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Familienangelegenheit. Belén Vosseberg, 21, und ihr Freund und Trainer Marko Stamm, 30, wollen in Düsseldorf deutsche Wasserballgeschichte schreiben. Foto: Mike Wolff
© Mike Wolff

Spandauer Wasserball-Trainer Marko Stamm „Ich bin schon auf dem Zahnfleisch gekrochen“

Marko Stamm über die Pokal-Endrunde im Wasserball, seine persönliche Doppelbelastung und Spandaus Traum von zwei Titeln.

Guten Tag Marko Stamm, freuen Sie sich schon auf Düsseldorf?

Natürlich! Aber nicht nur ich, sondern die gesamte Spandauer Wasserball-Familie. Am Freitag treffen wir uns früh am Morgen am Hauptbahnhof, 45 Männer und Frauen, alle in Vereinskleidung. Mein Papa…

… der Klub-Präsident Hagen Stamm…

… bricht dafür extra seinen Urlaub an der Ostsee ab.

Die Fahrt nach Düsseldorf ist keine Vergnügungsreise, sondern der erste sportliche Höhepunkt der langsam auslaufenden Saison. Die Wasserfreunde Spandau 04 haben es mit den Frauen und Männern in die deutsche Pokal-Endrunde geschafft.

Das ist schon ein großartiger Erfolg. Weniger für uns Männer, da wird das ja seit Jahrzehnten als selbstverständlich hingenommen. Aber für die Frauen ist das in ihrer ersten Saison überhaupt schon sehr bemerkenswert. Die arbeiten im Training mit einer Konzentration und Hingabe, wie das in Deutschland einmalig sein dürfte. Wir haben die letzten zehn Spiele in Serie gewonnen – so konstant wären wir mit den Männern auch gern.

Für Sie persönlich dürften das anstrengende Tage in Düsseldorf werden. Erst spielen Sie als Kapitän der Männer am Freitag um 17.15 Uhr im Halbfinale gegen den ASC Duisburg, Danach stehen Sie um 19.45 Uhr als Trainer am Beckenrand, wenn die Spandauer Frauen gegen Nikar Heidelberg antreten.

Ja, das ist eine sportliche Herausforderung. Das geht schon im Zug los, ich denke mal, dass wir da schon die erste taktische Besprechung abhalten. In Düsseldorf werde ich dann nach unserem Spiel aus dem Wasser steigen, meinen Bademantel anziehen und kurz durchpusten. Danach gilt alle Aufmerksamkeit den Frauen. Gut, dass mich die Familie unterstützt.

Ihre Freundin Belén Vosseberg ist Kapitänin der Mannschaft, sozusagen Ihr verlängerter Wurfarm im Wasser.

Die Kapitänin hat noch leichte Rückenschmerzen, aber sie ist natürlich voll motiviert für die Endrunde. Dazu kommt auch noch mein Schwager mit nach Düsseldorf und unterstützt mich am Beckenrand.

Marc Politze, der frühere Kapitän der Nationalmannschaft?

Na klar. Der spielt immer noch bei den Alten Herren, da kann er sich ruhig ein bisschen nützlich machen. Das klappt ganz hervorragend und wir werden das in Zukunft noch weiter ausbauen. In der bisherigen Form wird die Doppelbelastung bei den Männern und Frauen für mich doch ein bisschen viel. In diesem Jahr bin ich schon das eine oder andere Mal auf dem Zahnfleisch gekrochen.

Werden Sie den Trainerjob auch in der kommenden Saison machen?

Ganz ehrlich: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Aber es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben. Was glauben Sie, was ich mir zu Hause anhören müsste, wenn ich beim Abendbrot so nebenbei sage: Sucht euch fürs nächste Jahr mal einen anderen! Geld gibt es dafür sowieso nicht, wir sind froh, dass wir den Spielbetrieb aufrechterhalten können. Und, verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Es macht ja auch wahnsinnig viel Spaß!

Pokalsieger mit den Männern und den Frauen – hat das schon mal einer geschafft?

Als Spieler und Trainer bei derselben Veranstaltung? Ich lege mich mal fest und behaupte: Das gab es noch nie. Aber so weit ist es ja noch lange nicht. Ich gehe davon aus, dass wir das mit den Männern im Halbfinale gegen  den ASC Duisburg schaffen sollten, aber dann würde im Endspiel am Samstag wohl Waspo Hannover warten…

… der Spandauer Lieblingsfeind, der Ihnen in der vergangenen Saison Meisterschaft und Pokal weggeschnappt hat.

Oh ja, das wird ein erster Fingerzeig, wie weit wir vor den Play-offs in der Meisterschaft sind. Und bei den Frauen haben wir es im Halbfinale mit einer sehr unangenehmen Mannschaft zu tun. Nikar Heidelberg ist immerhin der amtierende Deutsche Meister und ist eine der wenigen Mannschaften, die uns in dieser Saison geschlagen hat. Egal, am Samstagabend wird auf jeden Fall gefeiert!

So siegessicher kann nur ein Spandauer sprechen.

Meinen Sie? Nein, nein, im konkreten Fall hat das einen anderen Hintergrund. Der Deutsche Schwimm-Verband veranstaltet nach der Pokal-Endrunde eine Wasserball-Gala. Sozusagen ein Familientreffen im ganz großen Kreis.

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