoniyi einen wesentlichen Beitrag zu Unions Erfolg.

Wie Awoniyi fiel er danach aber lange verletzt aus. Anders als der Nigerianer ist es ihm in dieser Saison schwer gefallen, seinen Platz zurückzuerobern. Vor einer Woche, kurz nach der Geburt seines Kindes, äußerte er deswegen öffentlich seinen Frust. Er forderte mehr Einsatzzeiten und sprach sogar davon, sich bereits mit seinem Berater ausgetauscht zu haben.

Becker hatte sich öffentlich über zu wenig Einsatzzeit beklagt

In der Öffentlichkeit zeigte sich sein Trainer unbeeindruckt von diesen Aussagen. „Damit kann ich gut umgehen. Hoffentlich will ein Spieler spielen. Keiner sitzt gerne auf der Bank“, sagte Fischer am Samstag. Doch Becker wird auch gewusst haben, dass er seinen Worten Taten folgen lassen muss.

Bei der Testspiel-Niederlage von Union gegen den FC St. Gallen in der Länderspielpause war ihm das nicht gelungen. In einer insgesamt sehr schwachen Mannschaft fiel auch Becker nicht sonderlich auf. Umso mehr wird er sich gefreut haben, dass er gegen Wolfsburg überzeugen konnte.

„Ich kann nur sagen, dass ich spielen möchte und ich bin froh, wieder getroffen zu haben“, sagte er nach seinem Tor. Seine Situation gebe ihm natürlich ein bisschen mehr Motivation als sonst, „aber das ist normal. Es geht nicht nur um dieses eine Spiel, sondern um das, was ich die ganze Woche lang mache. Ich trainiere hart, und ich weiß, dass meine Chance kommen wird.“

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Wann sie zum nächsten Mal kommen wird, ist eine andere Frage. Das Problem für den 26-Jährigen bleibt nicht unbedingt seine eigene Form, die alles andere als schlecht ist, sondern eher die nach wie vor starken Leistungen von Awoniyi und Max Kruse. Womöglich darf der gebürtige Niederländer Becker am Donnerstag starten, wenn seine Mannschaft ihr nächstes Conference-League-Spiel gegen Feyenoord in Rotterdam bestreitet. Schließlich hat Fischer auch beim letzten Europapokal-Spiel in den Angriffsreihen rotiert, und beim Sieg gegen Maccabi Haifa hat Becker neben Andreas Voglsammer und Kevin Behrens eine exzellente Leistung an den Tag gelegt.

Andererseits war diese Rotation zum Teil auch der Situation geschuldet, dass Fischer wegen fehlender Optionen in der Innenverteidigung auf eine Viererkette umstellen musste und der variabel einsetzbare Becker damit auf den Flügeln spielen konnte. Mit der Rückkehr von Paul Jaeckel und womöglich auch von Timo Baumgartl dürfte die Doppelspitze wieder eine Option sein und Becker wieder auf der Bank sitzen. Am Samstag wollte Fischer aber wie gewohnt nichts von seinen Plänen preisgeben: „Es wäre schön, wenn wir alle zufrieden stellen könnten“, sagte er nur.

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