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Kaum da, schon getestet. Die deutsche Mannschaft bei ihrer Ankunft in Kairo. Foto: dpa
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Update Tschechien und USA sagen wegen Corona ab Die Handball-WM ist ein Großereignis mit Tücken

Carolin Paul

Am Mittwoch beginnt die Handball-WM in Ägypten – ein Prestigeprojekt von Weltverbandschef Hassan Moustafa. Doch schon im Vorfeld gibt es Irritationen.

Die Handball-WM hat noch gar nicht begonnen und schon wachsen die Zweifel an der Durchführbarkeit. 32 Mannschaften spielen von Mittwoch an um den Titel – so viele wie noch nie. Doch ob das in Zeiten des Coronavirus so eine gute Idee ist, weiß vor dem Turnier niemand.

Doch ob das in Zeiten des Coronavirus so eine gute Idee ist, weiß vor dem Turnier niemand. Am Dienstag erklärte erst die tschechische Mannschaft aufgrund zahlreicher Coronafälle ihren WM-Verzicht, wenig später folgten die US-Amerikaner. Nordmazedonien und die Schweiz rücken dafür nach. Und auch der deutsche Vorrundengegner Kap Verde soll mit sieben Infektionen betroffen sein und sich derzeit im portugiesischen Trainingslager in Isolation befinden.

Die US-Auswahl hielt sich zur WM-Vorbereitung seit dem 4. Januar in Dänemark auf. „Wir glauben, dass einer von denen, die aus den USA gekommen sind, die Infektion mit sich gebracht hat. Aber wir wissen es nicht“, sagte US-Trainer Robert Hedin und flüchtete sich in Galgenhumor: „Wir schicken am Mittwoch zwölf Spieler nach Ägypten. Immerhin haben wir einen Torwart.“

Normalerweise ist Ägypten ein beliebtes Reiseziel, das mit seinen Attraktionen jedes Jahr etliche Touristen an den Nil lockt. Nicht in diesem Jahr. Von der Corona-Pandemie ist der Staat in Nordostafrika nicht verschont geblieben. Offiziell wird täglich von 1000 Neuinfektionen berichtet, allerdings wird von einer wesentlich höheren Dunkelziffer ausgegangen. Auf der einen Seite ist von überfüllten Krankenhäusern die Rede, auf der anderen gibt es Bilder voller Straßen, auf denen von Masken und Abstand kaum etwas zu erkennen ist.

Trotz dieser prekären Situation wird in Kairo, Gizeh und Alexandria die Handball-WM ausgetragen – das große Projekt des Präsidenten der Internationalen Handballföderation Hassan Moustafa. Für den umstrittenen Funktionär soll das Event in seinem Heimatland der Höhepunkt seiner seit 21 Jahren anhaltenden Regentschaft werden.

Die deutschen Spieler wurden direkt nach der Landung auf dem Rollfeld auf Corona getestet

Auf die Einhaltung des Hygienekonzeptes soll streng geachtet werden, um das Risiko zu minimieren. Die konzipierte Blase, durch welche die Akteure hermetisch von der Außenwelt abgeschirmt werden sollen, wurde wiederholt überarbeitet, zuletzt wurden die eigentlich eingeplanten Zuschauer aus den Hallen verbannt.

Und doch bleibt ein unkalkulierbares Risiko, wie die Fälle bei den Tschechen oder im US–Team zeigen. „Es war unsere Befürchtung, dass gerade nach der ersten Zusammenkunft die Infektionen nicht gleich nachweisbar sind. Deswegen haben wir unsere Mannschaft isoliert, bevor wir uns zum Vorbereitungslehrgang getroffen haben“, sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer am Dienstag nach der Landung der deutschen Mannschaft in Kairo, die noch auf dem Rollfeld auf Corona getestet wurde.

Jedem einzelnen im Team sei bewusst, dass es ein Turnier unter ganz besonderen Umständen werde. Der hoteleigene Pool wird gemieden, Autogrammstunden und Sightseeing-Trips sind abgesagt und selbst für den Plausch mit Vertretern anderer Nationen sieht es schlecht aus. Dennoch merkt man den Spielern in jedem Gespräch an, wie groß die Vorfreude auf die Spiele ist. Nicht nur, dass es für viele der jungen Sportler das erste große Turnier ihrer Karriere ist, sie wissen auch um ihre prädestinierte Stellung, durch die sie ihren Beruf überhaupt ausüben können.

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Gleichermaßen ist es für niemanden ein Geheimnis, dass der Handball – wie viele andere Sportarten – schwere Monate hinter sich hat und es elementar ist, neue Fans zu werben. Und wer könnte das besser als eine gut aufspielende Nationalmannschaft? Durch die erhöhte Aufmerksamkeit erhofft sich der Verband einen Zulauf für die Vereine, so wie es nach dem gewonnenen EM-Titel 2016 geschah, als zahlreiche begeisterte Kinder ihren Weg in die Halle suchten.

Die deutsche Nationalmannschaft will auch deshalb vor allem die Begeisterung für den Sport transportieren, Medaillen treten in den Hintergrund. In der aktuellen Situation ist ohnehin schwer auszumachen, wer bei dem Turnier favorisiert werden kann. Natürlich sind da die üblichen Verdächtigen wie Frankreich, Kroatien, Spanien, Dänemark und Norwegen. Doch die gerade ausgetragene EM-Qualifikation hat gezeigt: die Großen sind nicht unverwundbar. Die Franzosen beispielsweise konnten gegen Serbien in zwei Spielen nur einen Punkt mitnehmen und stehen somit nach dem Vorrundenaus bei der letzten EM vor dem nächsten Dämpfer.

Diese Herausforderung hat das deutsche Team immerhin gemeistert und sollte durchaus bis ins Viertelfinale vordringen können. Dass die Mannschaft von Alfred Gislason auf dem Weg dahin vom Gastgeberland praktisch nichts mitbekommen wird, ist die logische Folge. Man will schließlich die Gesundheit der Spieler nicht unnötig gefährden. (mit dpa)

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