Favoriten. Gerwyn Price (l.) und Michael van Gerwen dürften den Titel bei der Darts-WM unter sich ausmachen. Foto: Imago/PA Images
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Start der Darts-WM in London Muskelprotz Gerwyn Price fordert Dominator Michael van Gerwen

Bei der am Freitag beginnenden Darts-WM in London läuft alles auf ein Duell zweier Favoriten hinaus. Die drei deutschen Teilnehmer sind nur Außenseiter.

Michael van Gerwen ist gewarnt. Der seit Jahren beste Dartspieler der Welt geht zwar mal wieder als Favorit in die am Freitag im Londoner Alexandra Palace beginnende Weltmeisterschaft (ab 20 Uhr/Dazn und Sport1). Doch einen so harten Widersacher hatte er lange nicht mehr. Anders als der Weltranglistenzweite Rob Cross, der sich vor zwei Jahren überraschend den Titel holte, hat Gerwyn Price ihm in den vergangenen Wochen gezeigt, dass er voll auf Augenhöhe ist.

„Ich denke, Gerwyn tut dem Darts-Sport gut“, sagt van Gerwen. „Er ist ein aufregender Spieler und hat es zuletzt sehr gut gemacht. Er verdient allen Respekt und es wird eine großartige Rivalität zwischen uns.“

Gerwyn Price ist ehemaliger Rugby-Spieler

Price ist ehemaliger Rugby-Spieler – ein Mann, den man getrost als Muskelprotz bezeichnen kann. Er ist die Nummer drei Welt. Jeder der WM-Favoriten gewann eines der beiden letzten Turniere vor dem Start. Der Grand Slam of Darts ging an Price, überhaupt das erste Mal bei einem großen Turnier gewann er gegen van Gerwen. Bei den Players Championship verlor er im Finale knapp gegen den Dominator.

Und Price, der sich seiner guten Form bewusst ist, schießt bewusst ein paar Giftpfeile Richtung van Gerwen. „Ich persönlich glaube nicht, dass MvG dieses Jahr wieder gewinnen wird“, sagt Price vor dem Turnier. „Klar ist er der beste Spieler, weil er einfach die meiste Konstanz besitzt. Aber ich glaube, es wird einen neuen Weltmeister in diesem Jahr geben.“

Was beide Spieler eint, ist ihre extrovertierte Art. Hier der Waliser Price, Spitzname „The Iceman“, der nach jeder gelungenen Aufnahme herausbrüllt, was er von dieser hält. Da van Gerwen, Spitzname „Mighty Mike“, der die Faust ballt wie kein anderer. Dass die beiden sich gut verstehen, ist daher kein Zufall.

Ungleiches Duell. Der Deutsche Max Hopp ist keine Konkurrenz für Michael van Gerwen. Foto: John Walton/dpa Vergrößern
Ungleiches Duell. Der Deutsche Max Hopp ist keine Konkurrenz für Michael van Gerwen. © John Walton/dpa

Aufeinandertreffen können sie erst im Finale, so will es die Setzliste. Van Gerwen ist die Nummer eins, Price die Nummer drei. Cross, der Weltmeister von 2018, ist zwar die Nummer zwei – aber er ist deutlich weniger gut in Form. Allerdings trifft das auf alle Spieler neben van Gerwen und Price zu. Die Doppel-Weltmeister Gary Anderson und Adrian Lewis oder auch Altmeister Raymond van Barneveld – alle sind sie dabei. Eine realistische Chance haben sie aber kaum.

Für van Barneveld wird das Turnier dennoch besonders. Für ihn ist es die letzte Weltmeisterschaft. „Diese WM ein letztes Mal zu gewinnen, ist das einzige, was ich will“, sagte „Barney“, der allerdings nur Außenseiterchancen hat. Er startet am Samstag.

Während van Gerwen gleich zum Auftakt gefordert ist, und bei einem zu erwartenden Sieg eine Woche Pause hat, beginnt die WM für Price erst am kommenden Donnerstag. Zuvor, am Mittwoch, sind bereits die ersten beiden deutschen Spieler gefordert. Gabriel Clemens und Qualifikant Nico Kurz spielen allerdings noch in der ersten Runde, der beste deutsche Spieler Max Hopp greift am Freitag danach ein.

Zur Erklärung: In der ersten Runde sind ab dem 13. Dezember zunächst die besten 32 Spieler einer speziellen Rangliste gesetzt, die nicht zu den besten 32 Spielern der Weltrangliste gehören. Diese Spieler, einer davon ist der Deutsche Clemens, treffen in Runde eins auf 32 internationale Qualifikanten. In der zweiten Runde treffen die Sieger dieser 32 Duelle auf die besten 32 Spieler der Weltrangliste. Einer davon ist Hopp, derzeit 24. der Weltrangliste. So gut platziert war Hopp für die WM noch nie.

Max Hopp hat auf einmal deutsche Konkurrenz

Hopp und Clemens sind die beiden Deutschen, die zumindest eine realistische Chance hätten, weit zu kommen. Blöd nur, dass es schon sehr früh zu einem Duell der beiden kommen könnte. Vorausgesetzt, Clemens gewinnt seine Erstrundenpartie gegen den niederländischen Qualifikanten Benito van de Pas.

Hopp, der in den vergangenen Jahren stets als einzige deutsche Hoffnung zur WM nach London reiste, bekam in diesem Jahr überraschend nationale Konkurrenz von Clemens. Der hatte bei den German Darts Masters in Köln im Juli fast für eine Sensation gesorgt und war erst im Finale gescheitert. Auch bei den letzten Turnieren vor der WM sorgte Clemens mit zwei Achtelfinal-Teilnahmen für Aufsehen. Hopps Jahr verlief hingegen durchwachsen.

Ein großer Erfolg wäre für einen der beiden schon der erste WM-Achtelfinaleinzug eines Deutschen überhaupt. Hopp erklärte, es sei alles möglich. Bei seiner bereits siebten WM-Teilnahme sei er „routinierter und nicht mehr so aufgeregt wie vor den ersten Malen“. (mit dpa)

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