Emotionsbolzen. Silvio Heinevetter freut sich über einen gehaltenen Ball. Foto: Lisa Ducret/dpa
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Streit bei den Füchsen Heinevetter wirft Hanning eine Lüge vor

Wenn die Füchse Berlin auf Kiel treffen, steht Silvio Heinevetter im Fokus. Der Torhüter und Manager Bob Hanning tragen öffentlich einen Streit aus.

Es könnte alles so schön sein im Universum der Füchse Berlin. Am Donnerstag empfängt der Handball-Bundesligist den THW Kiel (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle und live bei Sky), die Arena in Prenzlauer Berg ist längst ausverkauft – und weil die Nachfrage für das Duell gegen den deutschen Rekordmeister erfahrungsgemäß groß ist, wurde noch einmal nachgerüstet. Dank einer Zusatztribüne passen 1000 Menschen mehr in die Halle als sonst, also insgesamt 10 000.

Die Sache ist nur: Vor dem Aufeinandertreffen mit den Kielern sind sportliche Belange beinahe zur Nebensächlichkeit verkommen. Seitdem die Berliner vor einer Woche bekannt gaben, dass Nationaltorhüter Silvio Heinevetter im Sommer 2020 zum Bundesliga-Konkurrenten MT Melsungen wechselt, haben sie bundesweit so viele Schlagzeilen produziert wie sonst in einer ganzen Saison nicht.

Was zunächst nach einer prominenten, aber eben doch simplen Personalie klang, entwickelte sich in den Tagen darauf zu einem handfesten Streit zwischen Heinevetter, dessen prominenter Lebensgefährtin, der Schauspielerin Simone Thomalla, und Manager Bob Hanning. Die Geschehnisse kulminierten darin, dass Heinevetter und Thomalla den Füchse-Chef öffentlich der Lüge bezichtigten – und dass sich Hanning verbale Konter seinerseits nicht verkneifen konnte. Was ist da nur los?

Am Dienstagvormittag erscheint Heinevetter in der Trainingshalle, die nächste Einheit beginnt in wenigen Minuten. „Ach, kommt schon, Leute“, sagt er zur Begrüßung, „ich habe doch letzte Woche alles zu meinem Wechsel gesagt. Was soll es Neues geben?“ Dann erkundigt sich der Torhüter über den Stand in der Causa Pal Dardai. Kurz zuvor hat Hertha BSC die Trennung von seinem Trainer im Sommer 2019 bekannt gegeben, aber bis nach Hohenschönhausen ist die Nachricht längst durchgedrungen. „Stimmt das?“, fragt Heinevetter.

Es gibt zwei Erzählungen über seinen Abgang

Die Parallelen zwischen Heinevetter und Dardai sind nicht zu leugnen, wenngleich der eine Handballer ist und der andere (ehemaliger) Fußballer. Zwischen der Bekanntmachung von Heinevetters Wechsel und Dardais Demission lagen ganze acht Tage. Beide stehen nicht nur auf beziehungsweise neben dem Feld für ihre Vereine, sie repräsentieren diese auch nach außen. Sie sind – oder besser: sie waren – die Gesichter überhaupt in ihren Klubs. Und deshalb wird Heinevetter an diesem Vormittag auch nur bedingt zum Spiel gegen Kiel befragt, sondern zu seinem nun feststehenden Abschied nach dann elf Jahren im Torhüterpullover der Füchse.

„Ich wäre wirklich gern in Berlin geblieben, aber es ist halt anders gekommen“, sagt Heinevetter. Auf die Gründe dafür will er nicht im Detail eingehen, aber nach allem, was zuletzt zu hören und zu lesen war, gibt es ganz offensichtlich zwei Varianten über die Geschehnisse. Der Torhüter stellt die Sachlage so dar, dass er sich über Wochen um ein Gespräch über seine Weiterbeschäftigung mit Manager Hanning bemüht habe. Dieser habe klar gemacht, dass es kein unterschriftsreifes Angebot der Füchse geben werde und im Nachhinein öffentlich das Gegenteil behauptet.

Sieht die Situation anders als der Torwart. Bob Hanning ist Geschäftsführer der Füchse. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Sieht die Situation anders als der Torwart. Bob Hanning ist Geschäftsführer der Füchse. © Kitty Kleist-Heinrich

Hannings Version hört sich da anders an. Der Manager führt vor allem sportliche Gründe ins Feld. „Es ist ja nicht so, dass Silvio die letzten anderthalb Jahre Weltklasse gehalten hat“, sagt er. Trotzdem sei eine Weiterbeschäftigung sehr wohl möglich gewesen, allerdings zu modifizierten Bezügen, sprich: für weniger Geld.

Im Moment ist noch nicht klar, ob sich die Füchse nach einer schwachen Bundesliga-Saison erneut für den Europapokal qualifizieren können – ein Umstand, von dem nicht nur die sportliche Planung abhängt, sondern auch die wirtschaftliche. Überdies hätte sich Heinevetter wohl mit der Rolle des zweiten Torhüters anfreunden müssen, einer Rolle also, die er seit seinem Wechsel zu den Füchsen im Grunde nie kannte.

Hanning betont, dass die Suche nach einem Nachfolger bereits läuft. 50 Torhüter seien ihm in den vergangenen Tagen angeboten worden, „darunter wirkliche internationale Klasse“, wie der Manager sagt. Womöglich trennen sich die Wege der Füchse und Heinevetters doch schon in diesem Sommer und nicht erst 2020. Ausgeschlossen scheint dieses Szenario jedenfalls nicht mehr.

So oder so erwartet Heinevetter im ersten Heimspiel seit der Bekanntgabe seines Wechsels keine böswilligen Reaktionen vom Berliner Publikum. „Ich glaube nicht, dass die Stimmung negativ sein wird“, sagt der Keeper, „wir wollen gewinnen – dafür brauchen wir die Fans.“ Und wenn sich in den vergangenen Jahren ein Füchse-Spieler als emotionaler Anheizer hervorgetan hat, dann war es fast immer: Silvio Heinevetter.

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