So nah dran. Die Unioner um Sebastian Polter und Co. können es nicht fassen. Foto: Ina Fassbender/AFP
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SC Paderborn steigt auf Dem 1. FC Union fehlt ein Tor zur Bundesliga

Die Berliner spielen nach 0:2-Rückstand noch 2:2 in Bochum. Weil Paderborn parallel verliert, hat Union den Aufstieg um nur ein Tor verpasst.

Die Fans des 1. FC Union gaben noch einmal alles. „Kämpfen und siegen!“, schallte es in der Nachspielzeit aus dem Berliner Fanblock. Und die Spieler gaben wirklich alles. Sie warfen alles nach vorne, schlugen die Bälle in den Strafraum und hofften auf dieses eine Tor. Ein Tor nur – und Union wäre direkt in die Bundesliga aufgestiegen. Doch es fiel nicht. Trotz einer grandiosen Aufholjagd in der Schlussphase mussten sich die Berliner am Sonntag vor 24 500 Zuschauern im Ruhrstadion mit einem 2:2 (0:1) zufriedengeben. Ein Traumtor von Grischa Prömel aus 25 Metern und ein Treffer von Joshua Mees waren zu wenig für Platz zwei und den direkten Aufstieg.

Rang drei ist zwar die beste Platzierung in Unions Zweitligahistorie, durch die 1:3-Niederlage des SC Paderborn in Dresden hat das Saisonfinale allerdings einen bitteren Beigeschmack. „Das tut richtig weh. Wir haben heute eine große Chance vergeben“, sagte Torwart Rafal Gikiewicz, der nach Abpfiff wie einige seiner Mitspieler enttäuscht auf dem Rasen zusammensackte. „Ich spüre jetzt eine große Leere“, sagte Trainer Urs Fischer. „Es ist schwierig, in solch einer Situation die richtigen Worte zu finden.“

Während Paderborn als Tabellenzweiter mit dem 1. FC Köln direkt aufsteigt, trifft Union in der Relegation auf den VfB Stuttgart. Schon am Donnerstag ist Union im Hinspiel beim Tabellen-16. der Bundesliga zu Gast. Vier Tage später findet das Rückspiel im Stadion An der Alten Försterei statt. Der Traum vom ersten Bundesliga-Aufstieg in der Vereinsgeschichte lebt, hat aber einen Dämpfer erhalten.

Die Berliner Fans hatten ihrem auswärtsschwachen Team eine heimspielähnliche Atmosphäre bereitet. Im Angesicht dieser historischen Chance strömten sie in Scharen nach Bochum. Mit einem Sonderzug und mehreren Bussen fuhr der Anhang gen Westen und auch in den regulären Bahnen dominierte die Farbe Rot.

Union Berlin mit einem Heimspiel in Bochum

Da der VfL Bochum das Gästekontingent im Vorfeld deutlich vergrößert hatte, waren insgesamt 5100 Berliner im Ruhrstadion, viele davon getreu dem Motto „Alles auf rot“ mit dementsprechenden Fischerhüten ausgestattet. Der Berliner Anhang besetzte auf einer Seite die gesamte Hintertortribüne und verwandelte diese in eine rote Wand. „Wir haben heute zu Hause gespielt“, sagte Gikiewicz.

Da die 5100 Tickets die Nachfrage für das Auswärtsspiel nicht mal ansatzweise deckten, hatte Union ein Public Viewing vor dem Stadion An der Alten Försterei organisiert. Auch dort fieberten tausende Fans mit ihrem Team mit. Pünktlich zum Anpfiff setzte in Bochum der Regen ein und unter den erschwerten Bedingungen auf rutschigem Untergrund machte der VfL anfangs den besseren Eindruck. Nicht einmal fünf Minuten waren gespielt, da lief Außenstürmer Milos Pantovic auf der rechten Seite plötzlich erstaunlich unbedrängt in den Strafraum, lupfte den Ball allerdings deutlich am Ziel vorbei.

Weitere klare Torchancen resultierten daraus aber erst mal nicht. Das galt jedoch auch für die Berliner und so spielten sich die wichtigsten Szenen mehrere hundert Kilometer südöstlich in Dresden ab. Nach zehn Minuten erhielten Unions Hoffnungen auf den direkten Aufstieg einen ersten Dämpfer – Philipp Klement hatte Paderborn 1:0 in Führung gebracht. Der Blick nach Dresden blieb auch in den Folgeminuten aufregender als das Spielgeschehen im Bochumer Schmuddelwetter. Bald kamen jedoch gute Nachrichten von der Konkurrenz. Baris Atik glich für Dynamo aus und in diesem Moment hätte Union ein Tor für Platz zwei gereicht.
Nach einer knappen halben Stunde fiel dann auch im Ruhrstadion der erste Treffer, jubeln durften aber nur die Hausherren. Union verteidigte auf der rechten Abwehrseite viel zu nachlässig und ließ Soares unbedrängt einen Pass in den Strafraum spielen. Dort rauschte Anthony Losilla heran, nahm den Ball mit einem Kontakt mit und schoss ihn flach in die linke Ecke, bevor Marvin Friedrich auch nur in den Zweikampf kommen konnte.

Die Berliner Fans mussten sich ebenso wie ihre Spieler kurz sammeln. Florian Hübner wusste sich gegen Lukas Hinterseer nur mit einem taktischen Foul zu helfen und sah seine zehnte Gelbe Karte. Im Relegationshinspiel ist er damit gesperrt. Langsam erwachte aber auch Unions Offensivabteilung zum Leben und hätte beinahe mit der ersten Chance den Ausgleich fabriziert. Felix Kroos eroberte den Ball mit einer resoluten Grätsche und flankte auf Andersson, dessen Flugkopfball aber etwas zu zentral geriet.

Ernüchtert. Trainer Urs Fischer war mit dem 1. FC Union nah dran am direkten Aufstieg. Foto: Bernd Thissen/dpa Vergrößern
Ernüchtert. Trainer Urs Fischer war mit dem 1. FC Union nah dran am direkten Aufstieg. © Bernd Thissen/dpa

Kurz vor der Halbzeit verfehlte sein Sturmpartner Sebastian Polter das Tor nach einer flachen Hereingabe von Ken Reichel knapp. So ging es mit einem 0:1-Rückstand in die Kabinen und die einzig gute Nachricht für die Berliner war, dass Atik Dresden mittlerweile mit 2:1 in Führung gebracht hatte.

Das Zwischenergebnis des Konkurrenten hätte durchaus als Motivation dienen können, verfehlte aber seine Wirkung. Drei Minuten nach Wiederbeginn leistete sich Grischa Prömel im eigenen Strafraum einen haarsträubenden Ballverlust gegen Lukas Hinterseer, den er nur noch mit einem Foul stoppen konnte. Silvere Ganvoula verwandelte den Elfmeter zum 2:0 und im Berliner Fanblock äußerte sich der Frust durch das Abbrennen von Pyrotechnik.

Fischer riskierte nun mehr und wechselte mit Joshua Mees, Akaki Gogia und Suleiman Abdullahi drei Offensivspieler ein. Das zahlte sich insbesondere nach dem Platzverweis für den Bochumer Ganvoula aus. Innerhalb weniger Minuten brachten Prömel mit einem kraftvollen Schuss in den Winkel und Mees nach einem Standard die Hoffnung zurück. Die Berliner drückten und waren ganz nah dran am Aufstieg, doch Abdullahi scheiterte in der sechsten Minute der Nachspielzeit an Torwart Manuel Riemann.

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