Weit, weiter, Hofmann. Er ist derzeit der beste deutsche Speerwerfer. Foto: picture alliance/dpa
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Speerwerfer Andreas Hofmann „Hammer, fett, bombe, krass!“

Die deutschen Speerwerfer sind seit Jahren stark. Bei den Finals ist Andreas Hofmann der Favorit.

Im Sport haben sich im Zuge der zunehmenden Selbstvermarktung signature moves eingeschlichen, auf Deutsch: bestimmte sich wiederholende Gesten. Das kann auch eine bestimmte Form des Jubels sein. Der Wiedererkennungswert des Sportlers soll dadurch erhöht werden. So kocht der Bayern-Spieler Serge Gnabry nach einem Torerfolg am liebsten pantomimisch sein Süppchen. Und der Sprinter Usain Bolt streckte nach erfolgreichem Zieleinlauf seinen linken Arm aus, winkelte den rechten an und zielte mit beiden Zeigefingern nach vorne, um eigentlich was anzuzeigen? Es war im Grunde wurscht. Aber es war eben der Bolt-Jubel. Und so gibt es inzwischen auch den Andreas-Hofmann-Jubel, und der ist verbal: „Hammer, fett, bombe, krass!“

Das Zitat eines Songs von Sido featuring Helge Schneider wird der 28-Jährige liebend gern auch am Sonntagabend gegen 18 Uhr in die Mikrofone schreien wollen. Dann wird das Speerwurf-Finale der Männer um die Deutsche Meisterschaft vorbei sein. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die Zuschauer im Berliner Olympiastadion das zu hören bekommen, ist groß.

Hofmann ist derzeit Deutschlands bester Speerwerfer. Das will fürwahr etwas heißen. In keiner anderen Sportart der Leichtathletik sind die Deutschen in den vergangenen Jahren besser. Der aktuelle Olympiasieger (Thomas Röhler), der aktuelle Weltmeister (Johannes Vetter), der aktuelle Europameister (Röhler) und der aktuelle EM-Zweite namens Andreas Hofmann sind allesamt Mitglieder des Deutschen Leichtathletikverbandes. Dabei stand Letzterer lange im Schatten von Röhler und Vetter.

Hofmann hatte dieses unverschämte Pech, in eine Generation mit den Ausnahmewerfern Röhler und Vetter zu fallen. Ein Ausnahmewerfer ist auch er. Nur war Hofmann eben häufig eine Winzigkeit schlechter als die beiden anderen. Doch seit vergangenem Jahr ist das vorbei. Hofmann, der größte und kräftigste von den dreien, hat sie in den vergangenen Monaten vermehrt übertroffen. So zum Beispiel bei den Deutschen Meisterschaften oder dem Sieg in der Diamond League.

Auch im aktuellen Jahr läuft es bestens bei Hofmann. „Ich kam sehr gut über den Winter. Da war kein Zwicken, kein Zwacken“, sagt Hofmann. Mit einer Weite von 89,65 Metern liegt er in der Weltjahresbestenliste hinter dem Esten Magnus Kirt (90,61 Meter) auf Rang zwei. National ist er derzeit aber der mit Abstand stabilste deutsche Werfer. Schon rein äußerlich ist er eine imposante Figur.

Hofmanns Stärke ist seine Explosivität

Müsste man den perfekten männlichen Athletenkörper entwerfen, vielleicht nach den Maßstäben der griechisch-antiken Ästhetik, dann käme Hofmann dem ziemlich nahe. Wer Hofmann in diesen Wochen und Monaten mal mit freiem Oberkörper erblickt hat, der sieht einen zwei Meter großen mit Muskeln übersäten Mann.

Hofmann war schon immer der Schnellkräftigste unter den drei großen deutschen Speerwerfern. „Seine Explosivwerte sind gigantisch“, hatte Speerwurf-Bundestrainer Boris Obergföll bereits vor dem WM 2017 in London gesagt. Vetter gewann, Röhler wurde Vierter und Hofmann war enttäuscht nach seinem achten Platz.

Aber das ist zwei Jahre her und in diesen zwei Jahren hat sich außerordentlich viel verändert. Im Übrigen haben sich weitere Konkurrenten hervorgetan. Bernhard Seifert und Julian Weber sind ebenfalls in der Lage, am Sonntag Deutscher Meister zu werden. Der deutsche Speerwurf, so viel steht außer Frage, ist derzeit hammer, fett, bombe und ganz sicher auch krass.

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