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Tom Daley (links) und Matty Lee bei der Siegerehrung in Tokio. Foto: Fred Lee/Getty Images
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Turmspringer Tom Daley nach Gold in Tokio „Unglaublich stolz, ein schwuler Mann und Olympiasieger zu sein“

Der britische Turmspringer Tom Daley gewinnt mit Matty Lee Gold in Tokio – und spricht sich in einer bewegenden Pressekonferenz für LGBTI-Akzeptanz aus.

Es ist ein Moment, der wohl noch lange in Erinnerung bleiben wird. Der britische Wasserspringer Tom Daley ist der erste offen schwule Mann, der sich bei den diesjährigen Olympischen Spielen eine Goldmedaille gesichert hat - und sich danach in einem bewegenden Statement für die Akzeptanz von queeren Menschen aussprach.

Gemeinsam mit seinem Sprung-Partner Matty Lee zeigte er am Montag eine beeindruckende Performance und landete verdient auf dem ersten Platz. Seine emotionale Reaktion war trotz der schwarzen Schutzmaske gut zu erkennen. Nachdem Matty Lee ihm die Goldmedaille umgehängt und er den Blumenstrauß erhalten hatte, kamen ihm noch auf dem Siegerpodest die Tränen.

Tränen während der Siegerehrung bei Tom Daley

Während die Flaggen der Siegesnationen hochgezogen wurden und die Nationalhymne ertönte, wirkte der 27-jährige Turmspringer zutiefst ergriffen. Eine Träne rollte über seine Wange, als sein Partner und er sich umarmten.

Im Anschluss an seinen beeindruckenden Auftritt nutzte Daley die Plattform und verkündete: „Ich bin unglaublich stolz, sagen zu können, dass ich ein schwuler Mann und gleichzeitig Olympiasieger bin. Als ich jünger war, dachte ich nicht, dass ich jemals etwas erreichen würde aufgrund dessen, wer ich war. Jetzt ein Olympiasieger zu sein, zeigt, dass man alles erreichen kann.“

Dieses Statement hat angesichts der Tatsache, dass neben ihm auf dem Siegerpodest Athleten aus Russland und China saßen, eine besonders große Bedeutung. In beiden Ländern ist die gleichgeschlechtliche Ehe verboten, queere Personen erleben Diskriminierung.

Daleys Coming-Out-Video hat inzwischen 13 Millionen Aufrufe

Bereits in der Vergangenheit nutzte Daley seine Reichweite, um auf queere Themen aufmerksam zu machen. Sein Coming-Out-Video von 2013 hat mittlerweile fast 13 Millionen Klicks. In Tokio wurde er von Anfang an als Topfavorit gehandelt, nachdem er in London und Rio jeweils Bronze geholt hatte. Am Montag gewann er zum ersten Mal in seiner Karriere die Goldmedaille bei Olympia.

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Daley ist verheiratet mit dem Drehbuchautor Dustin Lance Black (Oscar für den Film „Milk“), die beiden haben ein gemeinsames Kind. Damit dürfte der Wasserspringer der erste offen schwule Vater sein, der bei den Olympischen Spielen antritt.

Wie der britische Guardian berichtete, sagte er im Anschluss an seinen Sieg gegenüber einem chinesischen Journalisten, der sich nach seinem Sohn erkundigte: „Es war die erstaunlichste, lebensverändernde Reise für mich und ich kann es nicht abwarten, zurückzukehren und meinen Mann und meinen Sohn zu sehen, sie zu umarmen und  diese unglaubliche Reise mit ihnen feiern zu können.“

Nach vier Versuchen fühle es sich „extrem besonders“ an, endlich Olympiasieger zu sein. Vor fünf Jahren in Rio, als er die Goldmedaille verpasste, sei er sehr enttäuscht gewesen, erzählte Daley, aber sein Ehemann habe ihn aufgebaut. Er hätte ihm gesagt, dass seine Geschichte hier nicht ende und dass ihr gemeinsames Kind ihn dabei sehen werde, wie er Olympiasieger werde.

Seine Ehemann baute ihn nach Rio 2016 wieder auf

Mit seiner Prognose sollte Dustin Lance Black Recht behalten. Und auch für Daleys Partner Matty Lee, der zum ersten Mal an Olympia teilnahm, ist die Goldmedaille ein riesiger Erfolg. Im Anschluss an die Siegerehrung betonte Daley, dass es in diesem Jahr bei Olympia mehr geoutete Athlet*innen denn je gebe.

Er selbst habe sich früher, als er jünger war, oft „alleine und anders“ gefühlt. „Ich hatte etwas an mir, das nie so gut werden würde wie die Gesellschaft es von mir verlangte.“ Und er fügte hinzu: „Ich hoffe, dass jede junge LGBT Person da draußen sehen kann: Egal wie allein du dich gerade fühlst, du bist nicht alleine. Du kannst alles erreichen.“

Daley kündigte an, nun erstmal eine Pause machen zu wollen, die er höchstwahrscheinlich mit seiner Familie verbringen wird. Danach wolle er aber auf jeden Fall weitermachen.

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