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Da klebt er. Eine Stunde dauerte es, bis Brown wieder vom Flugzeug gelöst wurde. Foto: Imago
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Parasportler und Klimaaktivist James Brown Hand aus Protest ans Flugzeug geklebt – jetzt Haft-Strafe

James Brown hat bei den Paralympics Goldmedaillen gewonnen. Nach einer wahnwitzigen Klimaaktion muss der Nordire nun ins Gefängnis.

Sage niemand, Paralympics-Teilnehmer seien nicht auch mal unkonventionell und gerade deswegen zu bewundern. Allerdings können sie es auch ganz schön auf die Spitze treiben – oder in diesem Fall – auf ein Flugzeug. Der nordirische frühere Paralympics-Sieger James Brown ist jedenfalls wegen einer ziemlich ungewöhnlichen Umweltschutzaktion zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Er hatte bereits vor einiger Zeit, oben auf einer British-Airways-Maschine liegend, seine Hand mit Superkleber da angeheftet. Wohl, um den Start zu verhindern – und er wollte dadurch auf extreme Weise eine Klimaschutzaktion von Extinction Rebellion unterstützen. Brown hat seinen Öko-Stunt sogar von da oben mitgefilmt und ins Netz gestellt. „Oh, ich habe Höhenangst. Ich muss den Live-Stream stoppen, ich habe zu viel Angst.“

Wie mehrere Nachrichtenportale berichteten, muss der schwer sehbehinderte Paralympics-Sieger nun wegen Störung des Flugverkehrs in Großbritannien ins Gefängnis. Der heute 56-Jährige, zweifache Goldmedaillengewinner im Bahnradfahren im Jahr 1984 in New York, hatte sich während der Aktion der rebellischen Umweltschutzbewegung gegen die Auslöschung der Zivilisation auf der Erde infolge der globalen Erderwärmung im Oktober 2019 auf dem London City Airport in diese Pole-Position gebracht.

Der Anklage zufolge, über die mehrere Medien berichteten, war Brown, der als Passagier gelistet war, vor zwei Jahren plötzlich auf die British-Airways-Maschine geklettert und hatte seine Hand mit Superkleber an der Außenhülle befestigt. Fotos zeigten ihn bäuchlings mit nacktem Oberkörper auf dem Flieger, der nach Amsterdam abheben sollte.

Sechs Monate muss Brown tatsächlich hinter Gitter

Brown wurde nun vor dem Southwark Crown Court zu zwölf Monaten verurteilt, sechs Monate davon wird der ehemals sehr gefeierte Sportstar absitzen müssen – im wahrsten Sinne des Wortes ist das diesmal eine echte Haft-Strafe, wie verschiedene Medien schrieben. Um mal ein bisschen Humor in diese krude Sache zu bringen.

Der Richter nahm es nicht sportlich und argumentierte, diese Strafe solle der Abschreckung derjenigen dienen, die „im Namen des Protestes das Leben einfacher Menschen ernsthaft stören“. Mehr als 300 Passagiere seien betroffen gewesen, James Brown habe seine Behinderung „schamlos ausgenutzt“. Erst nach einer Stunde war seine Hand vom Flugzeug gelöst worden. Brown selbst erklärte, er habe „etwas Spektakuläres“ machen wollen, um mehr Aufmerksamkeit auf die Klimakrise zu lenken.

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Nun, spektakulär wirkt die Aktion ja, sinnvoll allerdings weniger. Seine Hand wird da auch sicher nicht unbeschädigt geblieben sein, ganz abgesehen von seinem Image. Bei aller Liebe fürs Extreme, die Aktion wirkt doch gaga und nicht wirklich effektiv. Zu den Klimaprotesten der vergangenen Jahre hat ihn, so Brown, seine Tochter inspiriert. Sie wird er jetzt längere Zeit im Gefängnis nur hinter Gittern aufwachsen spüren.

Hätte James Brown doch an seine weitere sportliche Karriere gedacht, da war er nämlich als Paralympionike auch im Wintersport aktiv, als Biathlet, Alpinskifahrer und sogar Langläufer – vielleicht hätte das sein Gemüt ein bisschen heruntergekühlt.

Andererseits kann man ihm zugutehalten: Er hat es geschafft, auf verrückte Weise über Jahre das Thema Erdaufheizung in den Berichten über ihn warmzuhalten. Möge es jeden einzelnen von uns ganz ernsthaft zur Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes in unseren Lebenswelten animieren. Denn das Thema globale Erwärmung ist ganz und gar nicht lustig, ob nun sportlich oder unsportlich.

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