Vor Gittern. Die Spielpause im Berliner Amateurfußball wird noch länger andauern. Foto: Imago
© Imago

Spielpause bis August, neue Saison ab November Wie der BFV den Amateurfußball der nächsten Monate plant

Ein möglicher Saisonabbruch im Amateurfußball ist dem Berliner Fußballverband juristisch zu heikel. Deshalb dürfte die Saison im August fortgesetzt werden.

Seit Anfang April ruht der Spielbetrieb im deutschen Amateurfußball aufgrund der Coronavirus-Krise offiziell. Schon kurz nach dieser Entscheidung teilte der Berliner Fußballverband (BFV) mit, dass er es mindestens 14 Tage vorher ankündigen würde, sollte der Spielbetrieb bald wieder fortgeführt werden. Mittlerweile ist längst klar: Auf diese Ankündigung werden die Vereine noch lange warten.

BFV-Geschäftsführer Kevin Langner geht nicht davon aus, dass bis zum 30. Juni ein Ball in Punktspielen auf Berliner Sportplätzen rollen wird. Wie es danach weitergehen soll, dafür gibt es zwei Szenarien – wobei der BFV eines klar favorisiert: eine Spielpause bis zum 14. August. Demnach würde die Saison Ende September enden. Die Saison 2020/21 soll dann Anfang November starten.

Saisonabbruch birgt dem BFV zu viele juristische Risiken

Eine Saisonfortsetzung im Herbst 2020 wäre juristisch möglich, dahingehend hat sich der BFV bereits abgesichert. Doch: „Wir wissen nicht, ob wir im Herbst eine zweite Welle haben, die dieses Szenario verhindert“, sagt Langner. Deshalb gibt es noch ein anderes Szenario: das des Saisonabbruchs.

Der Grund, weshalb der BFV kein gesteigertes Interesse daran hat, liegt auf der Hand: Ein Saisonabbruch birgt zu viele juristische Risiken. Das geht auch aus einem Rechtsgutachten der Münchner Sportrechtler Martin Stopper und Gregor Lentze hervor, das die Landesverbände gemeinsam mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) beauftragt haben. Dieses rät den Verbänden von einem Saisonabbruch ab.

Langner erklärt es an einem konkreten Beispiel: „Wenn ein Trainer eine Aufstiegsprämie in seinem Vertrag hat und es aufgrund des Saisonabbruchs keine Aufsteiger gibt, könnte dieser Trainer gegen den Verband vorgehen.“ Und Fälle wie diese will der Verband vermeiden. Über einen möglichen Saisonabbruch kann ohnehin nur ein außerordentlicher Verbandstag entscheiden. Dabei wäre das Einfrieren der Tabelle mithilfe einer Quotientenregelung durchaus denkbar, unwahrscheinlicher wäre eine komplette Annullierung.

Die Wahrscheinlichkeit, dass zwischen Juli und August, also während der Sommerferien gespielt wird, sei sehr gering, sagt Langner. Allein schon deshalb, da die Jugendordnung geändert werden müsste, damit in diesem Zeitraum Jugendfußball stattfinden dürfte.

„Wir müssen die Vereine mitnehmen“, sagt Langner. Deshalb wird es am kommenden Wochenende von Freitag bis Sonntag mehrere Videokonferenzen geben, auf denen der BFV in Dialog mit den Vereinen tritt. Nach diesen Konferenzen wird es Ende April eine endgültige Entscheidung geben, wie es mit der Saison weitergehen soll. Die ersten Reaktionen auf die mögliche Spielpause seien positiv gewesen, erklärt Langner.

[Mehr guten Sport aus lokaler Sicht finden Sie – wie auch Politik und Kultur – in unseren Leute-Newslettern aus den zwölf Berliner Bezirken. Hier kostenlos zu bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Zuvor wird der BFV allerdings mit den Vertretern der anderen Landesverbände tagen, um eine einheitliche Linie zu finden. Am Montag und dann erneut am Mittwoch. Dazwischen wird am Dienstag Innensenator Andreas Geisel ein Konzept vorstellen, wie es in den kommenden Wochen und Monaten mit Berliner Amateursport weitergehen soll.

Denn, dass zumindest der Trainingsbetrieb noch im Mai wieder aufgenommen werden kann, ist nicht ausgeschlossen. Zwar soll zunächst der Individual- und dann der Mannschaftssport die Sportanlagen wieder nutzen dürfen. Unter Sicherheitsauflagen ist aber auch an Fußballtraining schon bald wieder zu denken – mit den geeigneten Trainingsformen, die den nötigen Abstand gewährleisten.

Betreten verboten. Noch sind die Sportanlagen in Berlin nicht geöffnet – das könnte sich im Mai ändern. Foto: Imago Vergrößern
Betreten verboten. Noch sind die Sportanlagen in Berlin nicht geöffnet – das könnte sich im Mai ändern. © Imago

Andere Landesverbände waren bereits vor dem Berliner Fußballverband vorgeprescht. Der Bayrische Fußballverband hatte sich beispielsweise am Freitag für eine Fortführung der Saison am 1. September starkgemacht. Kompliziert werden die Verhandlungen der Landesverbände nicht nur wegen der noch unterschiedlichen Vorstellungen.

Was die Auf- und Abstiegsregelungen angeht, sind die Landesverbände von den Regionalverbänden und die wiederum vom DFB abhängig. Ohne den Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV) kann der BFV beispielsweise nichts entscheiden. Deshalb ist der Weg zu einer noch über Monate andauernden Spielpause im Amateurfußball geebnet – auch wenn er sehr lang ist.

Zur Startseite