Schwere Entscheidung. Lindsey Vonn steht wohl vor ihrem Rücktritt. Foto: imago/GEPA pictures
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Ski alpin Rekord oder Rücktritt: Lindsey Vonn will bis Donnerstag entscheiden

Elisabeth Schlammerl

Lindsey Vonn fehlen noch vier Siege bis zum historischen Siegrekord. Nun aber könnte sie ihre Karriere beenden. Die Entscheidung fällt am Donnerstag.

Vieles war anders, als Lindsey Vonn die Koffer packte. Aber manches davon hatte allerdings schon vor dem vergangenen Wochenende in Cortina d’Ampezzo festgestanden. Dass dies ihr letzter Besuch im italienischen Dolomitenort als Skirennläuferin gewesen war zum Beispiel. Und auch, dass es ein tränenreicher Abschied werden würde, so oder so. Denn Emotionen zeigte die US-Amerikanerin schon immer gerne, was ihr in der Skiszene den Namen Drama-Queen einbrachte. Doch nach dem jüngsten von den drei Rennen auf der Olympia delle Tofane verzichtete Vonn darauf, wie sonst nach einem Weltcup-Wochenende üblich, über soziale Medien einen Einblick in ihre Gefühlswelt zu geben.

Fast täglich hielt sie ihre Fans auf dem Laufenden, und wenn es etwas Neues zu verkünden gab, tat sie dies auf Instagram, Facebook und Twitter. Dieses Mal lieferte sie mit ein gut einem Tag Verspätung ein Foto mit der derzeit verletzten Olympiasiegerin Sofia Goggia, die am Sonntag extra nach Cortina gekommen war, um Vonn zu verabschieden. „Schön, dass du warst. Es bedeutet die Welt für mich“, schrieb sie mit dem üblichen Vonn-Pathos – oder ließ es schreiben. Aber kein Wort darüber, was am Sonntag für mehr Aufmerksamkeit sorgte als der Sieg ihrer Landsfrau Mikaele Shiffrin.

Vonn denkt darüber nach, sofort aufzuhören

Sie hatte schluchzend vor der Kamera des österreichischen Fernsehens standen und über ein Karriereende nicht erst am Saisonende wie geplant nachgedacht, sondern sofort aufzuhören. „Ich weiß nicht, was ich noch machen soll. Die Schmerzen im Knie sind so groß“, sagte sie, „Ich muss überlegen, ob es nicht überhaupt das letzte Rennen war.“ Einen Tag später ließ sie über eine Sprecherin des US-amerikanischen Verbandes ausrichten, dass über den Rücktritt in den nächsten Tagen entscheiden wird, wohl noch vor dem ersten Training für die nächste Weltcup-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen. Der ist für Donnerstag geplant.

Lindsey Vonn hatte nach einer Knieverletzung erst in Cortina ihr Saisondebüt gegeben. Im November war sie im Training gestürzt, es folgten Operation und Reha, um überhaupt zurückzukommen in diesem Winter. Kurz davor hatte sie nämlich wissen lassen, dass es ihre letzte Saison sein würde. Der Körper, sagte sie in Cortina, spiele nicht mehr. „Es fehlt nicht an Motivation, Hingabe oder Willen. Es fehlt an Knorpel.“ Vier Operationen am rechten Knie hat sie bereits hinter sich, und im linken sei das Außenband kaputt, verriet sie am Sonntag noch. Doch der Ehrgeiz, den Rekord von Ingemark Stenmark mit 86 Weltcup-Siegen zu knacken, ist noch groß genug, ihren Körper noch bis März weiter zu schinden.

Noch vier Rennen bis zum historischen Rekord

Nur noch vier Rennen müsste sie dazu gewinnen. Wie in all den Jahren ihrer sehr erfolgreichen Karriere wirkt sie auch jetzt, am Ende, noch getrieben. Sie habe es sich leichter vorgestellt, wieder auf dem Podium zu landen, gab Vonn zu. In Cortina war sie in den beiden Abfahrten als Fünfzehnte und Neunte weit weg, im Super-G schied sie aus. Womöglich reifte in den Tagen von Cortina die Einsicht bei Vonn, dass es kaum mehr möglich ist, ihr letztes großes Ziel zu verwirklichen. Bis Saisonende bleiben nur noch insgesamt sechs Abfahrts- und Super-G-Rennen im Weltcup, nicht viel, um Stenmark einzuholen. Zwar hat Vonn angekündigt, Anfang Dezember in Lake Louise noch einmal an Start gehen zu wollen, allerdings nur aus Spaß, und ohne die Tortur einer Vorbereitung.

Für ihren Körper, besonders für ihre Knie, wäre es besser, sich auch die Tortur der letzten Rennen zu ersparen.

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