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Kalifonier in Berlin. Eisbären-Stürmer Austin Ortega. Foto: Imago/Nordphoto
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Rassismus-Eklat beim Eishockey US-Reporter beleidigt Eisbären-Profi Austin Ortega

Ein US-Reporter verunglimpft einen Eisbären-Profi wegen dessen Herkunft. Das Spiel der Chicago Blackhawks in Berlin macht sogar in den USA Schlagzeilen.

Die Chicago Blackhawks waren am Sonntag in Berlin bei den Eisbären. Und wie es bei einem großen Eishockeyklub aus der National-Hockey League (NHL) so üblich ist, wurde das letzte Testspiel vor der Saison auch live übertragen und zwar bei „NBC Sportsnet Chicago“. Im letzten Drittel des Spiels, es steht 1:1, entfleucht dem US-amerikanischen Fernsehreporter ein diskutabler Satz.

Als der US-amerikanische Eisbären-Profi Austin Ortega gerade am Puck ist, sagt der Reporter: „Ortega – sounds like he should be a shortstop“. Ein „Shortstop“ ist ein Spieler beim Baseball.

Übersetzt und weitergeführt heißt der Satz: Mit dem Namen sollte Ortega doch Baseball spielen und nicht Eishockey. In den USA taucht der Nachname Ortega im professionellen Baseball häufig auf – weil eben viele US-Amerikaner mit lateinamerikanischen Vorfahren oder Menschen aus Lateinamerika Baseball spielen.

Reporter Pat Foley hatte den Satz kaum gesprochen, schon rauschte es in der Heimat. Vorwurf: Rassismus. Ein Vorwurf, der die NHL oft begleitet hat, allerdings sind die Zeiten, in denen sich schwarze Spieler unter Schmähungen nach oben kämpfen mussten, lange vorbei. Aber abseits der Eisfläche ist wohl noch manches schräg.

Gegen die Diskriminierung im Eishockey

Auf Twitter schreibt ein Nutzer aus den USA zu der strittigen Aussage vom Spiel in Berlin. „Die NHL hat ein Rassismus-Problem.“ Viele Reporter seien „heterosexuelle weiße Männer mit rassistischen Ansichten“. In diesem Tenor sind viele Kommentare auf dem Netzwerk.

Martin Hyun sagt, die NHL sei eine Liga, in der es wenige Spieler gebe, die nicht weiße Hautfarbe hätten oder etwa wie der nun in Deutschland spielende US-Amerikaner Austin Ortega einen Migrationshintergrund jüngerer Geschichte haben. Hyun ist Gründer des Vereins „Hockey is Diversity“.

Der setzt sich schon seit Jahren gegen Diskriminierung im Eishockey ein. Hyuns Eltern kamen in den Siebzigerjahren aus Südkorea nach Deutschland, er selbst hat professionell Eishockey gespielt, vor 14 Jahren auch eine Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). „Bei einem Spiel in Augsburg haben die Fans mir ’Nasi Goreng’ hinterhergerufen“, erzählt Hyun.

Oft habe er sich anhören müssen, was er beim Eishockey wolle. „Am Flughafen haben mich Polizisten gefragt, ob ich zum Tischtennis fliege, obwohl ich vom Trainingsanzug her erkenntlich zur deutschen Eishockey-Juniorennationalmannschaft gehörte.“
Vorfälle wie diesen haben ihn seinen Verein gründen lassen, der inzwischen mit vielen Ligen zusammenarbeitet, auch mit der NHL.

Den Reporter-Vorfall vom Eisbären-Spiel gegen Chicago findet Hyun „unglaublich“: „Die Sprache der Kommentatoren muss in jedem Fall sensibler werden.“ Aber so eine Sache habe auch ihr Gutes: Die Reaktionen auf Foleys Fehltritt zeigten doch, dass die Menschen sensibler geworden seien.

Pat Foley ist in der US-amerikanischen Eishockey-Berichterstattung eine Größe. Er gilt als „the Voice of the Blackhawks“, die Stimme des Klubs, seit 36 Jahren kommentiert er Spiele der Blackhawks und war auch schon für den Preis der NHL als bester Reporter des Jahres nominiert. Inzwischen moderiert Foley als Haussprecher des Klubs die Spiele der Blackhawks.

Austin Ortega wollte sich am Dienstag nach dem Training der Eisbären auf Nachfrage nicht zu dem Fehltritt des Reporters äußern. Dafür hat sich Pat Foley geäußert. Der mit seinen 64 Jahren sehr erfahrene Reporter hat Eisbären-Sprecher Daniel Goldstein angerufen und sich für seine Aussage zu Ortega ausdrücklich entschuldigt. Womöglich hat der Mann nun etwas gelernt.

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