Zecke war erklärter Liebling der Ostkurve

Der Mentor. Andreas Neuendorf ist bei Hertha BSC von der U 17 zur U 23 gewechselt. Foto: imago images / Matthias Koch
Trainer der U 23 von Hertha BSC Andreas Neuendorf ist nicht "der kleine Kasper von früher"

Fathi ist jetzt sein zweiter Co-Trainer bei der U 23. Dazu ist ihm Karsten Leyke, der schon unter Covic in dieser Position gearbeitet hat, als Assistent erhalten geblieben. Als Neuendorf die korrekte Ausführung eines Eckballs erklärt, stehen sie Schulter an Schulter und schauen zu. „Es gibt Menschen, die andere Sachen besser können als ich“, sagt Neuendorf. „Ich wäre dumm, wenn ich das nicht nutzen würde. Deshalb bin ich ein Teamplayer.“

Es ist der Tag, an dem an der Poelchau-Schule auf dem Olympiagelände die Zeugnisse ausgeteilt werden. Einige Spieler kommen mit ihren Eltern, andere alleine. In einiger Entfernung geht Ransford Königsdörffer am Trainingsplatz vorbei, der unter Neuendorf in der U 17 gespielt hat. „Ransford, hast du es geschafft?“, ruft Neuendorf. Königsdörffer hebt den Daumen. „Du gehst nach Dresden, oder?“, fragt Neuendorf. Ja, tut er. Nach einer längeren Verletzungspause will Königsdörffer bei Dynamo einen neuen Anlauf nehmen. „Alles Gute, Dicker! Ich ruf’ Cristian Fiel an, den Trainer der ersten Mannschaft. Ich sag, er soll auf dich aufpassen.“

Neuendorf hat selbst noch für die U23 gespielt

Neuendorf wird von Ante Covic nicht nur den Job bei der U 23 übernehmen, sondern auch den des Karrierecoaches, der die besten Jugendspieler Herthas auf ihrem Weg zu den Profis fördern und begleiten soll. „Wir haben großartige Talente, von denen man den einen oder anderen schon früher an den Männerbereich heranführen könnte“, sagt er. „Das ist das, was wir uns fürs nächste Jahr vorgenommen haben.“

Am Ende seiner Karriere hat Neuendorf selbst für Herthas U 23 gespielt, das letzte halbe Jahr – mit 39 – sogar unter Ante Covic. Er fungierte damals schon als eine Art Mentor für die jungen Talente. Das soll er auch künftig wieder sein – nur eben nicht mehr auf dem Platz, sondern daneben. „Eigentlich sind wir Trainer nichts anderes als Diener der Spieler“, sagt Neuendorf. „Wir dienen ihnen dazu, sich weiterzuentwickeln.“

Der Neuendorf, der 2010 in Herthas U 23 zurückkehrte, war ein ganz anderer als der, der Hertha 2007 verlassen musste, weil er keinen neuen Vertrag mehr bekam. Dazwischen liegt die Zeit beim FC Ingolstadt, der ihn mit der Aussicht in die damals noch drittklassige Regionalliga gelockt hatte, um ihn eine Mannschaft zu bauen: Möchtest du nicht mal Führungsspieler sein? Derjenige, an dem sich die anderen ausrichten? „Da fing es an, dass ich anders gedacht habe, dass ich auch anders mit meinem Körper umgegangen bin“, sagt Neuendorf. „Ich war auch davor kein schlechter Mensch, aber ich bin erwachsener geworden. Und es hat Spaß gemacht zu funktionieren. Das heißt ja nicht, dass man nicht mehr lustig sein kann. Aber eben auf eine andere Art und Weise.“

Auf den Spuren von Pal Dardai und Ante Covic

Die Beförderung Neuendorfs zum U-23-Trainer hat Manager Preetz bei der Mitgliederversammlung verkündet – einfacher kann man Herthas Anhang kaum zum Jubeln bringen. Zecke war immer erklärter Liebling der Kurve. Aber natürlich hat es auch Leute gegeben, die, nun ja, irritiert auf die Nachricht reagiert haben, dass Neuendorf künftig am kritischen Übergang zwischen Nachwuchs und Profis arbeiten soll. „Die Hälfte sagt wahrscheinlich: Was, Zecke? Um Himmels willen!“, sagt Neuendorf. „Das sind die, die nicht mitbekommen haben, dass ich nicht mehr der kleine Kasper von früher bin, sondern gute, ehrliche Arbeit mache. Und das mit großer Freude.“

Pal Dardai kam aus Herthas Nachwuchs – und wurde Cheftrainer. Ante Covic kam aus Herthas Nachwuchs – und wurde Cheftrainer. Andreas Neuendorf kommt aus Herthas Nachwuchs – und ist jetzt auf den ersten Blick nur noch einen Schritt vom Cheftrainerposten entfernt. „Mich haben auch schon Leute darauf angehauen“, erzählt er. Aber für ihn stehe das eigene Fortkommen nicht im Vordergrund. „Ich bin jetzt für die Jungs da. Meine Aufgabe ist es, sie so schnell wie möglich nach oben zu bringen – nicht mich.“

Alle, die etwas anderes glauben, „die kann ich beruhigen“, sagt Neuendorf. Für den Cheftrainerposten fehlt ihm schlicht und einfach die Fußballlehrerlizenz. Für den nächsten Lehrgang ist er nicht angemeldet, er könnte also frühestens in einem Jahr damit beginnen. Das würde er auch gerne machen, aber nicht, um möglichst schnell im Profifußball zu landen, sondern weil er wissbegierig ist und lernen will. Die Schule hat Andreas Neuendorf mit der Mittleren Reife verlassen, einen Beruf hat er nie gelernt. „Mit 46 könnte ich dann meinen ersten Berufsabschluss haben.“

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