Dank nach oben. Dresdens Simon Makienok Christoffersen freut sich über sein Tor zum 1:1 gegen Fürth. Foto: Zink/Imago
© Zink/Imago

Profiklubs aus dem Osten in Abstiegsnot Dynamo Dresden heißt die Hoffnung

Fast alle Klubs aus dem Osten sind in Abstiegsgefahr. Die Vereinigung im Profifußball hat immer noch nicht stattgefunden. Ein Kommentar.

Simon Makienok Christoffersen ist der Mann für die Hoffnung bei Dynamo Dresden. Der dänische Angreifer traf drei Mal in sechs Spielen und rettete den Sachsen nun im Nachholspiel gegen Greuther Fürth einen wichtigen Punkt in einem Abstiegskampf, den der Zweitligist schon mit Beginn der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Krisenpause verloren zu haben schien. Nun aber regt sich der Tabellenletzte wieder. Aber es wird wohl nur mit viel ganz Glück reichen.

Wahrscheinlicher ist Dynamos Fall in die dritte Liga und die freut sich, sarkastisch betrachtet, auf jedes neue Mitglied aus dem Osten – denn dort tummeln sich aktuell fast ausschließlich Klubs aus dem geographischen Osten der Republik am Tabellenende in höchster Abstiegsgefahr. Der Profifußball im Osten spielt qualitativ weiterhin in den oberen drei Ligen nur kaum eine große Rolle.

Magdeburg, Chemnitz, Zwickau und Halle stemmen sich in Liga drei gegen den Abstieg, der abgeschlagene Tabellenletzte Jena ist schon abgestiegen. Wenn man dazu rechnet, dass in der Bundesliga der 1. FC Union aus Berlin noch ebenso wenig gerettet ist, wie der Zweitligist aus Dresden, dann gibt es aktuell drei Klubs aus dem Osten in den drei Profiligen, die sich um die Zukunft keine Sorgen machen müssen: Hansa Rostock* in Liga drei, Erzgebirge Aue in Liga zwei und Rasenballsport Leipzig in Liga eins.

Ganz nüchtern lässt sich also feststellen: Auch im 30. Jahr nach der politischen Vereinigung hat die Vereinigung im professionellen Fußball immer noch nicht stattgefunden. Zumal die beiden Bundesligisten, Union und RB Leipzig, keine für die Zeit typische und keine Geschichte vor der Wende hatten. Union spielte in der DDR sportlich nicht die ganz große Rolle und ist heute eben auch gefühlt ein Verein für ganz Berlin.

Paritätisch gesehen ist die Präsenz von Ostklubs gar nicht so schlecht

Rasenballsport gab es in der DDR nicht, zumindest nicht als Klubnamen: In Leipzig hat ein Getränkemulti in ein Retortenprojekt das investiert, was einen Klub im Profifußball bei sinnvoller Anwendung stark machen kann – viel Geld. Das aber wiederum fehlt den Traditionsklubs im Osten durchweg. Und da sind sie gar nicht so weit vom Westen entfernt, dort wurden auch etliche Traditionsklubs von Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg und Co. weggeschoben im kapitalistischen Verdrängungswettbewerb.

Paritätisch gesehen ist die Präsenz von Profiklubs aus dem Osten im deutschen Fußball übrigens gar nicht so schlecht: Rund 18 Prozent in den drei oberen Ligen stammen aus dem Teil Deutschlands, der zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte. Aber gemessen am Tabellenstand ist das aktuelle Bild des Ostens im Profifußball natürlich traurig.

Insofern wäre ein Wunder von Dresden schon schön, die Deutsche Fußball-Liga hatte dem vom Coronavirus geplagten Klub zwischen dem 31. Mai und 28. Juni (DFL) neun Punktspiele terminiert, was schon nach Todesurteil roch. Nun aber lebt Dynamo Dresden doch noch, zumindest, was die Hoffnung betrifft.

* Nordklub Hansa Rostock wurde nach langer Diskussion in einer nachträglichen Änderung doch in den Osten verortet weil es hier ja um DDR-Tradition geht.

Zur Startseite