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Luke Sikma (rechts) hat mit Alba die letzten neun Spiele gewonnen. Foto: IMAGO/camera4+
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Noch drei Spiele in der Hauptrunde Alba Berlin schaltet in den Play-off-Modus

Alba Berlin will seine Siegesserie ausbauen und den Schwung in die Play-offs mitnehmen. „Unser Job ist noch lange nicht erledigt“, sagt Kapitän Luke Sikma.

Nach einem glanzvollen Sieg mit 40 Punkten Vorsprung ist es gar nicht so einfach, große Verbesserungspotenziale zu finden, Luke Sikma braucht dennoch keine Bedenkzeit. „Natürlich gibt es Dinge, an denen wir noch arbeiten müssen. Wir sind Perfektionisten!“, sagt der Kapitän von Alba Berlin. Mit seinem Basketball-Team hat er gerade neun Spiele in Folge gewonnen, mit einem Heimsieg am Mittwoch (19 Uhr, Magentasport) gegen Absteiger Gießen kann der Titelverteidiger zum ersten Mal in dieser Saison an die Tabellenspitze klettern. Wenn kein großes Unglück mehr passiert, startet Alba am Freitag kommender Woche als Hauptrundenerster ins Viertelfinale. Ein Grund zu Zufriedenheit und Freude, doch den Berlinern ist anzumerken, dass sie bereits langsam in den Play-off-Modus schalten.

Das ist auch Johannes Thiemann anzumerken. Der 28 Jahre alte Nationalspieler weiß natürlich, dass seine Mannschaft beste Chancen auf Hauptrundenplatz eins hat, doch mit solchen Tabellenspielereien will er sich erst gar nicht aufhalten. „Wir gehen die Spiele genauso an wie immer“, sagt Thiemann und gibt bezogen auf die aktuelle Siegesserie die Richtung für die letzten drei Spiele vor: „Wir wollen aus neun zwölf machen.“

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Mit den Play-offs in Sichtweite wäre es nur menschlich, das Ende der Hauptrunde etwas ruhiger angehen zu lassen, insbesondere falls Platz eins bereits vorzeitig feststehen sollte. Schließlich will sich niemand mehr kurz vor der wichtigsten Phase des Jahres verletzen oder zu viele Kräfte verschleißen. Doch diesem Impuls wollen die Berliner Profis unbedingt widerstehen. „Wir dürfen jetzt nicht abschalten und sagen, wir konzentrieren uns nur noch auf die Play-offs“, warnt Malte Delow. „Es gibt da keinen Schalter, den man einfach umlegen kann, und sofort ist man wieder bei 100 Prozent. Wir müssen im Rhythmus bleiben.“

Rhythmus, Momentum, Lauf, Fokus – es sind die Schlüsselworte, wenn man dieser Tage mit den Alba-Spielern spricht. Wie schon in den vergangenen Jahren sieht es so aus, als gelinge den Berlinern erneut das Kunststück, pünktlich zu den Play-offs in Bestform zu kommen. „Ich bin sehr zufrieden, wie wir gerade spielen“, sagt selbst der Perfektionist Sikma.

Dass Alba momentan so begeisternd und erfolgreich auftritt, hat vor allem zwei Gründe: die physische Verfassung der Mannschaft und die abgeschlossene Integration der Zugänge aus dem vergangenen Sommer. Schon in der Vergangenheit war immer wieder zu sehen, dass die meisten neuen Spieler durchaus mehrere Monate brauchen, um sich in dem schnellen und kreativen Berliner Basketball zurechtzufinden. „Das System ist komplex und da muss man Geduld haben“, sagt Thiemann. „Aber das macht uns hinten heraus dann auch so stark, wenn jeder das System verinnerlicht hat und die Rollen klar verteilt sind.“ Diese Fortschritte sind bei Jaleen Smith schon länger zu sehen, bei Yovel Zoosman und Tamir Blatt ging die Leistungskurve in den vergangenen Wochen steil nach oben.

Physisch profitiert Alba vom Ende der Doppelbelastung durch die Euroleague und der deutlich entspannteren Verletztensituation. Bei Marcus Eriksson lässt sich wegen seiner hartnäckigen Fußprobleme weiterhin keine Prognose abgeben, doch zumindest bei Tim Schneider läuft alles nach Plan. Nach seiner Meniskusoperation steigt er nun wieder ins Lauftraining ein und kann bei gutem Verlauf in einer Woche mit leichten basketball-spezifischen Übungen beginnen. Nachdem im Herbst und Winter teilweise vier oder fünf Spieler gleichzeitig mit Verletzungen oder Corona ausgefallen waren, hat Trainer Israel Gonzalez nun genügend Alternativen, um die Last gleichmäßig zu verteilen – und das sieht man.

Alba spielt wieder Alba-Basketball

Die Zeiten, in denen sich Alba zwei Tage nach einer anstrengenden Euroleague-Reise durch ein Bundesliga-Spiel gequält hat, sind vorbei. Durch die hohe individuelle Qualität gewannen die Berliner zwar auch in diesen schweren Monaten viele Spiele, doch nun ist auch wieder der klassische Alba-Stil zu erkennen. „Wenn wir gut spielen, macht es das auch physisch viel einfacher“, sagt Sikma. „Dann lassen wir den Ball laufen und es hängt nicht alles an einem Spieler.“

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Dabei kommt den Berlinern auch ihr tiefer Kader zugute, das lässt sich bereits an den Statistiken ablesen. Während viele BBL-Teams von ein oder zwei überragenden Spielern abhängig sind, tritt Alba sehr ausgeglichen auf. Zwar tauchte dadurch kein Berliner ernsthaft in den Diskussionen über die individuellen Auszeichnungen der Liga auf, doch das kann Sikma, MVP der Saison 2017/18. verschmerzen. „Wir haben eine sehr uneigennützige Gruppe und jeden Tag spielt sich jemand anderes in den Vordergrund“, sagt der 32-Jährige.

Mit seiner großen Erfahrung weiß Sikma allerdings auch, dass es wohl nicht bis zum Saisonende so reibungslos weitergehen wird. „Play-off-Basketball ist eine komplett andere Angelegenheit“, sagt Albas Kapitän. „Und unser Job ist noch lange nicht erledigt.“

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