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Die deutschen Beachvolleyballerinnen Karla Borger (r) und Julia Sude in ihrer Sportkleidung. Foto: dpa
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Überkommene Kleiderordnung im Beachsport Wenn Frauen knappe Höschen tragen müssen

Dass nur spärlich bekleidete Sportlerinnen Höchstleistungen bringen können, darf bezweifelt werden. Trotzdem bleibt die Trikotfrage brisant. Ein Kommentar.

Spötter glauben ohnehin, dass Beachhandball nur erfunden wurde, um noch mehr sportlichen Frauen in knappen Höschen ausführlich auf den Allerwertesten glotzen zu können. So richtig geeignet ist der Sport, in dessen Originalversion ein Ball geprellt wird, für eine Sand-Variante schließlich nicht. Ihnen dürfte es umso köstlicher vorkommen, dass nun gerade von dort aus Protest an eben jenen knappen Höschen laut wird.

Richtig ist das natürlich trotzdem. Und nicht nur das. Es ist auch folgerichtig, zeitgemäß, regelrecht überfällig. Schließlich ist so circa die halbe Welt in Aufruhr wegen überkommener Stereotype, die alles mögliche, aber natürlich auch die Geschlechter betreffen. Und zu denen gehört ja wohl, dass junge Frauen ihre nur dürftig verhüllten feschen vier Buchstaben zur allgemeinen Besichtigung, Ablichtung und ungefragten Weiterverbreitung in die Gegend strecken müssen.

Im Grunde ist so gesehen ja bis heute nicht nachvollziehbar, wie es je dazu kommen konnte, dass sich Beachvolleyball als offizieller und von ungezählten Kameras verfolgter Sport bei den Frauen seinen freizeitlich-unschuldigen Bikini-Dress erhalten konnte. Voyeure dieser Welt, erfreut ihr euch an Großaufnahmen aus der Schrittzone?

Man will schließlich nicht vergessen, dass Autozubehörverkäufer, die ihre Tuningware über eben diese Trigger (jung, knackig, halbnackt und von hinten) vermarkten, permanent Ärger mit feministischen Aufklärungskommandos haben.

Auch im Beachvolleyball wird bei Olympia die Debatte wieder hochkochen

Es waren jetzt übrigens die Beachhandballerinnen aus Norwegen, denen allzu kurze Hosen schon wetterbedingt suspekt sein dürften, die gegen die stoffextensive Kleiderordnung aufmuckten. Sie sind bei der gerade zu Ende gegangenen EM in Bulgarien in etwas längeren, aber immer noch engen Hosen aufmarschiert, was ihnen eine Geldstrafe von der Disziplinarkommission der Europäischen Handball-Föderation einbrachte (und wir wollen jetzt nicht wissen, wie viele Frauen an der Entscheidung beteiligt waren).

Immerhin ist so ein höchst begründungsbedürftiger Randsport mal in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt, wenn vermutlich auch nicht des sportlichen. Er könnte sein Plausibilitätsmanko ein für alle Mal beenden, wenn er zum Ausgangspunkt würde für eine neue Bewegung, die vor allem Sportlerinnen aus dem Möglichst-viel-nackte-Haut-Diktat der Funktionärsebenen befreite und ihnen die freie Kleiderwahl überließe, und sei es nur, solange sie sich damit keine Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz anziehen.

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Dass nur möglichst unbekleidete Extremitäten Höchstleistungen zu bringen im Stande sind, ist jedenfalls kaum haltbar. Das widerlegt seit Jahren zumindest recht eindrucksvoll ausgerechnet der Traditionssport Fußball, dessen Turnierhosen von Jahr zu Jahr länger nach unten schlabbern, während die Socken immer höher zu wachsen scheinen.

Wahrlich, wer heute Fotos von Beckenbauer und Co. in ihren Siegerjahren sieht, dem steigt bisweilen die Schamesröte ins Gesicht. Die spielten ja nahezu in Hotpants. Wieso hat dagegen keiner opponiert?

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