Schön synchron: Das Team Berlin 1 ist die erfolgreichste Kombo im deutschen Synchron-Eiskunstlauf. Foto: promo
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Synchron-Eiskunstlauf will olympisch werden Berliner Herzblut für Hebungen

Jana Rudolf

Beim Synchron-Eiskunstlauf sind Präzision und Ausdruck gefragt. Ein Team aus Berlin wirbt jetzt bei der WM für sich und die Sportart – das Ziel ist Olympia.

Die Kufen der 16 Schlittschuhpaare gleiten fast lautlos über die Eisfläche, als die Sportler in einer exakten Linie über das Eis laufen. Dann ändern sie ihre Formatierung, bilden vier Grüppchen und bereiten eine Hebung vor: Mit anmutiger Leichtigkeit werden vier der Läuferinnen über den Köpfen der anderen in den Spagat gehoben, die ganze Mannschaft ist im Einklang, jede Bewegung verläuft vollkommen synchron. Es ist Freitagabend und das letzte Training in der heimischen Halle, bevor es Samstagmorgen für das Team Berlin 1 nach Finnland geht. Am 12. und 13. April (hier im Livestream) findet dort die 19. Weltmeisterschaft im Synchron-Eiskunstlauf statt – der höchste Wettkampf in dieser Kategorie, denn eine olympische Disziplin gibt es dafür noch nicht.

Gert Hofmann, Trainer des Berliner Teams, sieht den Grund dafür im Regelwerk: „Momentan wird das noch jährlich angepasst, und wir Trainer müssen uns ständig neu darauf einstellen.“ Dieser Entwicklungsprozess müsse zunächst einmal endgültig abgeschlossen werden. „Erst dann hat der Sport meiner Meinung nach die Möglichkeit, in das olympische Programm aufgenommen zu werden.“ Das Anliegen, die Sportart bereits in die olympischen Winterspiele 2018 zu integrieren, war 2015 abgelehnt worden. Für die anstehenden Olympischen Spiele in Tokio gibt es aber schon wieder einen neuen Antrag - mit ungewissem Ausgang.

Ursprünglich aus Nordamerika stammend wurde Synchron-Eiskunstlauf 1957 erstmals öffentlich in den USA präsentiert. Doch was genau ist das überhaupt? „Ganz kurz gesagt: Es ist wie das olympische Synchronschwimmen, nur eben auf dem Eis statt im Wasser“, sagt Hofmann. Die insgesamt 16 Läufer bewegen sich dabei mit einstudierten Choreographien zur Musik und zeigen anhand von Schwierigkeiten ihr Können. „Wir haben viele verschiedene Elemente wie Kreise, Blöcke, Mühlen, Durchkreuzen und Hebungen in unser Programm aufgenommen – also im Prinzip alles, was das Eislaufen so hergibt.“

Auf Meisterschaften zählen dabei vor allem Synchronität, Präzision, Technik, Interpretation der Musik sowie die Ausdrucksstärke der Läufer. Für das Wochenende hofft der Trainer Hofmann auf einen neunten Platz seiner Mannschaft. Das dürfte schwer genug werden, aber die Chancen dafür sind da. Eine solche Platzierung würde bedeuten, dass die Mannschaft einen zweiten Startplatz für Deutschland sichert: „Dann könnten unsere Kollegen aus Chemnitz oder Stuttgart 2020 ebenfalls an der Weltmeisterschaft teilnehmen.“

Auf Meisterschaften ist der Wettkampf zweigeteilt in Kurzprogramm und Kür. Während im Kurzprogramm fünf vorgeschriebene Pflichtelemente gezeigt werden müssen, sind die Teams in der Kür freier in der Gestaltung und Umsetzung ihres Programms. Auf der WM in Helsinki sieht der Zeitplan die Aufführung des Kurzprogramms für Freitag und die der Kür für Samstag vor. Die Mannschaften treten jeweils an zwei Tagen mit zwei völlig verschiedenen Choreographien gegeneinander an.

16 Stunden Training pro Woche

Das Team Berlin 1 wurde 1994 ins Leben gerufen und hat sich seitdem als erfolgreichste deutsche Synchron-Eiskunstlaufmannschaft durchgesetzt. Fünf Mal wöchentlich für insgesamt 16 Stunden wird trainiert, um dieses Niveau zu halten. Die Übungseinheiten beinhalten Elemente aus Ballett-, Ausdauer- und Krafttraining, um die Läufer auf die Choreographie auf dem Eis vorzubereiten. Die Sportart erfordert hartes Training, sie verlangt den Läufern viel ab.

„Es ist nicht immer einfach, Training und Studium zu vereinbaren“, sagt Vanessa Henke-Hahn. Die 21-Jährige ist Kapitänin des Berliner Teams und läuft, seitdem sie drei Jahre alt ist. „Aber dadurch, dass einem der Sport so extrem viel bedeutet und ein so wichtiger Teil vom Leben geworden ist, ist man auch gern dazu bereit, viel Herzblut zu investieren“, sagt sie. Und natürlich hätte sie nichts dagegen, würde sie dieses Herzblut irgendwann einmal nach Olympia führen.

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