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Träumt immer noch von der NHL. Manuel Wiederer glaubt, dass er sein Potenzial im Saisonverlauf ausspielen wird. Foto: Imago Foto: imago images/Revierfoto
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Stürmer der Eisbären Berlin Manuel Wiederer ist der etwas andere Arbeiter

Manuel Wiederer spielt eher unauffällig bei den Eisbären – was ihn nicht minder wichtig macht.

Um die Bedeutung von Manuel Wiederer für die Eisbären zu beschreiben, macht es wenig Sinn, die üblichen statistischen Kennzahlen als Referenz zu nehmen. Nach 23 Saisonspielen, die er allesamt bestritten hat, weist die Statistik für den 25 Jahre alten Deggendorfer drei Vorlagen auf; ein Tor für die Eisbären hat er bislang nicht erzielt. Auch bei der durchschnittlichen Eiszeit pro Partie (10:48 Minuten) und der Zahl der Wechsel (15) wird Wiederer von den meisten Teamkollegen übertrumpft.

Aus dem Berliner Cheftrainer Serge Aubin sprudelt es allerdings nur so heraus, wenn es darum geht, den Wert Wiederers für die Mannschaft zu umschreiben. „Er spielt sehr intelligent und macht sehr viele Kleinigkeiten richtig. In der Unterzahl spielt er eine sehr wichtige Rolle und ich bin überzeugt davon, dass auch die offensiven Erfolge bald kommen werden.“

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Das Heimspiel gegen die Düsseldorfer EG am Donnerstagabend (19.30 Uhr) wäre ein guter Anlass. Bis auf Marco Baßler, dessen Comeback möglich erscheint, werden die Eisbären auch weiterhin auf jede Menge Offensivkraft durch die Ausfälle von Blaine Byron, Zach Boychuk und Kevin Clark verzichten müssen. „Wir müssen das als Mannschaft lösen und lernen, 2:1- oder 3:2-Spiele zu gewinnen“, sagt Aubin, „dafür brauchen wir mehr Disziplin.“ Und genau dafür steht Wiederer.

Dass der Stürmer, der mal als Center und mal als Flügelspieler zum Einsatz kommt, bislang kein Spiel dieser Saison verpasst hat, ist bereits ein Erfolg. Wiederer wurde beim NHL-Draft 2016 von den San Jose Sharks in der fünften Runde ausgewählt. Aber der Sprung in die beste Liga der Welt blieb ihm vielleicht auch deshalb verwehrt, weil er über Jahre hinweg nie schmerz- und beschwerdefrei Eishockey spielen konnte.

„Ich bin ein bisschen für die Drecksarbeit zuständig“

„Wenn man eine Verletzung hatte, ist man nicht sofort wieder bei 100 Prozent. Dann versucht der Rest des Körpers das auszugleichen und man denkt, das wird schon wieder, wenn man da wieder drin ist“, sagt er. Doch das war ein Irrglaube. Nach 143 Spielen in der kanadischen Juniorenliga und 130 Auftritten für San Jose Barracuda in der American Hockey League (AHL), dem Farmteam des NHL-Klubs, kehrte er vergangene Saison aus Nordamerika in seine bayerische Heimat zurück mit der Hoffnung, Körper und Geist in vertrauter Umgebung wieder in Einklang zu bringen. Doch auch in Deutschlands dritter Liga fiel es ihm schwer, den Spaß am Spiel wiederzufinden. Das gute Gefühl kam erst im Laufe des Sommers wieder und verstärkte sich mit dem Angebot aus Berlin.

„Letztes Jahr hat er nicht viel gespielt und du hast am Anfang gemerkt, dass er wieder das Gefühl des Spiels bekommen muss“, sagt Aubin, „aber er ist viel kräftiger geworden und hat viel Arbeit investiert, um sich in die richtige Form zu bringen. Er gehört zu den Spielern, die in der zweiten Hälfte der Saison eine tragende Rolle einnehmen können.“

Nicht als klassischer Torjäger und brillanter Künstler an der Scheibe. „Ich bin ein bisschen für die Drecksarbeit zuständig“, sagt Wiederer durchaus stolz. Diese Fähigkeiten schätzt auch Bundestrainer Toni Söderholm, der Wiederer für einen der besten Unterzahlspieler in der Liga hält. Es ist durchaus denkbar, dass der Eisbären-Profi, der Anfang November beim Deutschland-Cup überzeugte, auch für den Olympiakader im kommenden Jahr nominiert wird. Es wäre eine gute Gelegenheit, sich noch mal für die NHL zu bewerben. „Dieses Ziel ist immer noch da.“

Wiederers spezielle Rolle, die auf den ersten Blick manchmal etwas verkannt wird, sieht der Spieler gar als Vorteil. „Ich habe gewusst, dass der Weg als Offensivspieler oder Powerplay-Spieler in die NHL schwierig, wenn nicht unmöglich wird. Ich glaube, die Chance besteht über die Unterzahl, über das Schüsse blocken und die kleinen Dinge richtig machen.“ Genau diese Fähigkeiten brauchen auch die Eisbären, um in dieser Saison erneut ein Titelkandidat zu sein.

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