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Ein Hoch auf Berlin. Benjamin Patch entschied sich fürs Gefühl. Foto: König/Imago
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„Totale Unterstützung durch Verein und Stadt“ Benjamin Patch verlängert bei den BR Volleys

Benjamin Patch bleibt drei weitere Jahre in Berlin. Die BR Volleys und die Stadt hätten ihm dabei geholfen, er selbst zu sein, sagt der queere Sportler.

Vor drei Jahren zog Benjamin Patch nach Berlin. Damals ging es ihm noch nicht so gut wie heute. „Wenn ich daran denke, wie ich damals war, dann war ich nicht so glücklich und erfüllt, wie ich es heute bin“, sagt er. Die BR Volleys und die Stadt Berlin hätten ihm dabei geholfen, er selbst zu sein. Er ist überzeugt, besser zu spielen, seitdem er offen damit umgeht, dass er queer ist. Im Tagesspiegel sprach er erstmals über seine Queerness.

Das sieht Volleys-Manager Kaweh Niroomand ähnlich. Als Patch vom italienischen Verein Vibo Valentina nach Berlin wechselte, da sei er „fast am Boden“ gewesen; hier in Berlin könne er nun er selbst sein. Das käme auch Patchs Leistungen zugute. „Mittlerweile ist er eine tragende Säule des Vereins.“

Weil Patch zu den Topscorern des Teams gehört, wurde nun sein Vertrag bei den Volleys verlängert. Wie der Tagesspiegel erfuhr, hat der Deutsche Meister den Vertrag um drei Jahre bis 2024 verlängert. Über die Entscheidung musste der 26-Jahre alte Volleyballer nicht lange nachdenken. „Es war mehr ein Gefühl“, sagt er.

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Patch hatte die Wahl, in eine Volleyballnation wie Polen oder Russland zu ziehen, wo er sich auf den Sport konzentrieren könnte, aber keine Community um sich herum hätte, oder in Berlin zu bleiben. „Da habe ich mich gefragt, was eigentlich für mich persönlich das Wichtigste im Leben ist“, erzählt Patch, „und das ist die Community.“ Dass er sich bei dem Gedanken daran, in Berlin zu bleiben, so wohl fühlt, liegt nämlich maßgeblich an zwei Faktoren: „der totalen Ermutigung und der Unterstützung durch den Verein und die Stadt“. Es sei äußerst selten, dass man als Sportler nicht nur für einen der besten Klubs Europas spiele, sondern zugleich so viel soziale Unterstützung erhalte.

Ein weiterer Grund dafür, dass der US-Amerikaner in Berlin bleiben möchte, sind seine Teamkollegen, die er als die „aufrichtigsten und liebsten Menschen“ beschreibt, die er jemals im Sport getroffen hat. „Sie sind sehr loyal und unterstützen nicht nur mich, sondern sich auch gegenseitig.“

„Es sollte im Sport selbstverständlich sein, sich outen zu können“

Kaweh Niroomand freut die Vertragsverlängerung besonders. „Das ist ein deutlicher Hinweis, dass es ihm in Berlin gefällt, er zu unserem Projekt steht und das mit weitertragen möchte. Mit ihm haben wir einen internationalen Topspieler.“ Niroomand findet es wichtig, Patch zu unterstützen und dazu beizutragen, Tabus wie Queerness im Leistungssport zu brechen. „Im 21. Jahrhundert sollte es im Sport selbstverständlich sein, sich outen zu können.“

Für den Verein könnte Patch in den kommenden Jahren immer wichtiger werden. Der Manager hat einiges mit dem Berliner Spitzenteam vor. Nicht nur in Hinblick auf die Nachwuchsförderung, die Erhöhung der Zuschauerzahlen und die Titelverteidigung. „Das alles haben wir gut erreicht.“ Solange die anderen deutschen Teams und die Bundesliga allerdings nicht wachsen, würden die Berliner an ihre Grenzen stoßen.

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Aus diesem Grund wollen die Volleys sich in den kommenden Jahren primär auf ihr soziales Engagement konzentrieren. „Wer stark ist, der sollte die Möglichkeiten, die er hat, in den Dienst derer stellen, die das nicht können“, sagt Niroomand, „das ist unsere Philosophie von Gerechtigkeit.“ In dieses Selbstverständnis passt Benjamin Patch, der sich in der Vergangenheit immer wieder für soziale Gerechtigkeit eingesetzt und gegen Rassismus stark gemacht hat. Erst kürzlich schickte er Niroomand Fotos von Vasen, die er in seiner Töpferwerkstatt selbst hergestellt hatte, und schlug vor, diese an Sponsoren zu verkaufen, um den Erlös an soziale Projekte wie die Tafel zu spenden. „Er selbst hat für solche Themen eine echte Sensibilität“, sagt Niroomand.

Natürlich könnte er theoretisch mit dem Leistungssport aufhören, sagt Patch, und sich zum Beispiel auf seine Kunstprojekte konzentrieren. Viel lieber möchte er aber beides miteinander kombinieren: „Nur hier in Berlin kann ich mit dem Sport, den ich über alles liebe, weitermachen und zugleich versuchen, eine bessere Zukunft für andere Menschen aufzubauen.“

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