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Wieder da. Ondrej Duda hofft auf einen Neuanfang bei Hertha. Foto: Andreas Gora/dpa
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Slowakischer Nationalspieler wieder bei Hertha BSC Alles auf Anfang bei Ondrej Duda

England-Rückkehrer Ondrej Duda kämpft bei Hertha BSC um seine alte Rolle als Spielmacher. Doch für einen Stammplatz dürfte es eng werden.

Oben auf dem Podium streckte Ondrej Duda sich mal kurz, wie es Kinder nach dem Aufstehen gern tun. Tatsächlich kam der 25-jährige Fußballprofi von Hertha BSC vom gemeinsamen Mannschaftsmittagessen, dafür gab er sich vergleichsweise aufgeräumt und angriffslustig – im positiven Sinne. Beide Eigenschaften wird er in den kommenden Trainingswochen auch brauchen, will er eine Chance auf eine Rolle haben, die er schon einmal für den Berliner Bundesligisten gespielt hat. Das Problem daran ist, dass das inzwischen ein Weilchen her ist, und in Bruno Labbadia ein anderer Trainer das Sagen hat.

Sei gut einer Woche ist der slowakische Nationalspieler zurück in Berlin und versucht hier wieder zur alten Form zu finden. „Das vergangene Jahr war kein einfaches, aber nun bin ich bereit und will wieder angreifen“, sagte Duda am Mittwoch in einer kleinen Medienrunde. Rückendeckung von oben hat er.

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„Wir planen zu 100 Prozent mit Ondrej. Wie sehr er einer Mannschaft, die eine funktionierende Achse hat, helfen kann, hat er gezeigt“, hatte unlängst Michael Preetz gesagt. Herthas Geschäftsführer Sport dürfte weniger an die abgelaufene als vielmehr an die vorangegangene Saison gedacht haben, als Duda mit elf Toren und sechs Vorlagen Herthas bester Scorer war und das Offensivspiel wesentlich mitprägte. Auch deshalb verlängerte Hertha den Vertrag mit Duda vorzeitig bis 2023.

Doch von der einstigen Gala-Form war unter Pal Dardais Nachfolger Ante Covic nichts mehr zu sehen gewesen. Duda verlor in einem insgesamt verkorksten ersten Saisondrittel 2019/20 erst sein Selbstvertrauen und schließlich seinen Stammplatz. Unter Covic’ Nachfolger Jürgen Klinsmann verlor Duda dann auch den Spaß am Beruf. „Wenn dich jemand nicht will, ist es nicht möglich zu bleiben“, hatte Anfang des Jahres ein entnervter Duda gesagt. Auch deshalb sei er noch im Januar auf Leihbasis zu Norwich City gewechselt, damals Tabellenletzter der Premier League. Da Norwich in der Rückrunde den Abstieg nicht mehr verhindern konnte, kehrte Duda nun vereinbarungsgemäß nach Berlin zurück.

„Ich bin zufrieden wieder hier zu sein, in einer tollen Stadt bei einem tollen Verein“, sagte Duda. Norwich sei eine gute Erfahrung gewesen, er habe Spielzeit erhalten. Mehr aber auch nicht.

Labbadia sieht an Duda Facetten, die für Hertha gut sein könnten

In England konnte Duda nicht überzeugen, dennoch sagte Preetz, es seien keine „verlorenen Monate“ gewesen. „Ondrej hat Spielpraxis in einer starken Liga bekommen. Dass er sich nach dem Re-Start in England schwerer getan hat, stimmt. Trotzdem hat die Leihe ihren Sinn erfüllt.“ Was abzuwarten bleibt.

Bruno Labbadia hofft derweil darauf, dass Duda der Mannschaft mit seiner Antizipation, seiner Torgefährlichkeit und seiner Fähigkeit, das Spiel zu beschleunigen, helfen kann. Mehr als hoffen könne er nicht, „dafür ist es noch zu früh“, sagte der Berliner Trainer. „Ich muss erst ein Gefühl dafür bekommen, wo seine Stärken liegen, aber klar ist auch, dass er Facetten mitbringt, die unserem Spiel gut tun können.“

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Im Sommer vor vier Jahren war Duda für rund 4,5 Millionen Euro Ablöse von Legia Warschau zu Hertha gekommen. In seinen ersten beiden Spielzeiten konnte er – auch verletzungsbedingt – nicht überzeugen, erst in seinem dritten Jahr startete er in Berlin durch. Unter Labbadia fängt er wieder von vorn an.

Mit Labbadia hätte er sich bereits ausgetauscht, der Trainer habe ihm mitgeteilt, welche Art von Fußball er spielen lasse wolle. Und dieses Gespräch sei positiver verlaufen als die mit Klinsmann zu Beginn des Jahres. „Bei Klinsmann habe ich den Eindruck gehabt, ich kann tun, was ich will, ich habe eigentlich keine Chance“, sagte Duda. „Aber das ist heute nicht mehr wichtig, wichtig ist das Jetzt und was vor uns liegt.“

Allerdings ist die Ausgangslage in diesem Sommer für Duda nicht einfacher geworden ist. In dem wiedererstarkten Vladimir Darida, der eine überzeugende Saison abgeliefert hat, und Winter-Zugang Matheus Cunha hat er starke Konkurrenz im offensiven Mittelfeld. Der Weg zurück in die Stammelf ist schwer. Ondrej Duda wird eine Menge anbieten müssen, um seinen Platz zu finden. Wenn nicht noch mehr.

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