Wer kennt ihn noch nicht? Christopher Nkunku (rechts) kam aus Paris nach Leipzig. Foto: Robert Michael/dpa
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RB Leipzig in der Bundesliga-Vorschau Mit Philosophie und Ideen

Leipzigs neuer Trainer Julian Nagelsmann und der neue Sportdirektor Markus Krösche sollen viel Schwung zu RB bringen – auch ohne namhafte Verstärkungen.

Am Freitag startet die Fußball-Bundesliga in die neue Saison. In unserer Serie testen wir die Vereine. Heute Teil 16: RB Leipzig.

Was hat sich verbessert?
Es hat sich grundlegend etwas verändert und das ist womöglich auch besser so für Rasenballsport Leipzig. Ralf Rangnick, die Sportdirektor- und letztlich auch Trainerinstitution, ist nach sieben Jahren auf hohem Niveau gegangen und bekleidet nun in der Getränkefirma des Klubmäzens eine zumindest dem Namen nach spannende Funktion. Rangnick ist fortan „Head of Sport and Development Soccer“ bei der Red Bull GmbH. Sportdirektor und Trainer gibt es nicht mehr in einer Person, die beiden Neuen sind zusammengerechnet nur etwas älter als der 61 Jahre alte Rangnick: Markus Krösche (38) und Julian Nagelsmann (31) sollen neuen Schwung ins Erfolgsgefüge bringen, dem Klub vielleicht den jugendlichen lässigen Touch geben, den er unter dem in der Öffentlichkeit oft verkniffen wirkenden Rangnick nicht haben konnte.

Krösche und Nagelsmann sind zwei Senkrechtstarter in der Branche und insofern passen sie natürlich zum Riesenkonstrukt des Riesenunternehmens mit Riesenambitionen im Profifußball. Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sagte bei der Vorstellung des aus Hoffenheim gekommenen Nagelsmann: „Er verkörpert alles, was RB Leipzig auszeichnet.“ Also Strebsamkeit, Ideenreichtum und Erfolg. Nagelsmann sagt, er „liebe Klubs, bei denen eine Philosophie vorgegeben ist“ und nicht der Trainer die Philosophie vorgeben müsse. Trotzdem hat Nagelsmann natürlich seine Vorstellungen mitgebracht. Er will in Leipzig alle „vier Phasen“ des Fußballs „komplett bedienen“: also Ballbesitz, gegnerischer Ballbesitz sowie Umschaltspiel bei Ballgewinn oder Ballverlust.

Wer sind die Neuen?
Wer kennt die Neuen? Das wäre wohl die bessere Frage. Es wurde schon gespottet, dass sich RB Leipzig bei seinen Verpflichtungen auf dem Niveau der zaudernden Bayern bewegen würde. Aber es hat sich doch etwas getan, der neue Sportdirektor blieb der Leipziger Linie treu. Wieder wurden junge Spieler geholt, die womöglich eine gute Zukunft vor sich haben. Christopher Nkunku hat mit 21 Jahren schon 55 Einsätze für Paris St. Germain hinter sich, zudem bestritt der zentrale Mittelfeldspieler bereits zwei Spiele für Frankreichs U-20-Nationalteam. Mindestens genauso viel Talent bringt der offensiver ausgerichtete Hannes Wolf mit. Vom Bruderklub aus Salzburg gekommen, muss der 20-Jährige in Leipzig aber erst einmal einen Knöchelbruch auskurieren.

Dazu kommen noch zwei 18 Jahre alte Teenager, der brasilianische Linksverteidiger Luan Candido (Palmeiras Sao Paulo) und der Innenverteidiger Ethan Kwame Colm Raymond Ampadu (FC Chelsea). Der Waliser hat immerhin schon zwei Länderspiele auf dem Konto. Zudem sind neu: Philipp Tschauner (33, zuletzt Ingolstadt), der als dritter Torwart geholt wurde und in zwei Jahren Torwarttrainer werden soll, dazu kommt noch Rückkehrer Ademola Lookman (der englische Stürmer war ein Jahr beim FC Everton). Für einen Spitzenverein klingt das alles nicht unbedingt nach furchterregender Verstärkung – aber schließlich ist bis jetzt in Leipzig auch kein Stammspieler der Vorsaison gegangen.

Wer hat das Sagen?
Sieben Jahre lang war das einfach zu beantworten. Ralf Rangnick genoss das Vertrauen des Mäzens und Machers im Hintergrund, sein Verhältnis zu Dietrich Mateschitz galt als ausgesprochen gut. Rangnick hatte den Klub von der Regionalliga nach oben geführt, zuletzt allerdings schien er dann doch sportlich an – zugegeben hohe – Grenzen zu stoßen. Der Mann für das strategische Geschäft ist in Leipzig Oliver Mintzlaff, die Macht des Vorstandsvorsitzenden dürfte nun, nach Rangnicks Abgang nicht uneingeschränkt groß sein, denn im Hintergrund gibt es ja immer noch den Mateschitz. Leipzig ist eben ein Klub mit starkem Mann im Hintergrund. Aber da fügen sich die Sachsen inzwischen gut ein ins Bundesliga-Geschäft, in einigen Traditionsvereinen sieht es ja kaum anders aus.

Mal gucken: Julian Nagelsmann trainiert seit diesem Sommer RB Leipzig. Foto: RObert Michael/dpa Vergrößern
Mal gucken: Julian Nagelsmann trainiert seit diesem Sommer RB Leipzig. © RObert Michael/dpa

Was erwarten die Fans?
Die erste Euphorie nach dem Aufstieg ist in Leipzig wohl verpufft, vergangene Saison kamen 3000 Zuschauer weniger (38 000 im Durchschnitt) als noch im ersten Bundesligajahr. Erfolg ist eine Selbstverständlichkeit in Leipzig, schneller und attraktiver Fußball ebenso. Bislang mault in Leipzig zwar noch niemand über den einen fehlenden Titel, dafür maulen immer noch Menschen in Leipzig über RB Leipzig an sich. Aber das sind sie gewohnt im Klub, es ist ja auch ein Markenzeichen.

Was ist in dieser Saison möglich?
Das Durchschnittsalter der Mannschaft liegt bei 22,6 Jahren, der neue Trainer hat einen Titel versprochen – innerhalb der kommenden vier Jahre. Denn so lange läuft der Vertrag von Julian Nagelsmann erst einmal. Nachdem die Leipziger vergangene Saison einem Titel zunächst sehr nah, im Pokalfinale gegen die Bayern dann doch sehr weit entfernt waren, dürfte es in dieser Saison nicht einfacher werden. Zumal die Teilnahme an der Champions League zusätzlich Kraft kosten wird. Aber Platz drei hinter den Bayern und Dortmund sollte wieder drin sein. Nebenbei wolle RB wieder ins Pokalfinale und zudem in der Champions League die Vorrunde überstehen, sagt Krösche: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen, das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Ziele erreichen.“

Und sonst?
RB Leipzig wird weiter wachsen. Der Stadionausbau ist angelaufen, bis 2023 soll alles fertig sein. Auch für das Trainings- und Nachwuchszentrum am Cottaweg gibt es Expansionspläne. Der Klub hat sich so schnell auf hohem Niveau in der Bundesliga etabliert, wie vielleicht seinerzeit in den Sechzigern einst die Bayern. Aber das ist natürlich ein schräger Vergleich. Was die Leipziger außerhalb Leipzigs zuverlässig als Markenzeichen mit sich herumtragen, ist ihre Unbeliebtheit bei vielen Fußballfans, die die Retorte als Werteverfall sehen. Aber immerhin hat RB ein Markenzeichen.

Bisher erschienen: 1. FC Union Berlin, Hertha BSC, SC Paderborn, 1. FC Köln, FC Augsburg, Schalke 04, SC Freiburg, 1. FSV Mainz 05, Fortuna Düsseldorf, TSG Hoffenheim, Eintracht Frankfurt, VfL Wolfsburg, Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen und Bayer Leverkusen.

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