Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Fans des FC Liverpool warten vor dem Stadion und präsentieren ihre Karten. Foto: Imago/Sportimage/David Klein
© Imago/Sportimage/David Klein

Pariser Polizei setzt Tränengas ein 68 Festnahmen und 238 Verletzte rund um das Champions-League-Finale

Chaos in Paris: Weil nach Uefa-Angaben viele Fans ohne gültige Tickets zum Stadion kamen, gab es Probleme beim Einlass. Die genauen Hintergründe sind unklar.

Zahlen einer Fußballnacht: 68 Festnahmen und 238 Verletzte hat die Polizei in Paris rund um das Finale der Fußball-Champions-League in einer ausdrücklich „vorläufigen“ Bilanz registriert. Um 1.20 Uhr in der Nacht teilte die Polizei mit, es seien vor, während und nach dem 1:0-Sieg von Real Madrid mit dem deutschen Nationalspieler Toni Kroos gegen den FC Liverpool 68 Personen festgenommen worden. Bei den Verletzungen habe es sich um „leichte“ Blessuren gehandelt, die Versorgung habe vor Ort stattgefunden. Wie viele der Fälle mit den massiven Problemen beim Stadioneinlass mit Tränengas-Einsatz der Polizei zu tun hatten, wurde zunächst nicht bekannt.

[Alle aktuellen Nachrichten bekommen Sie mit der Tagesspiegel-App live auf ihr Handy. Hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen.]

Der FC Liverpool forderte noch in der Nacht Aufklärung. Das Spiel im Stade de France bei Paris hatte am Samstag um 21.36 Uhr und damit 36 Minuten später als geplant begonnen. Fans und Beobachter äußerten Kritik an den Organisatoren.

Die Europäische Fußball-Union Uefa erklärte das Chaos durch das hohe Aufkommen von Fans ohne gültige Tickets. Die Drehkreuze am Eingang von Liverpool seien blockiert gewesen, weil Tausende Anhänger, die gefälschte Tickets erworben hätten, diese nicht passieren konnten, teilte die Uefa am späten Samstagabend mit.

Dadurch sei es zu Staus gekommen. Der Anpfiff sei verschoben worden, um möglichst vielen Fans mit Tickets den Einlass zu ermöglichen. Der Kontinentalverband äußerte Mitgefühl für diejenigen, die durch die Vorfälle betroffen gewesen seien und kündigte eine Aufarbeitung mit der französischen Polizei und dem französischen Verband an.

Polizisten bewachen einen Eingang am Stade de France in Paris. Foto: Christophe Ena/AP/dpa Vergrößern
Polizisten bewachen einen Eingang am Stade de France in Paris. © Christophe Ena/AP/dpa

„Wir sind sehr enttäuscht von den Problemen beim Stadion-Einlass und dem Zusammenbruch des Sicherheitsbereichs, dem Liverpool-Fans heute Abend im Stade de France ausgesetzt waren“, teilte der englische Fußball-Club während der Partie mit. „Wir fordern eine offizielle Untersuchung zu den Gründen dieser inakzeptablen Probleme.“ Liverpool-Coach Jürgen Klopp berichtete, dass er wisse, „dass einige aus den Familien Probleme hatten. Wir müssen weitere Untersuchungen abwarten, um zu wissen, was passiert ist. Einige Dinge waren nicht gut und nicht schön. Mehr weiß ich noch nicht.“

[Lesen Sie bei T+: Trainer genießt Heldenverehrung in Liverpool – Sie sind regelrecht besessen von Jürgen Klopp]

Zunächst war der Anpfiff um 15 Minuten und dann noch zwei weitere Male verzögert worden. Zunächst hatten die Veranstalter auf der Anzeigetafel Sicherheitsgründe angegeben, danach hieß es, dass es am „verspäteten Eintreffen von Fans“ liege. Dies erzürnte zahlreiche Liverpool-Anhänger, die in Sozialen Netzwerken berichteten, dass sie lange Zeit vor dem Stadion gewartet hätten. Bilder zeigen teils chaotische Szenen beim Einlass und lange Schlangen rund um die Arena.

Im Stadion wurde auf der Anzeigetafel über den verspäteten Anpfiff informiert. Foto: Imago/Revierfoto Vergrößern
Im Stadion wurde auf der Anzeigetafel über den verspäteten Anpfiff informiert. © Imago/Revierfoto

„Ich bin nicht sicher, dass es möglich ist, ein Event schlechter zu organisieren, sogar falls man es versuchen würde. Absolut chaotisch und gefährlich“, twitterte die englische Fußball-Legende Gary Lineker mit der Uefa als Adressat. Die Begründung der Verzögerung durch eine späte Ankunft der Fans bezeichnete er als „Bullshit“.

„Die Organisation um und im Stadion ist nicht nur eines Champions-Leagues-Finales unwürdig“, sagte der frühere Fußballprofi Marvin Matip, Bruder von Liverpools Joel Matip, bei Sky. „Tränengas in Bereichen mit Kindern und unbeteiligten Fans einzusetzen ist gemeingefährlich.“

Die Pariser Polizei twitterte auf französisch, englisch und spanisch, dass Fans nicht versuchen sollten, sich den Zugang zu erzwingen. Innenminister Gérald Darmanin schrieb auf Twitter: „Tausende von britischen „Fans“ haben sich ohne oder mit falschen Tickets den Eintritt erzwungen und manchmal die Ordnungskräfte angegriffen.“ Die Nachrichtenagentur AP berichtete, dass es einige Zwischenfälle gegeben hätte, bei denen Fans offenbar ohne Tickets versucht hätten, sich Eintritt zu verschaffen.

Zahlreiche Anhänger des FC Liverpool befanden sich auch zum ursprünglich geplanten Anpfiff um 21.00 Uhr noch nicht auf den Rängen, beim Anpfiff mehr als eine halbe Stunde gab es noch einige Lücken. Die Fan-Bereiche von Real Madrid waren hingegen frühzeitig gut gefüllt. Die Mannschaften kamen kurz nach 21.00 Uhr wieder aus der Kabine und machten sich ein zweites Mal warm. Die Eröffnungsfeier startete um 21.23 Uhr begleitend von einem lauten Pfeifkonzert der Anhänger. Real gewann das Finale mit 1:0. Das Finale war wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine von St. Petersburg nach Frankreich verlegt worden. Auch bei EM-Endspiel im vergangenen Jahr war es zu Problemen rund um den Einlass ins Londoner Wembley-Stadion gekommen. (dpa)

Zur Startseite